Dateien in Ordner und über dem Web abwerfen

Dropzone unterstützt Macianer bei Aufräum- und Routine­aktionen. Die App ist so simpel, dass Apple sie ins System integrieren sollte – trotz der Funktionslücken, die sie noch hat.

Es wird gern behauptet, dass die einfallsreichsten Entwickler für den Mac arbeiten und die Softwareprodukte bei Apples Plattform mit der grössten Liebe zum Detail aufwarten können. Dieses Postulat ist mir zu pauschal, als dass ich ihm zustimmen könnte. Aber es gibt schon Beispiele, die den Eindruck erwecken, dass etwas Wahres daran sein könnte.

Zieht man eine Datei in die Nähe des Menüsymbols, erscheint dieses Fenster mit einer Auswahl an Zielen.

Zum Beispiel Dropzone 4. Das ist ein Programm, wie es typisch ist für den Mac: Es steckt eine einleuchtende Idee dahinter, es ist ansprechend umgesetzt und hat das Potenzial, Windows-Nutzer neidisch zu machen. (Von den Linux-Usern ganz zu schweigen.) Und darum ist es eine Schande, dass ich es nicht schon lange vorgestellt habe.

Also, Dropzone: Das Programm kann gratis genutzt werden. Es gibt eine Pro-Variante, die 2 US-Dollar pro Monat oder 35 US-Dollar als Einmalkauf kostet. Es ist auch über den Mac-App-Store erhältlich.

Die Idee ist, den Umgang mit Dateien zu vereinfachen. Zu diesem Zweck klinkt sich das Programm in die Menüleiste ein. Wenn man eine oder mehrere Dateien in die Nähe des Dropzone-Icons zieht, klappt ein Menü herunter, das diverse Symbole anbietet, insbesondere Ordner, aber auch viele Webdienste.

Um beim einfachen Beispiel mit den Ordnern zu bleiben: Ich lege häufig Dateien in meinen Dropbox-Ordner, der aus traditionellen Gründen so heisst, obwohl er längst nicht mehr via Dropbox, sondern inzwischen via Onedrive von Microsoft synchronisiert wird. Klassischerweise muss ich via Finder zu diesem Ordner navigieren, um eine Datei dort abzulegen.

Ziehen, ablegen, fertig

Mit Dropzone geht das viel einfacher: Egal, ob die Datei, die in den Dropbox-Ordner bewegt werden soll, auf dem Desktop oder sonstwo liegt, brauche ich sie nur per Maus in Richtung Menüleiste zu ziehen und nach dem Ausklappen des Dropzone-Menüs dort aufs Dropbox-Ordnersymbol zu legen – und fertig.

Genauso lassen sich auch Anwendungen platzieren, die man häufig nicht «leer» starten, sondern gleich mit einer Datei bestücken möchte.

Zweite Möglichkeit: Wenn ich eine Datei nicht sofort verwenden möchte, lege ich Sie zuoberst in die Dropbar. Das ist gewissermassen ein Zwischenspeicher für Dateien. Sobald ich die Datei benötige, ziehe ich sie wieder aus der Dropbar heraus und verfrachte sie an ihre finale Destination.

Das ist so einleuchtend, dass ich mich wundere, dass diese Funktion nicht längst zum standardmässigen Funktionsumfang aller Desktop-Betriebssysteme gehört. Denn typischerweise hat man einige wenige Ordner, die man beim Sortieren seiner Dateien häufig benötigt. Es ist deshalb sinnvoll, diese im unmittelbaren Zugriff zu haben, sodass man sich den Weg durch das in aller Regel weit verzweigte Dateisystem sparen kann.

Actions erweitern den Funktionsumfang

Dropzone kann nicht nur mit Ordnern bestückt werden. Es gibt auch die sogenannten Actions, die den Funktionsumfang erweitern. Standardmässig stehen folgende Actions zur Verfügung:

  • E-Mail
  • Igmur
  • Amazon S3
  • Google Drive
  • SFTP-Upload und FTP-Upload
  • Nachrichten (Messages)
  • URLs verkürzen (Shorten URL)
  • Webadressen öffnen (Open URL)
  • Bilder in der Grösse anpassen (Resize Images)
  • Text in einer Datei speichern (Save Text)

Weitere Aktionen stehen unter aptonic.com/actions zur Verfügung; unter anderem für ZIP-Dateien, Drucken, Youtube (Hochladen und Herunterladen von Videos), die Installation von Anwendungen, die Google-Bildersuche, den Bildschirmschoner, das Desktop-Hintergrundbild und das Terminal.

Das sind die möglichen Ziele, die man sich einrichten kann.

Um eine solche Aktion zu verwen­den, klickt man in Drop­zone auf das grosse Plus-Symbol (Add to grid). Es er­scheint ein Menü mit den einge­bauten Aktionen und dem Befehl More Actions, über den man zu dem gerade erwähn­ten Aktionen-Katalog gelangt. Auch das Nach­rüsten ist unkompli­ziert: Man klickt die gewünschte Aktion an, bestätigt, dass der Link via Dropzone geöffnet werden soll und hat die Erwei­terung dann zur Verfügung. Zu guter Letzt kann man sich auch eigene Erwei­terungen entwickeln; die Anleitung findet sich hier.

Eine gute Sache – zwei Einwänden zum Trotz

Fazit: Ich mochte Dropzone auf Anhieb. Ich werde das Programm noch etwas weiter testen und für meine Zwecke zurechtbiegen. Und wenn ich dabei nicht an frustrierende Hürden stosse, dann werde ich auch gerne die 35 Franken für die Pro-Version ausgeben.

Zwei Einwände liegen auf der Hand:

1) Cloudmässige Lücken

Erstens natürlich das Fehlen von wichtigen Cloud-Ablagen: Nur Google Drive und Amazon S3 sind vertreten; die Dropbox und die iCloud von Apple fehlen, vor allem aber auch Onedrive von Microsoft oder die Nextcloud. Das ist leider eine Einschränkung, die den Nutzen für mich deutlich reduziert.

Ein Blick in die Liste mit den Feature Requests zeigt, dass nicht nur ich Onedrive vermisse, und dass Dropzone noch ein grosses Potenzial hat: Interaktionsmöglichkeiten mit der Zwischenablage, mit Twitter, Wetransfer und vielen anderen Diensten werden gefordert.

Ich habe beim Hersteller, Aptonic, auf die Schnelle keine About-Seite gefunden, aber meine Vermutung ist, dass Dropzone von wenigen Leuten, wahrscheinlich von einem einzelnen engagierten Programmierer entwickelt wird. Es darf jedenfalls nicht verwundern, dass dessen Ressourcen beschränkt sind. Das scheint mir ein logischer Grund, die Pro-Variante der Software zu kaufen, selbst wenn der Funktionsumfang noch Lücken aufweist.

2) Nur für eine überschaubare Zahl von Zonen geeignet

Je mehr Projekte und Ordner man verwendet, desto unübersichtlicher wird das Dropzone-Fenster, und desto kleiner der Nutzen des Programms. Das Programm bringt nur etwas für Leute, die gewisse Routinen pflegen und eine überschaubare Zahl von wiederkehrenden Aufgaben zu bewältigen haben. Ich rechne das Programm darum in die Kategorie der Automatisierung, auch wenn es nicht mit komplexen Werkzeugen wie das kürzlich vorgestellte Power Automate Desktop von Microsoft zu vergleichen ist.

Für meine Arbeiten, die ich häufig am Mac erledige, passt es gut: Ich fabriziere Screenshots und Textdokumente, die ich in aller Regel via Onedrive so verräume, dass ich sie auch unter Windows zur Verfügung habe. Das gehört sicherlich zu den Routineaufgaben, die viele Leute pflegen – und die sich mit Dropzone effektiv vereinfachen lassen.

Beitragsbild: Heute fliegen die Dateien mal wieder hoch (Jahoo Clouseau, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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