Einmal und nie wieder: Ich blogge über die Zifferblätter der Apple Watch

Andere können sich stundenlang über die Watchfaces ihrer smarten Uhr auslassen. Mich interessiert das Thema nur mässig – aber immerhin genug, dass ich zwei Verbesserungsvorschläge für Apple habe.

Mit einem gewissen Unverständnis verfolge ich die – häufig in sozialen Medien zelebrierte – Begeisterung für die sogenannten Watchfaces. Das sind die Zifferblätter, die einer smarten Uhr nach Belieben ausgewechselt werden können.

Aber was heisst Unverständnis? Natürlich leuchtet die Bedeutung ein, die dem Zifferblatt bei einer Uhr zukommt. Bei einem klassischen Modell ist es der alles entscheidende Faktor. Einem vernünftigen Uhrenträger käme es nie in den Sinn, einen noch so teuren Chronografen ans Handgelenk zu schnallen, wenn die Zeiger zu klobig, die Ziffern zu unelegant und das Blatt selbst nicht augenschmeichelnd wäre.

Schliesslich hat man die Uhr andauernd vor Augen und blickt pro Tag Hunderte Mal darauf. Ich würde darum lieber eine Uhr aus dem Kaugummiautomaten tragen, die zu mir passt, als ein Statussymbol, das teuer, aber nicht schön ausschaut – und klar, es gibt Proleten, die genau andersherum gepolt sind.

Darum liegt es auf der Hand, dass einer der grossen Vorteile bei den Smartwatches die Möglichkeit ist, das Zifferblatt zu wechseln. Man kann es seiner Tätigkeit oder der Laune anpassen oder einfach für Abwechslung sorgen. Und ja: Man kann jeden Wechsel eines Ziffernblatts in den sozialen Medien zelebrieren, so wie es einer meiner nicht näher genannten Arbeitskollegen tut. (Gäll, Rafi.)

Aber gut, mir wurde unterstellt, meine mangelnde Begeisterung sei auf den Neid der Besitzlosen zurückzuführen. Bei meiner Garmin Fenix sind die Möglichkeiten eingeschränkt. Das Display hat 218 auf 218 Pixel und ist auf gute Lesbarkeit auch bei Sonnenlicht getrimmt, nicht auf eine  brillante Darstellung. Und die Zifferblätter, die es im Connect-Store gibt, überzeugen eher durch ihre Datendichte und ihre technoide Anmutung, denn durch Charme und Eleganz.

Seit ich zusätzlich zur Garmin-Uhr am linken auch eine Apple Watch am rechten Handgelenk trage, kann ich die Begeisterung etwas besser nachvollziehen: Das Display hat viel mehr Pixel (448 × 368) und ist damit ungefähr drei- bis viermal so scharf (326 ppi) und dank OLED auch wirklich brillant. Da kommen schön gestaltete Zifferblätter besser zur Geltung. Und weil das Display eckig ist – was mir grundsätzlich nicht sonderlich gut gefällt – gibt es mehr Möglichkeiten, Informationen nicht nur zweckdienlich, sondern auch schön zu präsentieren.

Also, ich werde hier meine Vorlieben in Sachen Apple-Watch-Zifferblätter zum Besten geben – zum ersten, und hoffentlich auch zum letzten Mal. Denn alles in allem bin ich der Überzeugung, dass es kaum ein langweiligeres und weniger relevantes Thema gibt, als die Frage, welche Zifferblätter meiner Wenigkeit denn so gefallen. Dass ich das an dieser Stelle trotzdem thematisiere, kann ich immerhin mit zwei Forderungen an Apple rechtfertigen. Ich habe nämlich zwei konkrete Vorschläge, wie die Apple Watch zu verbessern wäre.

Dieses Zifferblatt ist die Strafe dafür, die Ringe noch nicht aufgefüllt zu haben.

Los geht es! (Und haltet mich bitte jetzt nicht für allzu exzentrisch – weil meine Gewohnheiten in der Tat etwas seltsam sind.)

Während ich dabei bin, die Ringe zu schliessen, verwende ich Aktivität analog mit einer Komplikation für Water Minder.

Sobald die Sache mit den Ringen erledigt ist, wechsle ich auf das Zifferblatt Astronomie. Das zeigt entweder die Erde, den Mond oder das Sonnensystem.

Das Zifferblatt für die planetare Nachbarschaft.

Ich verwende es mit der Anzeige des Sonnensystems: Das gefällt mir allein deswegen, weil man die Uhr mindestens zwei Jahre tragen muss, um eine winzige Bewegung des Neptuns auf dem Display wahrnehmen zu können. Das finde ich beeindruckend. (Auf dem Neptun wäre ich vor Kurzem vier Monate alt geworden.)

Mir gefällt auch die Ansicht der Erde, auf der man sehr schön den Sonnenstand sieht. Etwas stört mich allerdings daran – und damit sind wir bei den guten Empfehlungen an Apple.

Hübsch – aber warum sind die Wolken nicht «live»?

Das sind nämlich die Wolken. Das sind erfundene oder vor Jahren fotografierte Wolken, die mit dem aktuellen meteorologischen Geschehen nichts zu tun haben. Ich würde auf der Uhr aber gerne die echte Wettersituation sehen – genauso, wie bei der Living-Earth-App (siehe Schlechtes Wetter, schöne Apps).

Zweiter Vorschlag: Toll wäre natürlich, wenn die Uhr automatisch aufs Astronome-Zifferblatt umschalten würde, sobald die Ringe voll sind. Mit der Kurzbefehle-App kann man sich vielerlei Automatisierungen einrichten (siehe So landet der Liebhaber automatisch rechtzeitig vor der Tür). Für meinen Zweck wäre aber der Trigger Alle drei Ringe geschlossen nötig – und den habe ich leider nicht vorgefunden.

Dabei wäre der doch geradezu ideal für eine Automatisierung. Man könnte immer beim Schliessen der Ringe einen Jubel-Tweet abfeuern (und sich damit sicherlich sehr beliebt machen) oder via Homekit automatisch den Fernseher einschalten lassen – ich sähe da ein wirkliches Potenzial!

Beitragsbild: Nein, Micky Maus gehört nicht zu meinen Favoriten auf dem Zifferblatt (Rene Asmussen, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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