Soundklau mit Apples freundlicher Schützenhilfe

Die Airpods-Kopfhörer neigen dazu, sich mit den falschen Geräten zu verbin­den, was eine nach­hal­tige Gefahr für den Fami­lien­frieden dar­stellt. Woher dieses Problem kommt und wie man es behebt.

Die drahtlosen Apple-Kopfhörer neuerer Bauart (von denen ich die Airpods Max und die Airpods 3 vorgestellt habe) zeichnen sich durch eine Funktion aus, die es bei anderen Kopfhörern nicht gibt: Man muss sie nicht explizit mit einem Gerät verbinden. Sie tun das von sich aus: Wenn sie aus dem Böxchen genommen werden und feststellen, dass auf einem Apple-Gerät in der Umgebung eine Wiedergabe läuft, dann verbinden sie sich automatisch mit dem und übernehmen.

Das mag für einen solitär lebenden Apple-Jünger sinnvoll sein, weil er dann in seiner High-Tech-Klause ohne Extra-Handgriffe den Mac, Apple-TV, das iPhone oder iPad auf den Ohren hat, wie es eben gerade sinnvoll ist. Doch wenn man sich mit anderen Menschen nicht nur die Wohnung, sondern auch die Gerätschaften teilt, dann hat das einen massiven Nerv-Faktor. Unter diesen Umständen passiert nämlich andauernd Folgendes:

Während man nichtsahnend die Airpods aus ihrem Böxchen nimmt, weil man etwa ein Telefongespräch führen möchte, und sie sich ins Ohr stöpselt, hat man sofort Peppa Pig, die Maus oder Petterson und Findus im Gehörgang. Gleichzeitig ertönt im Nebenzimmer lautes Gebrüll, weil das Kind eine lautstarke Erklärung dazu fordert, wo der Ton seines Hörspiels oder Videos geblieben sei. Randbemerkung: Ein wenig erinnert das auch an die im Beitrag Zwei sagenhaft lästige iPhone-Kopfhörer-Probleme beschriebenen Schwierigkeiten.

Die Wiedergabe an den rechtmässigen Besitzer zurückleiten

Den Soundklau ungeschehen machen.

Der «Tonklau» lässt sich ungeschehen machen. Dazu öffnet man Kontrollzentrum und tippt auf das Symbol für die drahtlose Wiedergabe (siehe rechts), woraufhin die Klangausgabe über das Andere Lautsprecher & TV-Geräte steuern-Menü aufs eigene Gerät zurückgeholt werden kann.

Nun könnte das Problem behoben sein, wenn nicht manchmal auf dem (eigentlich) unbeteiligten Familien-Tablet in den Händen des Kindes ein Hinweis über die Verbindung zu den Airpods stehen geblieben wäre, der das Video oder die Kinder-App komplett verdeckt. Da das Kind in seinem Ärger den Schliessen-Knopf rechts oben übersieht, kommt man nicht umhin, sich zu ihm zu gesellen, das Fenster zu schliessen und sich vielmals für die Störung zu entschuldigen.

«Papa, bist du das?!»

Mir ist klar, dass es eine – aus Apples Sicht perfekte – Lösung für dieses Problem gibt: Jeder besitzt seine eigenen Geräte und keines davon wird gemeinsam genutzt. Dann lässt sich jedes der Geräte mit einer eigenen Apple-ID betreiben, woraufhin der Soundklau ausbleibt. Denn die Kopfhörer schalten nicht auf beliebige Apple-Geräte in der Umgebung um – wobei das wiederum fast schade ist. Ich stelle es mir als Heidenspass vor, am Hauptbahnhof zu stehen und aufs Gerätewohl fremde Telefone anzuzapfen. Da würde man sicher lustige Dinge zu hören bekommen.

Wer wird sich von Apple das Familien-Tablet streitig machen lassen?

Aber ich halte an der Idee des Familien-Tablets fest. Ich werde mich hier nicht auf die Diskussion einlassen, ab welchem Alter es angebracht ist, dass ein Kind sein eigenes Tablet oder Smartphone besitzen darf – darüber gehen die Meinungen auseinander. Jedenfalls zeigt dieser Fall, wie sich die sprichwörtliche appelsche Benutzerfreundlichkeit in ihr Gegenteil verkehrt, wenn man die Geräte nicht genauso verwendet, wie es der Erfinder beabsichtigt hat.

Abgesehen davon scheint mir diese automatische Verbindung ein typischer Fall von Overengineering zu sein: Es ginge auch weniger perfektionistisch und weniger konfliktträchtig. Meine Sport Earbuds von Bose (Meine neuen Lieblings-Ohrstöpsel) lassen sich ebenfalls mit mehreren Geräten koppeln. Wenn nicht das gewünschte verbunden ist, tippt man kurz auf den Bluetooth-Knopf, der im Case zwischen den beiden Schalen steckt, woraufhin die Stöpsel zum nächsten Gerät wechseln. Da ich die Stöpsel kaum je mit dem Familien-Tablet nutze, ist die Gefahr von Tonklau mit diesem Mechanismus praktisch gleich null.

Es gibt Abhilfe

Immerhin, es gibt auch für Apple-Kopfhörer Abhilfe: In den Einstellungen bei Bluetooth sucht man in der Liste der verbundenen Geräte den Apple-Kopfhörer und tippt aufs i-Symbol am rechten Rand. Im Gerätemenü findet sich die Option Mit diesem iPhone/iPad verbinden: Normalerweise steht die Auswahl dort auf Automatisch. Wenn man sie am Familien-iPad auf Wenn zuletzt mit diesem iPad verbunden umschaltet, ist die Gefahr des Tonklaus zwar nicht komplett gebannt, aber drastisch minimiert.

Mit dem Familien-iPad soll sich der Kopfhörer nur verbinden, wenn er vorher schon damit verbunden war.

Beitragsbild: Wehe, wenn plötzlich der Ton weg ist (Igor Starkov, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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