Das Empire schlägt zurück: Wo Windows den Mac abtrocknet

So toll der Mac und sein Betriebssystem auch sind: In einigen Punkten kann Mac OS nicht mit der Konkurrenz mithalten. Die Top-6, wo Windows mehr zu bieten hat.

Ist das ein k. o.? Wo der Mac über Windows triumphiert: In dem Beitrag habe ich fünf Stärken eruiert, die Apples Computer den hunds­ge­wöhn­lichen PCs voraushaben. Doch dieses Duell endete nicht mit einem totalen Triumph von Mac OS. Es gibt nämlich auch einige Dinge, die Windows dem Konkurrenten voraus hat. Und darum geht es nun in dieser zweiten Runde: Um die Bereiche, in denen Microsoft obsiegt. Und ja, auch diese Rangliste hier ist natürlich subjektiv.

Platz sechs: Die Windows-Zeitleiste

Die Windows-Timeline, eingeführt mit dem April-2018-Update, ist ein nützliches Ding. Ich habe sie im Beitrag Das Patentrezept für echte Windows-Verbesserungen ausführlich vorgestellt.

Wenn Microsoft sich anstrengt, kommen nützliche Verbesserungen raus.

Platz fünf: Die Erweiterbarkeit

Dieser Punkt steht an vorletzter Stelle, weil er zwar theoretisch ein riesiger Vorteil ist, sich in der Praxis leider viel öfters als Fluch denn als Segen entpuppt hat. Trotzdem: Zumindest auf den hinteren Rängen zählt sie noch, die gute Absicht.

Und wie gesagt: Die eigentliche Idee ist begrüssenswert. Microsoft hat sein Betriebssystem zwar nicht so weit geöffnet, dass es Open-Source geworden wäre. Aber Microsoft hat an unzähligen Ecken und Enden Schnittstellen eingebaut, über die sich Windows erweitern und sich eng mit Softwareprodukten von Drittherstellern verweben lässt.

Nur ein Beispiel: Programme können sich in den Windows Explorer integrieren, um dort eigene Funktionen anzubieten. Auf diese Weise kann der Explorer beispielsweise Vorschauen von Dateiformaten anzeigen, auf die er sich von Haus aus nicht versteht.

Es gibt zwei Nachteile: Erstens hat es Microsoft versäumt, Windows mit einer sauberen Deinstallationsfunktion auszustatten. Man liefern die meisten Programme eine Möglichkeit zur Entfernung mit, doch die taugt leider nichts (siehe Software loswerden, aber sauber!).

Gerade die Systemerweiterungen bleiben fast immer zurück. Das beeinträchtigt die Benutzerfreundlichkeit und manchmal auch die Systemstabilität. Siehe dazu: Windows, was für eine Sauordnung!.

Zweitens nutzen viele Hersteller diese Erweiterbarkeit nicht klug, sondern vor allem nach Marketing-Aspekten: Das heisst, sie verankern sich möglichst dominant im System, dass der Nutzer bei Schritt und Tritt über eine Funktion stolpert und sich daran erinnert, dass er diese oder jene grossartige Software wieder einmal nutzen sollte.

Das hätte sich mittels Berechtigungen lösen lassen. Doch dieses Konzept wurde leider erst viele Jahre später für die mobilen Betriebssysteme erfunden. Immerhin: Der Mac hat es ansatzweise eingeführt. Und das ist im Grunde genommen noch ein Punkt für Apple.

Platz vier: Die Rückwärtskompatibilität

Während beim Mac schon 32-bit-Anwendungen zum alten Eisen gehören, ist Windows erstaunlich kulant. Ob Microsoft Money (Das gute alte Money!) oder meine eigenen Uralt-Spiele (Clickomania on new Windows versions): Die meisten Anwendungen lassen sich auch Jahrzehnte später noch ausführen. Und falls nicht, gibt es Mittel und Wege, um sie zum Laufen zu bringen (Alte Programme auf neuen Computern).

Und ja, es hat auch Vorteile, dass Apple alte Zöpfe so gnadenlos abschneidet – oder geradezu ausrupft. Aber für uns Nutzer ist es definitiv besser, wenn ein Software-Oldie auch mal etwas länger in Betrieb bleiben darf.

Platz drei: Der Windows-Explorer

Im Vergleich zum Finder hat der Windows-Explorer einfach mehr zu bieten, zum Beispiel die bessere Visualisierungsmöglichkeiten für die Datenbestände mit den diversen Ansichten wie Grosse, extragrosse und kleine Symbole, Kacheln, Liste und Inhalt, und mit dem Vorschaufenster oder Detailbereich rechts.

Es gibt noch zwei weitere nützliche Dinge:

Erstens die Windows-Bibliotheken: Sie dienen dazu, Dateien aus unterschiedlichen Ordnern in einer virtuellen Ansicht zusammenzuführen.

Es ist natürlich auch Geschmackssache. Aber der Windows Explorer ist in meinen Augen dann doch flexibler als der Finder beim Mac.

Diese Bibliotheken werden eingeblendet, indem man im Explorer im Reiter Ansicht auf die Schaltfläche Optionen klickt, dann im Dialog wiederum den Bereich Ansicht auswählt und in den Erweiterten Einstellungen bei Navigationsbereich  die Option Bibliotheken anzeigen anhakt.

Um einen Ordner einer Bibliothek hinzuzufügen, klickt man ihn mit der rechten Maustaste an und wählt In Bibliothek aufnehmen aus. Es gibt in diesem Menü auch den Befehl Neue Bibliothek erstellen.

Zweitens die unzähligen Dateimerkmale, die man in der Detailansicht einblenden kann. Um eine entsprechende Spalte hinzuzufügen, klickt man in der Ansicht Details mit der rechten Maustaste auf den Spaltenkopf und wählt Eigenschaften wie das Aufnahmedatum oder die Bewertung bei Fotos aus oder klickt auf Weitere, um aus mehreren Dutzend weiteren Optionen die gewünschten Informationen einzublenden.

Platz zwei: Die System-Utilities

Eine der ganz grossen Stärken von Windows sind die unzähligen Hilfsprogramme, die teils hervorragende Arbeit leisten. Zugegeben: Sie sind oft so gut versteckt, dass kaum ein Nutzer sie kennt und dementsprechend viel zu wenige Leute davon profitieren können. Aber schliesslich gibt es Blogs wie dieses hier, mit deren Hilfe man diesen nützlichen Helfern auf die Spur kommt (Windows-Abküs).

Also, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einige dieser Hilfsmittel:

Platz eins: Die gigantische Software-Vielfalt

Der grösste Vorteil hat ein bisschen mit Platz vier, der Rückwärtskompatibilität zu tun – und damit, dass Windows schon seit mehreren Jahrzehnten reifen konnte (35 Jahre – Warum Windows nicht untergegangen ist, Abo+). Aber der Hauptgrund liegt natürlich darin, dass Windows sehr weit verbreitet und die dominante Plattform war, zumindest bis die mobilen Betriebssysteme vorbeigezogen sind.

Jedenfalls gibt es ein riesiges Angebot an kommerzieller Software, an Free- und Shareware und an obskuren Programmen, mit denen man alle möglichen und unmöglichen Dinge erledigt bekommt.

Ob nun Microsoft es versäumt hat, eine Funktion einzubauen, die man gerne hätte, oder ob man irgend eine exotische Aufgabe zu lösen hat: Wenn man ausdauernd genug sucht, ist es quasi garantiert, dass man das passende Programm findet. Zum Beispiel File Juggler (Eine artistische Windows-App für Ordnungsfanatiker), Auto Dark Mode (Wie Windows etwas für unseren Biorhythmus tut) oder Ueli (Ueli, der Windows-Knecht) – ich bin immer wieder erstaunt, auf welche tollen, ausgereiften und durchdachten Programme ich nach dreissig Jahren als Windows-Nutzer noch stosse…

Beitragsbild: Damit wird der Mac abgetrocknet (Gratisography, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Das Empire schlägt zurück: Wo Windows den Mac abtrocknet“

    1. Sollte ein Fön sein. Ich fand die Ambivalenz erst lustig, dann pennälerhaft. Darum habe ich das Bild ausgetauscht. Auch um zu verhindern, dass das Blog plötzlich nicht mehr jugendfrei ist. 😳

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