Smartes Licht ohne allzu viel Heckmeck

Die Edison-Lampe von Philips ist nicht nur ein Hingucker, sie lässt sich per Bluetooth auch via Smartphone steuern, ohne dass man einen Hue-Hub benötigen würde. Die App hat allerdings noch Verbesserungspotenzial.

Ich bin der Vernetzung des trauten Heims nicht abgeneigt, aber auch nicht euphorisch. Denn in vielen Fällen erkauft man sich einen kleinen Fortschritt mit einem grossen Administrationsaufwand:

Per Startbildschirm kann man eine oder mehrere Lampen gemeinsam und mittels Vorgaben steuern.

Man muss seine smarten Stecker mit Firmware-Updates versorgen und sicherstellen, dass auch ja das WLAN nie ausfällt. Und auch wenn das gewährleistet ist, funktioniert der Kram in so und so vielen Fällen aus unerfindlichen Gründen dann doch nicht. Wir lernen: Auch der gute alte Lichtschalter hat seine Berechtigung.

Trotzdem wollten es die Umstände, dass sich neulich ein smartes Gadget in unser Heim verirrt hat. Es handelt sich um die Edison Lampe mit Glühdraht von Philips (LWV001), die für ungefähr 30 Euro bei Amazon zu haben ist.

Die Lampe stammt aus der Hue-Familie und ist nicht vollsmart, sondern nur halbsmart ist, wenn ich so sagen darf. Sie hat kein WLAN, sondern Bluetooth und lässt sich ohne den Hub verwenden, der bei Philips Hue-Bridge heisst¹. Das ist ein Nachteil, weil es die Möglichkeiten einschränkt. Wenn man einen Hub hat, dann arbeiten die Lampen mit dem zusammen – man verbaut sich daher nichts.

Es geht auch ohne das Gefrickel mit dem Hub

Darum heisst sie wohl «Filament Giant Edison».

Wir betreiben die Lampe ohne Hub, weil es mir unver­hältnis­mässig er­scheint, für eine einzelne Lampe eine Bridge anzu­schaffen und die ganze Zeit am Strom hängen­zulassen. Die Lampe war als Nacht­licht fürs Kinder­zimmer gedacht gewesen, doch weil sie auch voll gedimmt noch zu hell ist, beleuchtet sie nun den Bücherschrank. Und das sehr stilvoll – denn die Lampe ist in ihrem Retro-Look ein Hingucker.

Auch mit der Blutooth-Variante lassen sich bis zu zehn Lampen steuern. Allerdings eben nur, wenn man sich mit dem Smartphone auch in ihrer Nähe befindet. Ist man ausser Haus, sind die Lampen, anders als die Hub-Varianten, nicht in Reichweite. Eine Steuerung per Sprachassistent ist möglich; allerdings nur via Amazon Alexa und Google Home. Siri will von dieser Lampe nichts wissen.

Um die Bluetooth-Lampen per Smartphone zu regeln, braucht man die Hue BT-App, die es kostenlos für Android und fürs iPhone gibt. Die überzeugt mich nicht so richtig. Da wir die Lampe automatisch betreiben möchten, haben wir uns den sogenannten Routinen zugewandt: Das sind Automatismen, mit denen sich die Lampe selbst steuert – und das ist der eigentliche Vorteil gegenüber einer normalen Glühbirne, die entweder von Hand ein- oder ausgeschaltet oder aber an eine Zeitschaltuhr gehängt wird.

Drei Methoden für die Automatisierung

Die Routinen: Welche nimmt man für einen simplen Zeitplan zum ein- und ausschalten?

Man hat in der App drei Routinen zur Auswahl:

  • Natürlich Aufwachen: Die Lampe nicht sofort eingeschaltet, sondern während einer bestimmten Zeit (zehn, zwanzig oder dreissig Minuten) langsam hochgedimmt.
  • Schlafen gehen: Diese Routine bewirkt das Gegenteil; die Lampe dreht sich langsam dunkler und geht dann aus. Man hat wiederum zehn, zwanzig oder dreissig Minuten Zeit für den Übergang.
  • Timer: Mit dieser Einstellung signalisiert man das Ende eines Countdowns. Man kann aber auch einen fixen Zeitpunkt einprogrammieren.

Es scheint die Möglichkeit zu fehlen, die Lampe ganz normal zu einem bestimmten Zeitpunkt ein- oder auszuschalten. Klar; man erzielt das über die beiden Routinen Natürlich Aufwachen und Schlafen gehen – wenn man sich denn mit dem Dimmvorgang während zehn Minuten abfinden kann.

Der Timer hält nebst Countdown auch eine Schaltung zu einem bestimmten Zeitpunkt bereit.

Der Nachteil ist allerdings, dass die Routine Natürlich aufwachen die Lampe immer auf volle Helligkeit dreht – schliesslich soll ihr Besitzer geweckt werden. Wenn man die Lampe automatisch auf eine bestimmte Dimmstufe stellen möchte, geht das anscheinend nicht.

Oder doch? Obwohl ich bei der Routine Timer vermutet hatte, dass sie lediglich einen Countdown ermöglicht, habe ich mir die Einstellungen näher angesehen. Und siehe da: Nebst der Option Countdown kann man über die Einstellung Bestimmte Zeit auch Aktion zeitgesteuert auslösen. Es ist möglich, die Lampe blinken lassen, ein- oder ausschalten. Über die Option Nach Mass stellt man die Leuchtstärke ein, die man gerne hätte.

Der Timer kann mehr als man vermuten würde

Der Timer kann die Lampe nicht nur ein- oder auschalten, sondern auch wunschgemäss dimmen.

Das ist eine ziemlich raffinierte Methode, mit der sich die Lampe ein- und ausschalten oder zwischendurch auch dimmen oder heller stellen lässt².

Trotzdem hat die App noch Verbesserungspotenzial: Was ich vermisse, sind komplexe Zeitpläne mit unterschiedlichen Vorgaben für Wochentage oder zumindest für Arbeitstage und Wochenende. Auch die Option, die Lampe nach dem Zufallsprinzip ein- und auszuschalten, um während der Ferien Aktivitäten zu simulieren, fehlt mir.

Die gibt es zum Beispiel im Mystrom-Adapter, den ich im Beitrag Ein Quäntchen Smartheit fürs Eigenhome ausführlich vorgestellt habe. Dieser hat übrigens auch die charmante Möglichkeit nachgerüstet, das angeschlossene Gerät bei Sonnenauf- oder Untergang zu schalten – perfekt für Leute, die nahtlos von der natürlichen Beleuchtung zum Kunstlicht überwechseln möchten.

Fussnoten

1) Ich hatte vor bald sechs Jahren die Gelegenheit, ein Startpaket inklusive Hub zu testen:

Ein Vorgeschmack auf das Internet der Dinge

Mein Fazit damals war verhalten positiv – aber wir haben uns damals gegen ein smart vernetztes Lichtkonzept in unserem Haushalt entschieden.

2) Ein Problem habe ich nachträglich beobachtet: Die Routinen werden aus unerfindlichen Gründen oft deaktiviert und dann nicht ausgelöst. Warum, ist mir nicht klar. Mir scheint, dass das Problem aufgetreten ist, nachdem auch meine Frau die Philips-App installiert und mit der Glühbirne verbunden hat. Dieses Problem führt dazu, dass die Routinen nicht wie gewünscht, bzw. ohne ständiges Reaktivieren überhaupt nicht funktionieren. Ich gehe der Sache nach und berichte, falls sich dabei etwas Neues ergibt. Ansonsten müsste man wohl in dieser Konstellation von der Nutzung der Lampen abraten.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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