Grosse Freude an den kleinen Dingen

Ich habe wieder einmal einen Spotankauf getätigt und mir das ZeScope angeschafft. Das ist ein digitales Mikroskop für die Hosentasche, das die Lust am Entdecken befeuert.

Das Gute an diesem Blog ist, dass hier alle meine Impulskäufe protokolliert sind. Der letzte hat vor knapp einem Jahr stattgefunden und hat mir ein wirklich nützliches Smartphone-Stativ fürs Portemonnaie eingebracht. Und eine solche Spontananschaffung pro Jahr ist vertretbar – oder? (Geständnisse von Affekt-Shopaholics im Gadgetbereich sind in den Kommentaren jedenfalls herzlich willkommen, egal ob anonym oder mit Namen gezeichnet.)

Das Mikroskop mit dem mitgelieferten Ständer.

Also, der Spon­tan­kauf, den ich neulich getä­tigt habe, lag an diesem däm­lichen Face­book. Dort habe ich eine Wer­bung für ein Ding gesehen, dem ich nicht wider­ste­hen konnte. Es heisst ZeScope und ist auf zemove.de zu finden. Man kriegt es auch via Amazon und zwar zu einem deutlich günstigeren Preis: Auf Amazon zahlt man um die 36 Euro, währendem ich 78.90 Franken hingeblättert habe. Das als Hinweis dafür, dass selbst Spontankäufe nicht so spontan sein sollten, dass man vorab nicht noch einen kurzen Preisvergleich macht.

Den Forschungsdrang befeuern

Aber egal; mein Vergnügen, dass ich mit diesem Ding bisher hatte, rechtfertigt die Ausgabe – und ich rede mir ein, dass ich auch meiner Tochter etwas Gutes tue und die Ausgabe unter «Förderung der Neugierde und des wissenschaftlichen Forschungsdrangs in der Erziehung» abbuchen kann.

Es handelt sich bei dem Gerät um ein Mikroskop. Es vergrössert die Objekte unter der Linse zwischen fünfzig- und tausendfach. Das Gerät hat eingebaute, dimmbare LED-Lichter, mit denen die Untersuchungsobjekte beleuchtet werden. Man kann nicht nur Fotos machen, sondern auch filmen. Und das Mikroskop ist klein genug, dass man es sich in die Hosen- oder Jackentasche stecken und auf den Naturspaziergang mitnehmen kann.

Das Mikroskop ist 13,5 Zentimeter lang und passt auch gut in die Hosentasche.

Mit anderen Worten: Ich hätte als kleiner Junge für dieses Gadget getötet, denn ich war schon von simplen Vergrösserungsgläsern fasziniert. Denn wie schon in Die App für den Aha-Effekt ausgeführt, finde ich es faszinierend, mich ab und zu ausserhalb den für uns Menschen normalen Grössenverhältnissen zu bewegen. Und dazu passt natürlich auch dieses Gadget hier.

Ein in Wirklichkeit wenige Millimeter grosse Blume.

Am Smartphone oder Computer

Man verwendet das Mikroskop entweder drahtlos am Smartphone oder mittels Kabel am Computer. Für die drahtlose Betriebsweise verbindet man das Telefon mit dem WLAN-Netz von ZeScope, dessen Name mit Max-See beginnt und von einer Nummer gefolgt wird. Man startet man die Max-See-App, die es für Android und fürs iPhone und iPad gibt und sieht auch schon das Livebild am Display.

Die App mit dem Livebild, mit der man Fotos macht und Videos dreht.

Im Kabelbetrieb verbindet man das Mikroskop per USB mit dem Computer; über USB wird das Mikroskop auch aufgeladen. Mit Mac OS braucht es dafür noch nicht einmal einen Treiber; man wählt einfach in einer App, die einen zwischen mehreren angeschlossenen Webcams auswählen lässt, das Mikroskop aus, das als General-UVC#2 in Erscheinung tritt. Bei  meinem Test mit Photobooth hat das bestens geklappt. Bei Windows bräuchte man offenbar eine Software, die ich unter dem angegebenen Link aber nicht gefunden habe.

Am Mikroskop gibt es einen Regler, um die Helligkeit der LEDs zu steuern und zwei Knöpfe, um elektronisch zu Zoomen. Für die Vergrösserung bzw. das Scharfstellen gibt es ein Drehrad: Es fährt die Linse vor und zurück.

Scharfzustellen will geübt sein

Je stärker die Vergrösserung, desto schwieriger ist es, ein scharfes und ruhiges Bild zu bekommen: Aber das dürfte jedem klar sein, der schon einmal mit einem Makroobjektiv hantiert hat.

Darum empfehle ich, erst einmal mit unbeweglichen Objekten zu üben, obwohl die Versuchung natürlich gross ist, sich in den Garten zu stürzen und den Spinnen, Käfern und Ameisen zu Leibe zu rücken. (Es sei denn, man trifft auf ein totes Studienobjekt – wie das bei den nachfolgenden Spinnen-Fotos der Fall war. Dass es sich verbietet, ein Lebewesen zur Befriedigung der eigenen Neugierde abzumurksen, ist eine Selbstverständlichkeit.)

Das Bein einer Spinne …

 

 

… und die Kieferklaue der gleichen Spinne.

Mit dem Mikroskop wird ein Fuss geliefert, mit dem man es auf ein Objekt ausrichtet, und es gibt auch eine Schale, in das man es frontal einführt. Auf diese Weise sitzt es ruhig über dem Beobachtungsobjekt; das dann allerdings genau an der richtigen Stelle liegen muss, dass man überhaupt etwas sieht.

Apropos: Da es vorne am Mikroskop einen Plastikring gibt, kann man das Teleskop auch gut über ein passendes Untersuchungsobjekt stülpen, beispielsweise eine Ameise: Die sieht man dann durchs Bild flitzen, was eine durchaus etwas gruselige Erfahrung sein kann. Das Beitragsbild ist übrigens so entstanden: Es ist das Standbild aus einem Video, bei dem sich die Ameise aber strikt geweigert hat, sich einmal in vollständiger Grösse im Bild zu zeigen.

Die Rillen meines Zeigefingers.

 

 

 

 

Und nochmal eine Rille: Dieses Mal die einer Schallplatte (übrigens mit meiner Stimme drauf).

Dieser Trick funktioniert auch mit gewissen Käfern, wobei mir schon Exemplare begegnet sind, die fasziniert von den LEDs nach oben geklettert sind und sich auf diese Weise der Linse entzogen haben.

Die Bildqualität ist eher bescheiden – was aber auch egal ist

Fazit: Ein grossartiges Spielzeug für neugierige Menschen. Von der Bildqualität darf man keine Wunder erwarten und auch die Auflösung mit maximal 1920 × 1080 Pixeln ist nach heutigen Massstäben bescheiden.

Erwischt: Eine Ameise, die faul im Moos liegt.

Mich stört das nicht, denn technisch perfekte Aufnahmen, wie ich sie mit einer simplen Google-Suche z.B. nach ant macro aufstöbere, bekomme ich als Amateur aus dem Stand nicht hin – also ist das auch nicht meine Ambition. Es geht um den Spass am Entdecken und um einen neuen Blick auf die unmittelbare Umgebung. Und die bekommt man mit diesem kleinen Gadget auf alle Fälle.

Nachtrag vom 6.7.

Wir haben ein weiteres Einsatzgebiet entdeckt: das Mikroskop als Hilfsmittel bei der medizinischen Versorgung. Wenn ein Familienmitglied überzeugt ist, dass der kleine Kratzer am Fuss von einem Holzsplitter herrührt, den es sich eingetreten hat, dann lässt sich diese Vermutung mit dem Mikroskop sehr leicht überprüfen. Im vorliegenden Fall konnte die Hypothese falsifiziert werden.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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