Meine Cloud ist abgestürzt

Nachdem meine private Datenwolke schon wieder einen Aussetzer hatte, bin ich reumütig zu Microsoft zurückgekrochen. Aber endgültig zu Ende sind meine Unabhängig­keits­bestre­bungen nicht.

Ich habe eine traurige Nachricht zu überbringen. Leider ist meine geliebte Nextcloud-Installation dahingeschieden. Wiederbelebungsversuche waren unmittelbar nicht erfolgreich. Ich habe mich daher entschieden, das Unterfangen meiner privaten Cloud vorerst zu beenden.

Und ja, das kommt einer Kapitulation gleich, nachdem ich im Beitrag Nextcloud auf dem Raspi: Die Erfahrungen nach zwei Monaten ein durchgängig positives Fazit gezogen habe. Aber wenn man über Erfolgsgeschichten bloggt, ist es dann nicht auch angebracht, über persönliches Scheitern zu berichten?

An dieser Stelle muss ich erst eine grundsätzliche Feststellung machen: Nextcloud ist nach wie vor ein tolles Projekt, das ich gern empfehle. Die Quelle allen Übels war in meinem Fall ein zu kurzer Geduldsfaden, Ansätze von Inkompetenz, sowie eine ärgerliche Panne.

Doch natürlich muss ich das etwas detaillierter ausführen: Im Beitrag Der Trick, wie iPhone-Apps nicht an ihrer Arbeit gehindert werden habe ich geschildert, wie ich meine Nextcloud-Installation zerstört habe, weil ich während eines Updatevorgangs den Browser geschlossen habe. Das sollte man tunlichst vermeiden, denn es zieht Schäden an der Installation nach sich. Meine Nextcloud liess sich nach dem Vorfall wiederbeleben, aber das war mit einiger Arbeit verbunden.

So präsentiert sich die Nextcloud via Web.

Nun ging kaum einen Monat später die Installation noch einmal über den Jordan, und zwar wiederum während eines Updatevorgangs. Dieses Mal war es nicht meine Schuld, denn ich habe tunlichst darauf geachtet, das fragliche Browserfenster offenzulassen. Die Ursache des Kollapses waren zwei Timeouts, die den Vorgang unterbrochen haben.

Erst ein Timeout, dann der Crash

Die erste Zeitüberschreitung ist am Anfang des Prozesses aufgetreten, während des Downloads. Das war nicht weiter schlimm, weil noch keine Änderungen an der Installation vorgenommen worden waren. Ich habe also einfach das Update neu gestartet. Was ich mutmasslich nicht hätte tun sollen. Abwarten und womöglich den Raspi neu starten wären zwei sinnvolle Massnahmen gewesen.

Es kam also wieder zu einem Timeout, und beim zweiten Mal blieb der Vorgang beim zehnten Punkt, «Delete old files» hängen. Warum es zu der Zeitüberschreitung und zum Abbruch kam, ist aus der Meldung nicht hervorgegangen. Es könnte sich um ein Verbindungsproblem zwischen Browser und Raspberry gehandelt haben oder um eine Blockade beim Raspberry Pi.

Im Unterschied zum ersten Hänger hatte dieser zweite Zwischenfall die Auswirkung, dass die Nextcloud-Installation in einem unbrauchbaren Zustand zurückgelassen wurde. Der Updatevorgang liess sich nicht mehr neu starten und es lag auf der Hand, dass nur noch eine manuelle Reparatur hätte helfen können.

Hier wird beschrieben, man müsse die Berechtigungen des Datenordners korrigieren. Das habe ich probiert, aber ohne Erfolg – und für weitere manuelle Fehlerhebungsversuche hätte ich mich intensiv damit beschäftigen müssen, was während des ganzen Ablaufs passiert und wie man von Hand eingreift. Es steht ausser Frage, dass man dafür ganz viele technische Details studieren muss.

Doch dazu hatte ich weder die Zeit noch die Lust. Und leider hat auch meine simple Lösungsstrategie nicht gefruchtet: Ich habe versucht, Nextcloud einfach noch einmal über die alte Installation darüberzubügeln. Bei der Panne im Dezember hatte das noch geholfen.

Ein K.o.-Kriterium

An diesem Punkt habe ich mich entschieden aufzugeben. So toll die Nextcloud auch ist, die Update-Probleme sind ein K.o.-Kriterium. Es ist mir wichtig, die Installation auf dem neuesten Stand zu halten. Darum muss der Updatevorgang robust genug sein, dass auch Timeout und ein fahrlässiger Benutzerfehler verkraftbar ist. Denn ich brauche eine robuste Lösung, die mir nicht aus heiterem Himmel einen beträchtlichen Administrationsaufwand beschert.

Was tun also? Ich muss berichten, dass ich reumütig zu der klassischen Cloud zurückgekehrt bin: Ich habe die Nextcloud durch Microsofts Onedrive ersetzt.

«Onedrive ist auf dem neuesten Stand»: Das kann man glauben, muss man aber nicht.

Das ist nun auch nicht die reine Freude. Nach ein paar Tagen Erfahrung muss ich sagen, dass die Syn­chroni­sation von Onedrive im Vergleich zur Nextcloud (siehe hier) gewaltig abstinkt: Es dauert viel länger, bis Dateien zwischen meinem Windows-PC und dem Mac ausgetauscht werden.

Der Windows-10-Client schnallte anfänglich nicht, wenn sich Dateien geändert haben. Das machte es nötig, die Synchronisation zu stoppen und neu zu starten, um die Aktualisierung anzustossen. Das ist nicht gerade ein Ruhmesblatt für Microsoft.

Ich habe einiges probiert und mir angeschaut, ob alle Onedrive-Dienste laufen. Als mögliche Ursache hatte ich die symbolischen Links im Auge, die ich verwende. Da ich nicht den Onedrive-Ordner verwenden will, habe ich die zu synchronisierenden Ordner dort als Symlinks abgelegt.

Eingerichtet werden diese Symlinks mit folgendem Befehl, den man an der Eingabeaufforderung platziert. Die kursiv markierten Teile sind Platzhalter, die den konkreten Gegebenheiten angepasst werden müssen:

mklink /j "%UserProfile%\OneDrive\ordner" "Pfad zum Ordner in der Dateistruktur"

Dass die Symlinks schuld sind, ist aber nur eine Vermutung – und keine sonderlich stichhaltige. Symbolische Links sollten für Synchronisationsprogramme kein Hindernis darstellen. Die App von Dropbox hat mit ihnen nicht die geringsten Probleme, wie ich in den Beiträgen Drei Tipps für die Box der Boxen und Der Trick für die Benutzerwörterbücher beschrieben habe.

Anlaufschwierigkeiten?

Es könnten auch einfach Anfangsschwierigkeiten gewesen sein. Das Problem hat sich nach einiger Zeit von allein entschärft. Warum, bleibt ein Rätsel. Womöglich muss man, nachdem man eine grössere Anzahl Ordner und Dateien hinzugefügt hat, einfach ausreichend lange warten.

Obwohl Onedrive inzwischen einigermassen funktioniert, bin ich mit nicht wirklich zufrieden, mich wieder in fremde Hände begeben zu müssen. Mit anderen Worten: Onedrive dürfte nur eine Zwischenlösung sein. Einen  Versuch will ich mit Seafile wagen. Aber weil die Installation (wie hier beschrieben) einem einiges an manuellem Gefrickel abverlangt, werde ich damit erst einmal zuwarten, bis mich der Ehrgeiz packt.

Beitragsbild: Wolkensplitter – oder so ähnlich (Lehel Mozgai, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

10 Gedanken zu „Meine Cloud ist abgestürzt“

  1. Ich verwende OwnCloud (auf Linux) zusammen mit einer Cloud-Lösung in der CH (zB swisscloudhosting.ch oder früher iway.ch) und hatte nie irgendwelche Probleme mit der Synchronisation zwischen mehreren Laptops.

  2. Ich hatte sicher seit Version 15 keine Probleme mehr mit Updates. Das Problem wird sein, dass der Raspi zu langsam ist bzw. das Timeout zu kurz für seine Leistung.

    Das sollte aber lösbar sein. Die erste Möglichkeit wäre, das Timeout zu erhöhen (Webserver und PHP). Die bessere Variante ist aber, das Update nicht über den Browser zu machen. Es geht auch manuell recht einfach:

    – Datenbank sichern
    – Anwendungsdateien wegkopieren
    – Verzeichnis löschen (die Daten sind ja hoffentlich wie empfohlen ausserhalb!)
    – neue Version entpacken
    – Konfigurationsdatei zurück kopieren
    – dann entweder über das Web das Datenbank-Update durchführen oder auf der Shell mit „occ upgrade“

    Auf „normal schnellen“ Servern und bei nicht zu grossen Instanzen mache ich Updates bequem über den Browser. Grosse Instanzen aktualisiere ich über die Shell, denn bei hunderttausenden Dateien und entsprechend vielen Datenbank-Einträgen dauert es auch auf schnellen Servern ein paar Minuten.

    1. Das dürfte der Grund gewesen sein; das Datenverzeichnis ist schnell angewachsen, sowohl bei der Grösse als auch bei der Zahl der Dateien. Das Update manuell zu machen, wäre der beste Weg. Aber da bin *ich* zu langsam, weil zu wenig Linux-geübt. 🙈

      1. Kein Problem, bei Linux lässt sich alles scripten. 🙂 Habe mal ein Script erstellt, welches bei einem Server mit mehreren Instanzen jede Instanz updatet. Habe gerade keinen Zugriff darauf, aber es gibt im Internet viel schönere Scripts mit detaillierter Ausgabe: https://www.c-rieger.de/nextcloud-upgrade-mittels-cli/

        Man muss eigentlich nur das Verzeichnis angeben und er holt sich im Internet die aktuelle Version, falls diese neuer ist als die installierte.

        OneDrive hat übrigens aktuell noch einen grossen Vorteil gegenüber Nextcloud: es kann die Dateien so darstellen, als wären sie auf der Festplatte, aber es lädt sie erst, wenn man darauf zugreift. Das „alles synchronisieren“-Konzept stösst an seine Grenzen, wenn man 500 GB auf Nextcloud hat, aber nur eine 250 GB SSD im Notebook. 🙂 Je nach Anwendungsfall installiere ich bei Nextcloud deshalb nicht den Client, sondern mounte ein Verzeichnis über WebDAV.

  3. Für mich haben sich NAS Systeme, z.B. von Synology oder Qnap, als gangbarer Mittelweg zwischen alles selber machen und alles in fremde Hände geben erwiesen.

  4. Na ja, mit dem Raspi eine Cloud zu betreiben, ist eine gewagte Sache. Ein Ryzen-Rechnker kostet vielleicht zweihundert Franken mehr, es ist aber eine andere Liga. Auch leiste ich mir redundante Platten (kostet auch nicht alle Welt). Mit meiner aktuellen Nextcloud kann ich problemlos selbst Video-Konferenzen auf meinen privaten Rechnern durchführen, auch da dürfte der Raspi wohl zu langsam sein. Und ja, Ich betreibe mittlerweile ein privates Medienarchiv mit ca. 6 TByte, auch da „stinkte“ der Raspi einfach ab, mehr dazu unter: https://archivista.ch/cms/de/aktuell-blog/archivistadom-mit-10-tbyte

    Vielleicht findest Du ja nochmal den Mut für einen neuen Anlauf. Darfst jederzeit bei mir nachfragen, ich helfe gerne. Das Aufsetzen von Nextcloud ist eine Sache von ca. 5 Minuten, und von Frickelei kann keine Rede sein. Unabhängig von meinem Angebot, mit etwas Forschen finden sich viele sehr gute Anleitungen und Foren, wo es Hilfe gibt.

      1. Ich hätte da gar ein Angebot, das für Sie und ihre Leserschaft bei ihrem Arbeitgeber spannend sein könnte. Wir haben nämlich die letzten Tage Nextcloud komplett in unsere ArchivistaBox integriert. Ich weiss, 330 Franken ist nicht nichts, zumal die Hardware darin noch nicht enthalten ist. Ich meinte aber auch, dass viele noch einen Intel/AMD PC bei sich stehen haben, sodass das Angebot trotzdem Sinn ergibt. Wer keine Hardware hat, erhält für 990.– (exkl.) eine hochperformante Hardware mit 10 TByte (WD Gold-Standard, kann redundant aufgebaut werden).

        Und ich meinte weiter, dass Telefonate und Video-Chats über den eigenen Rechner im Jahre 2021 viel Sinn ergeben, und die Office-Suite ist Online ja auch gleich noch verfügbar. Dass ich von der ArchivistaBox als DMS überzeugt bin, dürfte sich verstehen, ich sehe aber auch, dass z.B. ein Medien-Archiv mit einem DMS etwas mehr Vor- bizw. Aufbauarbeit erfordert als einfach mal einen Nextcloud-Server zu betreiben. Und darum haben wir Nextcloud auch integriert. Dazu mehr hier:

        https://archivista.ch/cms/de/aktuell-blog/archivistabox-2021-ii-mit-cloud/

        Falls Sie wünschen, sende ich Ihnen daher gerne einen Stick oder ein Demo-Gerät für die kostenfreie Nutzung über ein Jahr. Falls Sie danach noch damit arbeiten möchten, würden wir es verrechnen, falls nicht, wäre es wenigstens eine (spannende) Erfahrung zu wissen, ob/warum es nicht passt.

  5. Nextcloud lässt sicher sehr einfach mit Docker installieren und mit Hilfe des dockerimages watchtower automatisch Updaten. Betreibe Nextcloud auf einer leistungsschwachen nas von sinologhi seit 3 Jahren und hatte bisher kaum Probleme.

Kommentar verfassen