Sprechen statt tippen?

Was taugt die Diktatfunktion von Microsoft Office? Um das herauszufinden, habe ich zum allerersten Mal einen Blogpost nicht getippt, sondern eingesprochen.

In Microsoft Office, das inzwischen Microsoft 365 heisst, gibt es seit einiger Zeit die Funktion Diktieren. Sie findet sich im Menüband bei Start am rechten Rand, direkt neben dem ebenfalls recht neuen Editor, der Rechtschreib-, Grammatik und Stilprüfung in einem umfasst.

Die Diktatfunktion Diktierfunktion¹ tut genau das, was man sich darunter vorstellt: Sie setzt das, was man ins Mikrofon spricht, in geschriebene Sprache um. Man braucht nicht mehr zu tippen, sondern kann einfach drauflosreden.

Das wollte ich schon länger einmal ausprobieren und zu diesem Zweck habe ich diesen Text nicht selbst in die Tastatur gehackt, sondern meinem Mac erzählt. Damit das Resultat einigermassen lesbar ist, habe ich es nachbearbeitet. Aber am Ende des Beitrags gibt es das Original unbearbeitet zum Lesen – genauso, wie es der Mac und Microsoft verstanden haben².

Für mich – und für meine Leserinnen – soll dieser Test hier zwei Fragen beantworten:

Erstens: Ist die Qualität der Transkription ausreichend gut, dass man das Resultat auch brauchen kann? Oder muss ich so viel nachbearbeiten, dass ich schneller gewesen wäre, den Text mit der klassischen Eingabemethode zu erfassen?

Merkt man es einem Text an, dass er diktiert wurde?

Die zweite Frage ist etwas kniffliger: Sie dreht sich nämlich um die Qualität des Textes. Merkt man es dem Text an, dass er diktiert und nicht  getippt wurde? Ist er zum Beispiel weitschweifiger oder weniger gut strukturiert?

Microsoft Word, bitte zum Diktat!

Diese Gefahr besteht: Kaum jemand wird einen Blogpost wie diesen hier oder einen Artikel in druckreifer Form aus dem Ärmel schütteln. Wenn man einen Text tippt, dann kann man sich zwischendurch so viele Pausen nehmen, wie man braucht: Man kann nachdenken, seine Eingaben verändern und wild zwischen Texteingabe und Redigieren hin und her wechseln.

Ich habe gerade auch durch dieses Experiment festgestellt, dass ich meine Texte aus Satzfragmenten aufbaue. Ich tippe einen Satzanfang, überlege etwas, füge ein paar Worte hinzu und jongliere so lange mit diesen Versatzstücken, bis mir der Rhythmus des Textes passt und natürlich die Informationen transportiert werden, auf die es mir ankommt.

Druckreif formulieren? Eine hohe Kunst

Diese Technik lässt sich beim Diktieren nicht anwenden. Man sollte möglichst druckfertige Sätze von sich geben und nicht zu viele Pausen einlegen. Diese Pausen versteht die Diktatfunktion als Satzende und setzt einen Punkt oder je nach Intonation auch ein Fragezeichen.

Damit es Sinn ergibt, einen Blogpost zu diktieren, müsste man wenigstens in abgeschlossenen Sätzen denken – und das funktioniert bei mir leider nicht. Ich kann mir vorstellen, dass man sich eine solche Arbeitsweise antrainieren könnte. Aber das würde eine grosse Umgewöhnung bedeuten und ich denke, dass der Aufwand zumindest für mich die Sache nicht wert wäre. Ich bin überzeugt, dass mittels Tastatur in meinem Fall Texte entstehen, die dichter, besser strukturiert und auch angenehmer zum Lesen sind.

Trotzdem komme ich nicht umhin, Microsoft zu attestieren, dass diese Diktatfunktion inzwischen recht beeindruckend ist. Es gibt nur wenige Dinge, die das Programm falsch versteht. Sogar Wörter wie weitschweifig, Versatzstücke oder Blogpost versteht die Software richtig, auch wenn sie Blogpost in zwei Wörtern schreibt (Blog Post) und nicht in einem, wie ich das tun würde. In einer ersten Fassung dieses Textes habe ich auch von Raumschiff Enterprise, Scotty und Captain Kirk gesprochen, was die Diktatfunktion ebenfalls richtig verstanden hat.

Aus Schallwellen werden Buchstaben

Nicht über alle Zweifel erhaben ist die Interpunktion, die man übrigens über das Zahnradsymbol extra aktivieren muss. Man kommt nicht umhin, den fertigen Text von Hand in Absätze unterteilen und auch die Gross- und Kleinschreibung will nachbearbeitet sein. An diesen Details merkt man, dass der Computer halt doch kein Verständnis für den Sinn und den Inhalt des Textes hat, sondern lediglich versucht, Schallwellen in Buchstaben umzusetzen.

Fazit: Ich werde beim Tippen bleiben. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass das Diktieren seine Berechtigung hat: Zum Beispiel, wenn man eine grosse Zahl von Ideen ganz schnell in Worte fassen möchte. Oder wenn es darum geht, dass ein Text möglichst spontan und wenig gestelzt wirkt.

Fussnoten

1) Mit dieser Textänderung nehme ich Reda El Arbis infamer Behauptung den Wind aus den Segeln.

2) In Microsoft Office, das seit einiger Zeit Microsoft 365 heißt, gibt es seit einiger Zeit die Funktion diktieren. Die tut genau das, was man sich darunter vorstellt. Sie setzt das, was man ins Mikrofon spricht, in geschriebene Sprache um. Man braucht nicht mehr zu tippen, sondern kann einfach drauf losreden. Das wollte ich schon länger einmal ausprobieren und zu diesem Zweck habe ich diesen Text nicht selbst in die Tastatur gehackt, sondern meinem Mac erzählt. Damit das Resultat einigermaßen lesbar ist, habe ich es nachbearbeitet, aber am Ende des Beitrags gibt es das Original und bearbeitet zum Lesen, genauso wie es der Mac und Microsoft verstanden haben. Für mich soll dieser Test hier 2 Fragen beantworten erstens ist die Qualität der Transkription. Ausreichend gut, dass man das Resultat auch brauchen kann. Oder muss ich so viel nachbearbeiten, dass ich schneller gewesen wäre, wenn ich meinen Text selbst getippt hätte? Die zweite Frage ist etwas kniffliger die dreht sich nämlich um die Qualität des Textes. Merkt man es dem Text an, dass er diktiert und nicht selbst getippt wurde, ist er zum Beispiel Weitschweifiger oder weniger gut strukturiert. Den kaum jemand wird einen Blog Post wie diesen hier einfach aus dem Ärmel schütteln können. Wenn man einen Text selber tippt, dann kann man sich zwischendurch so viele Pausen nehmen, wie man braucht. Man kann nachdenken, man kann seine Eingaben verändern und redigieren. Ich beispielsweise bauen meine Texte aus Satzfragmenten auf. Das sind Versatzstücke, mit denen ich so lange herum jongliere, bis mir der Rhythmus des Textes passt und bis natürlich auch das Sinn stimmt. Diese Technik lässt sich beim Diktieren nicht anwenden man sollte möglichst druckfertige Sätze von sich geben und nicht auf zu viele Pausen einlegen. Diese Pausen versteht die Diktatfunktion als Ende des Satzes und setzt einen Punkt oder je nach Internation. Auch ein Fragezeichen. Damit man einen Blog Post sinnvollerweise diktieren könnte, müsste man wenigstens in abgeschlossenen setzen denken und das funktioniert bei mir leider nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich eine solche Arbeitsweise an trainieren könnte. Aber das würde eine ziemlich große Umgewöhnung bedeuten und ich denke, dass der Aufwand das zumindest für mich nicht wert wäre. Zumal ich überzeugt bin, dass meine Texte nach der klassisch geschriebenen Methode Dichter kompakter und auch besser lesbar sind. Trotzdem komme ich nicht umhin, Microsoft zu attestieren, dass diese Diktatfunktion inzwischen recht beeindruckend ist. Es gibt nur wenige Dinge, die das Programm Faust versteht. Sogar Worte wie weitschweifig, Versatzstücke oder Blog Post versteht die Software richtig, auch wenn sie Blog Post in 2 Wörtern schreibt und nicht in einem wie ich das tun würde.In einem ersten Versuch habe ich auch von Raumschiff Enterprise Scotty und Captain Kirk gesprochen, was die Diktatfunktion ebenfalls richtig verstanden hat. Nicht über alle Zweifel erhaben ist die Interpunktion, die man übrigens über das Zahnradsymbol extra aktivieren muss. Man muss den fertigen Text manuell in Abschnitte unterteilen und auch die groß und Kleinschreibung nach bearbeiten. An diesem Details merkt man, dass der Computer halt doch kein Verständnis für den Sinn und den Inhalt des Textes habt, sondern versucht schau Wellen in geschriebene Buchstaben. Umzusetzen.Fazit Ich werde beim Tippen bleiben, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das diktieren seine Berechtigung hat. Zum Beispiel, wenn man eine große Zahl von Ideen ganz schnell in Worte fassen möchte. Oder wenn es darum geht, dass ein Text möglichst spontan und wenig gestelzt wirkt.

Beitragsbild: Megafon statt Tastatur (Andrea Piacquadio, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Sprechen statt tippen?“

  1. Beeindruckend!

    @Satzzeichen: da kommt mir die „phonetic punctuation“ à la Viktor Borge oder Ces Keiser in den Sinn *grins*

Kommentar verfassen