Die Bear-Notiz-App stellt Apple in den Schatten

Einfachen Aufgaben ist die Notizen-App von Mac, iPhone und iPad gewachsen. Doch wer mehr will, ist mit dieser un­kompli­zierten, leistungs­fähi­gen Alter­native besser bedient.

Ich bin weiterhin auf der Suche nach dem perfekten Texteditor. Auf dieser Mission bin ich neulich Atom begegnet. Das ist ein eindrückliches Stück Software, das keine Wünsche offen lässt. Wie hier beschrieben, gibt es nur ein Problem: Die Software ist für meinen Zweck zu überdimensioniert. Was ich suche, ist ein kleines, wendiges Textprogrämmchen, das nicht ganz so nervt wie TextEdit von Apple.

Den nächsten Versuch unternehme ich mit Bear. Das ist mehr Notiz-App als Editor – aber die Übergänge sind fliessend. Wenn man unkompliziert Gedanken festhalten, Textfragmente zwischenlagern und auch mal abspeichern kann, bin ich zufrieden.

Bear ist kostenlos im Mac-App-Store und fürs iPhone und iPad erhältlich. Für die Pro-Funktionen braucht es ein Abo für 1.50 Franken pro Monat oder 15.50 Franken pro Jahr. Für das Abo bekommt man eine Synchronisationsfunktion, mit der die Notizen zwischen den Geräten abgeglichen wird, Exportmöglichkeiten für PDF, HTML, Docx und JPG, plus Themes.

Wie Apples Notiz-App – bloss besser

Die Oberfläche von Bear erinnert auf den Blick an die Notizen-App von Apple. Beide zeigen drei Spalten mit Ordnern, einer Liste von Notizen und recht dem Eingabefeld, in dem man seine Informationen effektiv erfasst.

Aufgeräumt und leistungsfähig – eine Notiz-App, wie sie im Buch steht.

Doch schaut man genauer hin, dann ergeben sich einige wesentliche Unterschiede: Bear ist nämlich deutlich leistungsfähiger und flexibler als die Notizen von Apple – und auch auf zügigeres Arbeiten ausgelegt.

Das zeigt sich bei den Formatierungen: Bei Apple wählt man die über den Stil-Knopf oben oder über das Kontextmenü. Bear hat ebenfalls einen solchen Formatierungsknopf, der als Stift-Symbol in der rechten unteren Ecke in Erscheinung tritt. Allerdings verwendet Bear eine Auszeichnungssprache, sodass man seine Formatierungen auch einfach während des Tippens durch Steuerzeichen hinterlegt. Jeder routinierte Anwender weiss: Auf diese Weise geht es schneller.

Standardmässig verwendet Bear eine Auszeichnungssprache, die an Markdown erinnert, aber nicht ganz mit dessen Syntax übereinstimmt. In den Einstellungen gibt es in der Rubrik Allgemein jedoch die Option Markdown-Kompatibilitätsmodus, mit der man nicht umzulernen braucht.

Per Rechtsklick auf eine Notiz in der Liste hat man Zugriff auf den Befehl Kopieren als, über den man die Notiz in diversen Formaten in die Zwischenablage legt. Zur Verfügung stehen Markdown, Einfacher Text, Rich  Text und HTML – für letzteres braucht es allerdings das Pro-Abo. Das ist sehr sinnvoll für Leute, die Notizen gern flexibel weiterverwenden möchten, sei es im CMS eines Blogs, sei es in Textverarbeitungen.

Die leistungsfähige Organisation via Tags

Ein weiterer Unterschied zu Apples Notizen-App zeigt sich bei der Organisation: Apple verwendet statische Ordner. Bei Bear entsteht die Sortierung in der Leiste ganz links über die Tags. Indem man in einer Notiz an beliebiger Stelle einen Tag einfügt, wird dieser Tag im Seitenmenü links aufgeführt. Das ist die Spalte ganz links. Klickt man dort einen Eintrag an, dann werden alle Notizen mit diesem Tag in der mittleren Spalte der Liste der Notizen, gefiltert.

Es ist auch möglich, Tags zu verschachteln, indem man sie durch einen Schrägstrich trennt. Mit anderen Worten: Der Tag #blog ergibt einen Eintrag auf oberster Ebene. Mit #blog/ideen erscheint eine Hierarchie, bei der ideen als Unterpunkt zu blog aufgeführt wird. Das ist simpel und dennoch wirkungsvoll.

Als Markdown-Profi wird man sich aber sofort fragen, wie man Tags von Überschriften unterscheidet – denn in Markdown werden Überschriften der Stufe 1 genauso wie Hashtags mit einer Raute eingeleitet. Die Antwort ist simpel: Beim Titel setzt man nach der Raute einen Leerschlag, bei Tags nicht.

Schliesslich stellt Bear auch schöne Themes zur Verfügung, die das Programm optisch anpassen. Die werden über die Einstellungen in der Rubrik ausgewählt. Drei Varianten gibt es für die Gratisnutzer; für die weiteren braucht es ein Abo.

Notizen verlinken

Ein paar Ergänzungen:

Wie von Markdown gewohnt, kann man auch in Bear Links setzen. Es ist auch möglich, auf eine andere Notiz zu verlinken. Dazu setzt man zwei eckige Klammern und dazwischen den Titel der Notiz. Wenn man zwischen die Klammern eine Bezeichnung schreibt, die bei keiner Notiz als Titel vorkommt, wird automatisch eine entsprechende Notiz angelegt. Das erinnert natürlich sehr ans Prinzip von Wikipedia – was Bear am Mac zu einer unkomplizierten Alternative etwa zu Tiddlywiki (Das simple Wiki für den Hausgebrauch).

Es ist möglich, Bilder zu platzieren. Am Mac geht das am einfachsten per Drag&Drop oder via Zwischenablage. Es gibt im Kontextmenü auch den praktischen Befehl Von iPhone oder iPad einfügen, wobei man dann mit dem Mobilgerät ein Foto machen, ein Dokument scannen oder eine Zeichnung anfertigen kann, die in die Notiz übernommen wird.

Über Ablage > Exportieren lässt sich eine Notiz in anderen Formaten weitergeben. Wie oben erwähnt stehen nebst Text, RTF, Markdown und Textbündel auch PDF, HTML, Docx, JPG TaskPaper und ePub zur Verfügung, wobei es für letztere das Abo braucht. Im Ablage-Menü gibt es auch eine Backup-Funktion.

Eine Suchfunktion findet Texte über alle Notizen hinweg.

Browser-Erweiterungen fürs Sammeln von Informationen

Schliesslich gibt es auch Browser- und App-Erweiterungen, mit denen man Informationen sammeln und einfach in Notizen überführen kann (hier für Firefox und hier für Chrome).

Fazit: Bei meiner Suche nach dem idealen, schlanken und doch ausreichend leistungsfähigen Text-Editor bin ich nicht weitergekommen. Stattdessen habe ich eine Notiz-App entdeckt, die hervorragend geeignet ist für alle Nutzer, denen die Standard-Notiz-App von Mac OS und iOS zu schwachbrüstig ist. Und das ist doch auch etwas!

Beitragsbild: The bear necessities of digital life will come to you (Photo Collections, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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