Zehn Tipps für die Fritzbox

Ob Kinder­siche­rung, VPN, Prio­ri­sie­rung von Gaming oder Streaming, Feh­ler­be­he­bung und Telefo­nie: Die Router von AVM haben jede Menge nütz­licher Funk­tio­nen zu bieten.

Neuerdings verwende ich für den Internetzugang zu Hause eine Fritzbox. Wie hier beschrieben, bescherte mir Wi-fi 6 einen grandiosen Temposchub, den ich längst nicht mehr missen möchte.

Ausserdem bekomme ich die Gelegenheit, Router-Tipps vom Stapel zu lassen. Die wären zwar schon fürs Vorgängermodell infrage gekommen, zumal der Turris-Omnia eine netzwerktechnische Wundertüte ist. Aber da dieser Router nur eine geringe Verbreitung hat und die meisten Leute, die ihn besitzen, mehr vom Thema verstehen als ich, wäre das vergebliche Liebesmüh gewesen.

Bei der Fritzbox 5530 ist das anders – wobei ich explizit nicht behaupten will, dass die meisten Besitzer eines solchen Routers weniger Ahnung von ihm haben als ich. Nein: Es geht um die Verbreitung der AVM-Modelle, die in der Schweiz wegen des Routerzwangs bei vielen Providern nicht so hoch ist, wie sie sein könnte. Aber zum Glück kann man dieses Blog auch im benachbarten Ausland lesen. In Deutschland gibt es keinen Routerzwang, in Österreich sei er aber wie bei uns «gelebte Praxis», hat «Die Presse» vor einem halben Jahr geschrieben.

Darum  hier die Tipps zur Fritzbox:

1) WLAN ein- und ausschalten

Kein Geblinke, sondern nur dezentes Leuchten.

Nicht, dass ich das WLAN jemals ausschalten will. Wenn ich es aber würde tun wollen, ginge das einfach über einen Hardwareknopf: Auf der Oberseite gibt es fünf LEDs für Strom und Internetverbindung, WLAN, Dect-Telefon, WPS und Info. Bei den mittleren drei ist jeweils eine Taste vorhanden. Über die schaltet man das es auch eine Taste, was es einem ermöglicht, das WLAN zu deaktivieren und reaktivieren.

Die beiden anderen Knöpfe haben folgenden Zweck:

  • Fon/Dect bringt ein gekoppeltes Drahtlos-Telefon dazu, einen Hinweiston abzugeben, sodass man es wiederfindet, wenn man es verlegt haben sollte.
  • Connect/WPS erlaubt es, Dect-Telefone zu koppeln und WLAN-Geräte zu verbinden, die das Wi-Fi Protected Setup (WPS) unterstützen.

Zum Info-Lämpchen mehr beim nächsten Tipp.

2) Problem- und andere Hinweise

Die fünfte LED-Anzeige ist mit Info beschrieben. Sie signalisiert durch Blinken, wenn die Systemsoftware des Routers (das sogenannte Fritz!OS) aktualisiert worden ist. Mit Rot signalisiert sie, wenn es Hinweise oder Fehler gibt, die man über die Benutzeroberfläche einsehen sollte. Dazu loggt man sich per Browser in die Box ein; mehr dazu beim nächsten Tipp.

Die Info-Leuchte informiert auch, wenn bei einer Zeit- oder Volumenbeschränkung das vorgegebene Limit erreicht wurde.

3) Knöpfe und LEDs konfigurieren

Die nachfolgenden Tipps beziehen sich auf die Software, auf die man per Browser zugreift. Das tut man – wie ihr alle natürlich wisst – über den Browser und die IP-Adresse des Routers, die im Fall der Fritzbox 5530 192.168.178.1 lautet. Es funktioniert (meistens) auch via fritz.box.

Allfällige Fehler oder Probleme, die durch eine rot blinkende Info-Leuchte signalisiert werden, wären auf der Seite Übersicht einsehbar. Hier sieht man die per WLAN oder Kabel verbundenen Geräte und, falls man die Box auch für ein Dect-Telefon nutzt, Hinweise zur Verbindung mit dem Telekom-Dienstleister.

Die Einstellungen zu den eben erwähnten LEDs finden sich in der Fritz-Software bei System > Tasten und LEDs in der Rubrik LED-Anzeige. Die Helligkeit ist standardmässig auf sehr hell gedreht, meines Erachtens ist die Einstellung mittel oder schwach ausreichend.

Bei Tastensperre deaktiviert man die Knöpfe, damit nicht einer versehentlich das WLAN abschaltet. Und bei Info-Anzeige legt man fest, ob die Info-Taste nebst den Standard-Hinweisen noch zusätzliche Angaben macht.

Ein Extratipp: Wer mag bzw. Schiss vor Elektrosmog hat, schaltet in Randzeiten den Datenfunk ab.

4) Datenmenge und Online-Zeit überwachen

Bei Internet > Online-Monitor findet sich in der Rubrik Online-Monitor eine Grafik zur Auslastung, aufgeschlüsselt nach Upstream und Downstream. Beim Downstream, also bei den bezogenen Daten, sieht man die normalen Internetanwendungen sowie Internet-Fernsehen und die Aktivitäten beim Gastzugang. Der Upstream unterscheidet zwischen Echtzeitanwendungen, priorisierten Anwendungen, normalen Anwendungen und Hintergrundanwendungen. Mehr dazu bei Tipp Nummer 6).

In der Rubrik Online-Zähler sieht man in aufsummierter Form die Online-Zeit und das Datenvolumen. Über den Knopf Tarif eintragen trägt man ein, falls man einen Volumentarif oder Zeittarif nutzt und nicht über dessen Limiten hinausschiessen will. Falls hier etwas eingetragen ist, kann man sich per LED darauf hinweisen lassen, wenn die Vorgabe überschritten ist.

5) Den Zugang einschränken

Der Bereich Internet > Filter ist für zwei Dinge interessant: Einerseits schränkt in der Rubrik Kindersicherung den Zugang ein. Andererseits sorgt man bei Priorisierung dafür, dass gewisse Anwendungen nicht ausgebremst werden.

Mit der Kindersicherung lassen sich Geräte ad-hoc oder nach Plan offline nehmen.

Bei Kindersicherung kann man ein Gerät sofort sperren und wieder entsperren. Für dauerhaft geltende Einschränkungen wendet man sich der Rubrik Zugangsprofile zu: Hier stellt man ein, an welchen Tagen und Stunden das Internet zugänglich bzw. gesperrt sein soll. Man darf auch pro Wochentag ein Zeitbudget vergeben.

Nebenbei bemerkt: Unter Listen gibt es die Möglichkeit, einzelne Websites zu sperren oder nur bestimmte Sites zuzulassen.

In den Filterlisten kann man auch einzelne Websitses erlauben oder sperren.

6) Festlegen, welcher Datenverkehr wichtig ist und welcher nicht

Bei Priorisierung legt man fest, welche Datenströme den Vorrang geniessen. Sie werden als Echtzeitanwendungen mit maximalem Tempo oder als Priorisierte Anwendungen bevorzugt ausgeführt. Es ist auch möglich, gewisse Übertragungen zurückzustufen, indem man sie den Hintergrundanwendungen zuordnet.

Um eine Einteilung vorzunehmen, legt man im entsprechenden Bereich eine Regel fest. Wenn man eine Regel festlegt, kann man sie für alle Geräte im Netz oder aber für ein einzelnes Gerät einrichten. Ausserdem gibt man die Netzwerkanwendung vor, wobei hier folgende Dinge zur Auswahl stehen:

  • HTTP-Server
  • Telnet
  • Internettelefonie
  • Bittorrent
  • MS Remote Desktop
  • FTP-Server
  • alles ausser Surfen und Mailen

Natürlich würden einem hier noch weitere Dinge einfallen, namentlich das Live-Streaming via Youtube oder Twitch oder aber – natürlich – das Online-Gaming. Aber da man dafür in aller Regel einen dedizierten Rechner benötigt, würde man einfach den priorisieren.

7) Portfreigaben, DynDNS und VPN

Unter Internet > Freigaben gibt es drei Optionen, die für Leute interessant sind, die ein etwas ausgeklügelteres Heimnetzwerk betreiben:

  • Unter Portfreigaben sorgt man dafür, dass Geräte im eigenen Netz von aussen erreichbar sind. Das ist nötig, wenn man einen eigenen Server für Daten, Fotos oder Multimedia-Inhalte betreiben will.
  • Bei DynDNS hinterlegt man einen Dienst, über den man seinen Router, bzw. die eigenen Geräte von «aussen», d.h. via Internet auffinden kann. Details und eine konkreten Anwendungsfall beschreibe ich im Beitrag Nach Hause finden.
  • In der Rubrik VPN richtet man die Fritzbox als VPN-Server ein. Mehr dazu im Beitrag Ein VPN ist unverzichtbar.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich in der Rubrik Fritzbox-Dienste den Zugang via Internet zum Router ermöglichen lässt: Man kann dann unterwegs auf die Benutzeroberfläche zugreifen und Änderungen vornehmen. Damit das sicher ist, erfolgt der Zugriff über HTTPS, wofür man im Browser ein Zertifikat installieren muss.

8) Die Fritzbox als NAS

Manche Fritzbox-Modelle haben einen USB-Port, an den man eine externe Festplatte anschliesst, deren Inhalt dann im lokalen Netzwerk – und mit der passenden Konfiguration (siehe Punkt 7) auch via Internet zugänglich ist. Diese Option findet sich unter Heimnetz > Speicher (NAS).

Bei meinem Router fehlt diese Möglichkeit leider, weswegen ich darüber hier keine weiteren Worte verlieren kann.

9) Geräten immer die gleiche IP-Adresse zuweisen

Unter Heimnetz > Netzwerk erscheint eine Übersicht aller verbundener Geräte: Man sieht, wie sie verbunden sind (Ethernet oder WLAN), mit welcher Geschwindigkeit sie Daten austauschen und ob sie gerade aktiv sind oder nicht kommunizieren.

Über das Bleistift-Symbol am rechten Rand eines Eintrags in der Liste erscheint eine Übersicht mit einigen interessanten Möglichkeiten:

  • Man kann den Namen anpassen: Das ist sinnvoll, wenn sich das Gerät selbst nur mit einer kryptischen Bezeichnung meldet und man auf den ersten Blick sehen möchte, worum es sich handelt.
  • Die IP-Adresse ist ersichtlich und kann abgeändert werden. Es gibt die Option Diesem Netzwerkgerät immer die gleiche IPv4-Adresse zuweisen, mit der man diese IP-Adresse fixiert. Eine fixe IP-Adresse ist für Netzwerkdrucker oder -laufwerke sinnvoll.
  • Es ist auch möglich, das Gerät zu sperren oder zu priorisieren.

10) Verstehen, was die Box so treibt

Unter System > Ereignisse führt die Fritzbox ein Log. Das hilft oft beim Verständnis, wenn der Router nicht so funktioniert, wie er sollte. Beispielsweise war bei mir neulich das 5-GHz-WLAN-Netz nicht zugänglich, obwohl es richtig konfiguriert und laut der Übersicht auch online war.

Rücksichtsvoll wie sie ist, schaut die Fritzbox, dass sie keinem Wetterradar in die Quere kommt.

In der Ereignisanzeige fand sich die Erklärung: «5-GHz-Band für zehn Minuten auf dem gewählten Kanal 120 [Frequenz 5600 GHz] nicht nutzbar wegen Prüfung auf bevorrechtigten Nutzer (z. B. RADAR)». Beim Anklicken eines Eintrags gelangt man zu einer Hilfeseite, auf der die Sache detailliert erklärt wird. Zu diesem Radar-Rätsel heisst es dort:

Gemäß der europäischen Vorschriften für die WLAN-Nutzung im 5-GHz-Frequenzbereich überprüft die Fritzbox, ob der verwendete 5-GHz-Funkkanal auch von einer bevorrechtigten Radarquelle genutzt wird, zum Beispiel von einem Wetterradar oder einem Flugradar. Wenn dies der Fall ist, dann muss die Box einen automatischen Kanalwechsel durchführen.

Das finde ich bis zu einem gewissen Grad seltsam, aber auch interessant – und auf alle Fälle vorbildlich, wie die Fritzbox über dieses Phänomen informiert.

Beitragsbild: Unterhalb der LEDs gibt es Tasten, zum Beispiel, um das WLAN abzudrehen.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen