Im Web nie wieder etwas verpassen

Ob Konkurrenz­beo­bach­tungen, Über­wachung von Crowd­funding, Auk­tionen, Online-Inseraten oder Job­an­ge­boten: Visualping.io erlaubt flexibles Web­moni­toring.

Im Beitrag Ein wachsames Holzauge im Web habe ich eine Anwendung vorgestellt, die Websites automatisiert auf Veränderungen hin untersucht und sofort informiert, wenn neue Informationen auftauchen. Dieses Monitoring erspart es einem, selbst in schöner Regelmässigkeit nachzusehen, ob sich auf einer Auktionsplattform, einem Job-Portal, einer Immobilien-Plattform oder meinetwegen einer Dating-Site etwas getan hat, das eine unmittelbare Reaktion erfordert.

Die damals vorgestellte Web-App erfüllt diesen Zweck ausgezeichnet, ist allerdings in der Anwendung etwas eigentümlich – für technisch versierte Leute ist das kein Problem. Doch bei Nutzern, die nicht mit dem Aufbau einer Website vertraut sind, besteht die Gefahr, dass sie ihren Monitoring-Auftrag nicht korrekt einrichten und dementsprechend wesentliche Änderungen verpassen.

Visualping.io ist eine Alternative, die das gleiche tut – aber auf eine etwas volkstümlichere Weise: Man muss keine Elemente auf der Website auswählen, sondern lediglich einen Bereich, den man mit einem Auswahl-Werkzeug aufzieht.

Beim Einrichten des Monitoring-Jobs legt man fest, welcher Bereich einer Website überwacht werden soll.

Treffer springen sofort ins Auge

Das ist aber noch nicht der einzige Unterschied; auch im Fall eines Treffers setzt die Anwendung auf einfache Nutzung und – wie der Name schon andeutet – visuelle Versinnbildlichung der Veränderungen. In einer Grafik mit dem aktuellen Stand sieht man leicht durchscheinend die zuvor gesicherte Fassung, und mit einem Schiebregler kann man zwischen dem Vorher und dem Nachher umschalten. So sieht man selbst als unbedarfter Anwender sofort, was sich getan hat.

Mit einem Schieberegler schaltet man zwischen alter (rechts) und neuer Version (links) der Website um.

Nebst der Darstellungsform Visual Changes gibt es auch die Option Text Changes, bei der die Änderungen so dargestellt sind, wie man es vom Überarbeitungsmodus in einer Textverarbeitung her kennt: Der verschwundene Text erscheint durchgestrichen und rot hinterlegt, während der neue Text grün ausgezeichnet ist.

Auch die Textänderungen lassen sich farblich hervorheben.

Fazit an dieser Stelle: Visual Ping ist auf den ersten Blick einfacher zu benutzen als vergleichbare Monitoring-Dienste. Der Dienst ist flexibler, zumal es neben der visuellen Vergleichsmethode auch die Optionen Text und Element gibt. Letztere funktioniert ähnlich wie Konkurrenten wie Distill.io.

Bemerkenswert sind ausserdem die Einstellungen, die man in den Job Settings zu einem Monitoring-Auftrag geben kann.

Überprüfung im Fünf-Minuten-Takt

Erstens die Frequency: Hier gibt man an, wie oft auf Änderungen hin überprüft werden soll. Für die kostenlose Nutzung beträgt der kürzeste Abstand zwischen zwei Checks einen Tag. Mit einem Premium-Preisplan kann man die bis auf fünf Minuten hinunterschrauben – allerdings würde ich dann das Risiko relativ hoch einschätzen, dass der Check blockiert wird und überhaupt nicht mehr funktioniert. Das kann tatsächlich passieren, wie ich bei meinem Test festgestellt habe; dazu unten mehr.

Hier werden die Job-Optionen festgelegt.

Beim Threshold legt man fest, wie sensitiv der Check auf Änderungen reagieren soll. Mit Tiny (1%) lösen selbst kleine Veränderungen eine Benachrichtigung aus. Ferner gibt es die Optionen Medium (10%), Major (25%) und Gigantic (50%), wobei trotz der Prozentangaben schwer einzuschätzen ist, mit welcher man auf der sicheren Seite ist. Tendenziell setzt man ihn lieber zu tief als zu hoch an und wenn man sicher sein will, das gewünschte Resultat zu erzielen, kommt man um Experimente nicht herum.

Auch interessant: Unter Perform Actions kann man eine oder mehrere Aktionen ausführen lassen, bevor der Vergleich stattfindet. Diese Funktion ist für interaktive Websites gedacht, bei denen man nicht über die URL zur Ansicht gelangt, die analysiert werden muss, sondern bei der man erst eine Abfrage starten oder einen Knopf betätigen muss. Diese Actions erweitern die Möglichkeiten von Visual Ping beträchtlich, aber man muss von Fall zu Fall ausprobieren, wie robust diese automatisierten Interaktionen funktionieren.

Bei Adjustments schliesslich wählt man einen Proxy-Server, wobei man diverse Länder zur Auswahl hat. Diese Option ist vermutlich zur Verschleierung gedacht, wenn man mittels Visual Ping Konkurrenzbetrachtungen betreibt und allenfalls auch ausgesperrt worden ist.

Vielfältige Benachrichtigungsmöglichkeiten

Die Benachrichtigungen erfolgen per E-Mail. Bei einem bezahlten Abo darf man sich auch SMS schicken lassen oder sich per Slack, Teams, Webhook, Discord oder sogar RSS-Feed über Änderungen in Kenntnis setzen lassen. Und noch ein Vorteil des bezahlten Abos ist das Advanced Job-Scheduling, in dem man pro Wochentag angibt, zu welchen Zeiten ein Check veranlasst werden soll.

Fazit: Das macht einen ausgeklügelten Eindruck. Visual Ping hat einleuchtende Funktioen und ist einfach zu verwenden. Die Website ist zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, weil sie während der Coronapandemie von Fernsehsendern empfohlen wurde: Man könne sie hervorragend dazu verwenden, sich über neue Impftermine informieren zu lassen.

Bei Kickstarter.com ist kein Durchkommen – hier sind offensichtlich schon andere Visualping-Nutzer zugange.

Einziger Kritikpunkt: In meinem Test hat sie nicht völlig zuverlässig funktioniert. Ich wollte mir erst einen Monitoring-Job für Kickstarter einrichten, doch dort wurde Visual Ping mit dem Hinweis blockiert, man sende zu viele Anfragen.

Auch mittels Proxy-Server liess sich dieser Fehler nicht umgehen: Offenbar war ich nicht der einzige, der sich mittels Visual Proxy über neue, interessante Crowdfunding-Projekte informieren lassen wollte – so viele andere Leute wollen das auch, dass der DDoS-Schutz angesprungen ist.

Noch zu den Preisplänen: Für die Gratisnutzung erhält man 150 Checks pro Monat, was für eine Handvoll Jobs ausreicht. Die kostenpflichtigen Preispläne beginnen bei 120 US-Dollar pro Jahr, weitere Pläne sind für 300, 600 und 1200 US-Dollar zu haben, wobei die Zahl der zu überwachenden Seiten grösser und das minimale Check-Intervall kleiner wird. Sinnvoll: Es gibt auch eine Pay per Use-Option, bei der man ab 25 US-Dollar für 1000 Checks dabei ist.

Beitragsbild: Auch ihr entgeht gar nichts (Dominika Roseclay, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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