Was ist dran am Gerücht, dass unsere Handys und PCs uns belauschen?

Immer wieder bin ich mit der Frage kon­fron­tiert, ob es so ist, dass Face­book – oder auch Google – mitlau­schen und heraus­fin­den, worüber wir mit unseren Freunden reden, um uns dann passende Werbung zu ser­vieren. Was ist dran an dieser Ver­mu­tung?

Es gibt eine Frage, mit der in schöner Regelmässigkeit konfrontiert werde. Sie lautet: Hören die Tech-Konzerne uns via Smartphone und Computer unsere Gespräche ab? Der Ausgangspunkt ist immer der Gleiche: Jemand hat sich offline mit jemand anderem über ein Thema unterhalten und hinterher Werbung zum besprochenen Thema angezeigt bekommen.

Klar: Technisch wäre ein solcher Lauschangriff möglich: Siri, Google Assistant und Amazon Alexa zeigen auf, wie weit das Verständnis der Maschinen für gesprochene Sprache geht. Aber ist es auch wahrscheinlich, dass das passiert?

Ich erkläre gleich, was ich den Leuten jeweils auf diese Frage antworten. Aber erst eine Bitte an euch: „Was ist dran am Gerücht, dass unsere Handys und PCs uns belauschen?“ weiterlesen

Microsoft hat sich kein Bein ausgerissen

Die App Medien­wieder­gabe spielt unter Windows 11 Musik und Videos ab, hat mit dem klas­sischen Win­dows Media Player (WMP) ansonsten jedoch nicht viel gemei­sam. Ein würdiger Nach­folger?

Im Beitrag Der Windows Media Player müffelt gewaltig hatte ich seinerzeit kritisiert, dass Windows keine vernünftige App zur Musikwiedergabe vorzuweisen hat. Den Windows Media Player gibt es zwar noch, aber der ist nichts mehr als eine Behelfslösung. Darum braucht man eine Dritt-App; zum Beispiel Aimp (Zum Glück gibt es etwas Besseres als WinAmp) oder VLC UWP (Der wiedergeborene VLC-Player überzeugt noch nicht).

Die gute Nachricht ist: Mit Windows 11 hat Microsoft das Manko beseitigt. Im Betriebssystem ist eine Musik-App enthalten, die diese Bezeichnung verdient. Sie heisst Media Player Medienwiedergabe¹, hat aber mit dem klassischen Wiedergabeprogramm für Medieninhalte unter Windows (in Englisch) nur den Namen, minus das Windows, gemeinsam. Im Vergleich zum klassischen WMP ist diese neue App aufgeräumter, mit einem aufs Notwendigste beschränkten Funktionsumfang, dafür aber einer gefälligen Oberfläche.

Zu den Funktionen für die Wiedergabe zählen bei der Medienwiedergabe-App ein Equalizer, variable Wiedergabegeschwindigkeiten (von 0,25- bis zweifachem Tempo) und der Möglichkeit, zehn Sekunden zurück und dreissig Sekunden vorwärtszuspringen. Es gibt einen Miniplayer (Ctrl m), der immer im Vordergrund bleibt, zufällige Wiedergabe (Ctrl h) und Wiederholung (Ctrl t). Es existiert auch die Möglichkeit, über das Wiedergabemenü (erkennbar an den drei Punkten rechts unten im Programmfenster), die Wiedergabe auf ein externes Gerät umzulenken (Auf Gerät abspielen, Ctrl k).

Und auch nett: „Microsoft hat sich kein Bein ausgerissen“ weiterlesen

Sieben Stunden Günther Jauch – am Stück

Im Podcast «Alles gesagt?» kann der Gast so lange sprechen, bis ihm nichts mehr einfällt oder vor Müdig­keit die Augen zuklappen. Ist das ein geniales Format – oder eines, das belegt, dass man nur wenigen Leuten bis zum Ende zuhören will?

Macht kürzere Podcasts, habe ich vor zehn Jahren gefordert. Damals waren die Laber-Formate en vogue, die auch vier oder fünf Stunden dauern konnten. Die Prämisse war, alles bis zum bitteren Ende auszudiskutieren – oder bis zu dem Punkt, wo das Bier oder die Konzentration endgültig alle war.

Nun bin ich es mir gewohnt, dass man nicht auf mich hört. Auch «Die Zeit» hat weder meine Expertise eingeholt noch (was noch einfacher gewesen wäre), meinen Blogpost gelesen. «Die Zeit» hat nämlich ein Format im Angebot, bei dem das, was ich als Not sehe, zur formgebenden Tugend erklärt wird. Will sagen: In diesem Podcast dauert ein Gespräch so lange, bis der Gast es für beendet erklärt. Dafür wird am Anfang eine Art Safeword vereinbart. Sobald das geäussert wird, kommt ohne eine weitere Floskel oder eine Verabschiedung der Abspann, und die Sache ist zu Ende.

Bevor ich mir die allererste Folge angehört habe, war ich hin- und hergerissen: „Sieben Stunden Günther Jauch – am Stück“ weiterlesen

Wenn Spotify rote Linien überschreitet

Die Autoplay-Funktion soll am Ende eines Albums oder einer Wieder­gabe­liste dafür sorgen, dass die Musik weiter­spielt. Doch die frag­wür­dige automa­tische Musik­auswahl beweist primär, dass Spotify seine Algori­thmen nicht im Griff hat.

Eine wirklich missratene Spotify-Funktion heisst Autoplay. Sie sorgt dafür, dass am Ende einer Wiedergabeliste oder eines Albums nicht Stille einsetzt, wie sich das eigentlich gehören würde. Stattdessen sucht sich der Algorithmus irgendetwas aus, das er abspielen könnte.

Und klar, man könnte das für praktisch halten, weil es einem die Arbeit erspart, selbst einen neuen Inhalt auszugraben. Doch wie es so geht: Es zeigt vorwiegend, dass den Algorithmen nicht zu trauen ist. Diese Autoplay-Funktion hat in meinem Fall nämlich gleich zweimal komplett daneben gelangt: „Wenn Spotify rote Linien überschreitet“ weiterlesen

Das Hakenkreuz, das gar keines ist

Putin-Propa­ganda zu verbreiten, ist einfach – die Propa­ganda als Lüge zu entlar­ven, manchmal aber auch. Ein Beispiel, wie das mittels Bilder­suche und Über­setzungs­dienst tun kann – und ein Plädoyer, es auch zu tun.

Aus (manchen) Corona-Massnahmengegner sind Putin-Apologeten geworden. Das ist überaus bedauerlich, aber zu einem gewissen Grad erklärbar.

Diese Leute, die aufseiten Russlands stehen, haben ein Problem: Es ist schwierig, die Position eines rücksichtslosen Aggressors zu verteidigen, der Völkerrecht bricht, mutmasslich Kriegsverbrechen begeht und mutmasslich einen Genozid anstrebt. Wer das rechtfertigen will, muss zu den groben Propaganda-Mitteln greifen und die Wahrheit verdrehen und Dinge aus dem Kontext reissen. Aber in Zeiten der sozialen Medien braucht man auch dafür kein Diplom in angewandter Desinformationsverbreitung. Man braucht sich nur bei den passenden Quellen zu bedienen. Telegram ist hierfür die passende Anlaufstelle.

Wenn nun Bilder und Memes aus der geschlossenen Telegram-Welt in die öffentlicheren sozialen Medien wie Facebook und Twitter schwappen, ist es unsere Pflicht dagegenzuhalten. „Das Hakenkreuz, das gar keines ist“ weiterlesen

«The Hole» hat dramaturgisch ein paar Löcher

Im Buch von Brandon Q. Morris, der bürgerlich Matthias Matting heisst und Physiker ist, droht dem Sonnen­system ein abrup­tes Ende. Die Mensch­heit nimmt das un­fass­bar gelassen – was über Gebühr nerven­schonend ist.

Ich habe versucht herauszufinden, wie sich die Coronapandemie auf den Büchermarkt ausgewirkt hat. Im Beitrag The Pandemic Is Changing Book-Buying Patterns von «Publishers weekly» gibt es einige Informationen dazu: Natürlich habe die Leute Bücher zu Seuchen gekauft (schliesslich stand sogar auf Facebook, was man aus Die Liebe in den Zeiten der Cholera) alles lernen kann. Die Zahlen widerspiegeln, dass die Leute ihre Freizeit radikal umgestaltet haben (ein Plus von 42 Prozent in der Kategorie «Spiele und Aktivitäten») und der Anstieg von zehn Prozent bei der Belletristik deutet auf ein gesteigertes Bedürfnis nach Realitätsflucht hin.

Das ist interessant, aber nicht so tiefgründig, wie ich es gern hätte. Mich würde interessieren, welche Verschiebungen es bei den Genres gab. Haben die Leute mehr Wohlfühl-Bücher und utopische Werke gelesen, die sie von einer besseren Zukunft träumen lassen? Sind sie in Fantasy-Welten abgetaucht, die nichts mit dieser Realität hier zu tun haben? Oder kam «die gute alte Zeit» in Form von historischen Schinken zum Zug? „«The Hole» hat dramaturgisch ein paar Löcher“ weiterlesen

Soundklau mit Apples freundlicher Schützenhilfe

Die Airpods-Kopfhörer neigen dazu, sich mit den falschen Geräten zu verbin­den, was eine nach­hal­tige Gefahr für den Fami­lien­frieden dar­stellt. Woher dieses Problem kommt und wie man es behebt.

Die drahtlosen Apple-Kopfhörer neuerer Bauart (von denen ich die Airpods Max und die Airpods 3 vorgestellt habe) zeichnen sich durch eine Funktion aus, die es bei anderen Kopfhörern nicht gibt: Man muss sie nicht explizit mit einem Gerät verbinden. Sie tun das von sich aus: Wenn sie aus dem Böxchen genommen werden und feststellen, dass auf einem Apple-Gerät in der Umgebung eine Wiedergabe läuft, dann verbinden sie sich automatisch mit dem und übernehmen.

Das mag für einen solitär lebenden Apple-Jünger sinnvoll sein, weil er dann in seiner High-Tech-Klause ohne Extra-Handgriffe den Mac, Apple-TV, das iPhone oder iPad auf den Ohren hat, wie es eben gerade sinnvoll ist. Doch wenn man sich mit anderen Menschen nicht nur die Wohnung, sondern auch die Gerätschaften teilt, dann hat das einen massiven Nerv-Faktor. Unter diesen Umständen passiert nämlich andauernd Folgendes: „Soundklau mit Apples freundlicher Schützenhilfe“ weiterlesen

Fürs Geräteturnen nicht zu empfehlen

Die Airpods 3 sind eine deut­liche Verbes­serung gegenüber dem Vor­gänger­modell. Apple hat einige Mankos ausge­räumt, trotzdem sind sie in dieser Preis­kate­gorie nicht meine erste Wahl.

Ich hatte die Gelegenheit, die Apple Airpods in der dritten Generation zu testen und mit der zweiten Generation zu vergleichen, die ich hier besprochen habe. Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Ich habe damals den Klang als Schwachstelle ausgemacht, was für einen Mittelklasse-Kopfhörer unverzeihlich ist.

Diese Scharte hat Apple ausgewetzt. Die Airpods 3 klingen so gut, dass sie sich auch für Musik eignen, und nicht nur für Podcasts und Hörbücher –und wie es sich für ein Modell dieser Preisklasse gehört. Im direkten Vergleich habe ich den Eindruck, meine Bose Sport Earbuds (Meine neuen Lieblings-Ohrstöpsel) würden noch dynamischer und runder klingen, wobei die Unterschiede an einem kleinen Ort sind.

Eine zweite Krux bei den Airpods ist meiner Erfahrung nach die Verohrenschmalzung: „Fürs Geräteturnen nicht zu empfehlen“ weiterlesen

Der Polit-Podcast für alle, die deutsch können

Der Podcast «Servus. Grüezi. Hallo.» von «Die Zeit» ist eine unter­halt­same und lehrreiche Drei­fach-Refle­xion der politi­schen Aktuali­täten­lage in Deut­schland, Öster­reich und der Schweiz – und er müsste vom Schweizer Radio SRF schamlos ab­ge­kupfert werden.

Den Podcast Servus. Grüezi. Hallo. (RSS, iTunes, Spotify) steht schon seit längerer Zeit auf meiner Rezensionsliste. Der Abwechslung wegen habe ich ihn vor mir hergeschoben. Denn letztes Jahr habe ich vier Podcasts aus dem gleichen Haus vorgestellt; und auch wenn die alle differierende Themen und unterschiedliche Tonalitäten haben, so sollen hier im Blog auch Vielfalt bei den Anbietern herrschen.

Also, dieser Podcast stammt von drei Redakteuren der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» und hat die Unterzeile «der transalpine Politikpodcast». Lenz Jacobsen aus Deutschland, Florian Gasser aus Österreich und Matthias Daum aus der Schweiz unterhalten sich über globale und nationale politische Ereignisse.

Was diese Konstellation spannend macht, sind zwei Dinge: „Der Polit-Podcast für alle, die deutsch können“ weiterlesen

Videos aus den Mediatheken herunterladen und archivieren

Mit Mediathek­ViewWeb.de findet man Bei­träge und Sen­dungen der öffent­lich-recht­lichen An­bieter aus Deutsch­land, der Schweiz und Öster­reich und lädt sie für den Off­line-Gebrauch herun­ter. Auch Unter­titel gibt es hier oft.

So praktisch das Streaming ist: Es beinhaltet eine subtile Machtverlagerung. Anders als ein normaler digitaler Inhalt, den man als Nutzer herunterladen und selbst speichern kann, verbleibt die Verfügungsgewalt bei den gestreamten Dateien beim Anbieter. Er kann sie jederzeit aus dem Verkehr ziehen oder auch nachträglich verändern.

Bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten gehört das sogenannte Depulizieren zum ganz normalen Alltag: Gemäss Rundfunkstaatsvertrag müssen Inhalte in Deutschlandnach einer bestimmten Zeit entfernt bzw. dem Zugriff der Nutzer entzogen werden. Bei vielen Sendungen ist das nach einem Jahr der Fall, bei aktuellen Programmen sogar nur sieben Tage.

Als Internetfan und Wissensmensch kann ich das nur als horrender Blödsinn bezeichnen: „Videos aus den Mediatheken herunterladen und archivieren“ weiterlesen