Wie Adobe uns Antikünstlern auf die Sprünge hilft

Mit der Spark Post-App bastelt man prägnante grafische Posts für die sozialen Medien. Adobe beweist, dass künstliche Intelligenz Leuten ohne jegliches Gestaltungstalent zu brauchbarer Gestaltungen verhilft.

Boldomatic und Textograph Pro sind Apps, mit denen man Text-Memes herstellen kann. Ich habe sie bei früheren Gelegenheiten vorgestellt, nämlich hier und hier. Nun komme ich auf dieses Thema zurück, weil ich keine andere Wahl habe. Denn es gibt eine App, die sich der gleichen Aufgabe widmet – die aber in einer ganz anderen Liga spielt.

Es handelt sich um die App Spark Post von Adobe, die fürs iPhone, fürs iPad und für Android verfügbar ist und weit über die klassischen Textmemes hinausgeht – auch wenn es mir relativ schwerfällt, den Sinn und Zweck dieser App überhaupt verständlich zu beschreiben. Man könnte sagen, dass sie für die visuelle Kommunikation in den sozialen Medien zuständig ist.

Jedenfalls fabriziert man mit ihr Grafiken mit Bild und Text, die auf einen Blick eine kurze Botschaft transportieren. Sie ist daher im weitesten Sinn eine Layout-App, wobei das Resultat nicht eine Publikation von x Seiten, sondern ein Blickfang ist, der aus dem sozialmedialen Rauschen auf Facebook, Twitter oder vor allem Instagram heraussticht. Man kann die App natürlich auch benutzen, um ein Youtube-Video mit einem hübschen Thumbnail auszustatten oder um Banner oder andere grafische Elemente zu basteln, die sich durch eine gewisse Prägnanz auszeichnen sollten.

Und das macht die App auf ziemlich verblüffende Art. Wie Adobe im Blogpost Using AI to Automatically Optimize Posts with Adobe Spark verrät, steckt im Innern die Sensei-Technologie. Unter dem Schlagwort laufen bei Adobe die Bemühungen rund um die künstliche Intelligenz. Ich habe die Möglichkeiten seinerzeit im Beitrag Lass das mal die Software machen vorgestellt. Seitdem stellt sie ihr Potenzial immer wieder unter Beweis: Auf eindrückliche Weise in der Photoshop-Camera-App, der ich mich im Beitrag Jetzt haut sie mich doch aus den Socken! ausführlich gewidmet habe.

Im Vergleich dazu ist Spark Post nicht ganz so spektakulär – aber trotzdem ein riesiger Fortschritt gegenüber klassischen Gestaltungsprogrammen, bei denen man als Nutzer auf sich selbst gestellt ist.

Das Rad nicht komplett neu erfunden

Die Ausgangslage: Eine Vorlage aus dem Bereich «Collage», die angepasst werden soll.

Die Arbeitsweise der App hat Adobe nun nicht grundsätzlich neu erfunden. Spark Post setzt bei der bewährten Methode an, dem Nutzer eine grosse Anzahl von Vorlagen zu unterbreiten, aus denen er eine auswählt und die er für seine Zwecke adaptiert. Die Vorlagen liefern Inspiration und garantieren ein professionelles Erscheinungsbild, selbst wenn ein dilettantischer Anwender sie nicht zum Vorteil verändert. Der Nachteil dieser Herangehensweise habe ich auch schon beschrieben: Er besteht darin, dass Gestaltung je länger, je uniformer wird, weil die halbe Welt die gleichen Ausgangsmaterialien verwendet.

Die Vorlagen sind nach diversen Kategorien organisiert, nämlich Vorgestellt mit den häufig verwendeten Templates, Premium für die man ein Abo benötigt, das 10.50 Franken pro Monat kostet, Animation, Collage, Saison mit den jahreszeitlichen Vorlagen, Lifestyle, Business, Schule, Reisen, Essen und Kunsthandwerk. Diese Einteilung ist nun nicht sonderlich stringent oder zwingend, aber wenn man mit ihr nicht klarkommt, kann man sein Glück auch mit der Suchfunktion probieren.

Die Vorlage anpassen

Die Zwischenstation: Hier werden Bilder ausgetauscht und der Text angepasst.

Hat man sich für eine Vorlage entschieden, dann passt man die an: Als Erstes wird man die Platzhalter-Bilder austauschen wollen. Dazu tippt man einen Bildrahmen an, worauf am unteren Rand diverse Bearbeitungsbefehle erscheinen, namentlich der Befehl Ersetzen. Über die Anfasser skaliert man den Bildinhalt und über den Befehl Hintergrund entfernen kann man das Hauptmotiv auch freistellen. Obwohl die Funktion mit Beta bezeichnet ist, funktionierte das in meinen Test schon hervorragend.

Als Zweites möchte man natürlich die Textelemente mit eigenen Inhalten füllen. Dazu tippt man wiederum einen Textblock an und betätigt den Befehl Text bearbeiten. Man schreibt in das Feld, was man dort stehen haben möchte, und ist nun schon ein grosses Stück weiter.

Man kann auch einzelne Elemente verändern, Dinge hinzufügen und hat die viele der Befehle zur Verfügung, die man aus einer klassischen Layoutsoftware kennt: Man kann Rahmen in der Grösse ändern, die vertikale Stapelung verändern, typografische Merkmale anpassen und Elemente mittels dynamischer Hilfslinien ausrichten.

Die künstliche Intelligenz hilft auch Anfängern auf die Sprünge

Das Resultat mit verändertem Seitenverhältnis und anderer Farbpalette.

So weit, so einleuchtend. Hat man seinen Entwurf fertig, kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Auf der Hauptseite lässt sich via Layout die Anordnung der Elemente verändern, wobei die smarten Algorithmen dafür sorgen, dass automatisch immer eine sinnvolle Platzierung entsteht.

Das Gleiche gilt, wenn man die Grösse bzw. das Seitenverhältnis für unterschiedliche Kanäle anpasst – zum Beispiel quadratisch für Instagram, hochformatig für Pinterest oder quer für Facebook. Die Skalierung der Bilder ist nicht immer perfekt, doch wie die Automatik diese Adaptionen hinbekommt, ist schon ziemlich beeindruckend. Die Resultate sind gut genug, dass man sich mit dem Prinzip von Versuch und Irrtum an das Resultat herantastet, das einem am besten Gefällt.

Die künstliche Intelligenz kommt auch mit ins Spiel, wenn man in der Rubrik Farben mit den zugrundeliegenden Farbpaletten spielt: Man kann aus den vorhandenen Paletten auswählen und die Farbzuordnung durchrotieren. Es ist aber auch möglich, eigene Paletten zu definieren bzw. Paletten, die man in der Creative Cloud deponiert hat, zu verwenden.

Elemente, eigene Logos und Animationen hinzufügen

Es gibt drei weitere Befehle, nämlich:

  • Hinzufügen: Damit platziert man eigene Elemente im Layout. Zur Auswahl stehen Text, Design-Objekte, Symbole, Sticker, Hintergründe, Videos, Logos und natürlich Bilder.
  • Branding: Über diese Rubrik sorgt Spark Post auch dafür, dass die Platzierung der eigenen Logos konsistent über die Postings hinweg gewährleistet ist.
  • Animationen: Für animierte Posts kann man Texte und Fotos dynamisch einblenden.

Fazit: Spark Post ist der Beweis, dass die künstliche Intelligenz die Hürden für einigermassen brauchbar gestaltete Grafiken für uns Laien massiv senkt. Das bedeutet nicht, dass absolute Gringos ihren Post nicht trotzdem komplett verhunzen – aber sie müssen sich schon sehr viel dümmer anstellen, als wenn sie versuchen, ihr nicht vorhandenes Talent mit InDesign, Illustrator oder mit den Gestaltungsinstrumenten von Word auszuleben.

Beitragsbild: Natürlich, sie könnte das auch ohne diese App (Anthony Shkraba, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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