Was sehr lange währt, wird richtig gut

Kürzlich ist Inkscape 1.0 erschienen – nach der vermutlich längsten Betaphase aller Zeiten. Grund für eine Laudatio.

Heute geht es weniger um eine Software – als vielmehr um die Würdigung einer bemerkenswerten Ausdauerleistung. Es gilt zu berichten, dass Inkscape in der Version 1.0 erschienen ist. Inkscape ist ein quelloffenes Programm zur Bearbeitung von Vektorgrafiken, das in etwa mit Adobe Illustrator zu vergleichen ist.

Die Veröffentlichung der Version 1.0 geschah am 4. Mai 2020. Sie ist deswegen bemerkenswert, weil es das Programm seit November 2003 gibt. Mit anderen Worten: Es war fast 17 Jahre lang in einer 0.x-Version erhältlich. Eine Versionsnummer mit einer Null am Anfang assoziiert man mit einem unfertigen, noch in der Testphase befindlichen Softwareprodukt.

Man nennt das auch Betaphase. Und Inkscape dürfte eine der längsten Betaphase in der Softwaregeschichte durchlaufen haben. „Was sehr lange währt, wird richtig gut“ weiterlesen

Die (bis auf Widerruf) beste Kalender-App fürs iPhone

Meine bisherige Kalender-App ist in Ungnade gefallen. Der Ersatz ist mit einer durchdachten Oberfläche und einer Sperenzchen-freien Funktionsweise Calendars 5 von Readdle.

Ich war seinerzeit ein grosser Fan von Fantastical – siehe Termine auf die fantastische Art verwalten. Mit dem letzten Update hat meine Begeisterung einen argen Dämpfer erfahren. Mit Fantastical 3 wurde im Januar 2020 ein Premium-Abo eingeführt, das mit 43 Franken im Jahr oder mit 5.50 Franken im Monat zu Buch schlägt. Das ist mir zu viel: Ich bin kein Manager mit 25 Terminen am Tag.

Fantastical 3: Die Darstellung ist noch immer hübsch und zweckdienlich.

Die App funktioniert zwar auch ohne Abo. Für neue Nutzer ist der Funktionsumfang sehr eingeschränkt. Doch als Anwender, der für die Vorgängerversion bezahlt hat, bekommt man die gleichen Funktionen, die man in Fantastical 2 zur Verfügung hatte.

Das wäre fair und akzeptabel, wenn die App nicht häufig auf die Vorteile des Abos aufmerksam machen würde. Das nervt und ist nutzlos: Der Sprung von den zwei Franken, die ich seinerzeit für die App bezahlt habe, zu fünf Franken im Monat ist so gross, dass mich diese App nicht überzeugen wird, sosehr sie es auch versucht. Ausserdem müsste ich auch noch ein Nutzerkonto einrichten, dessen Sinn ich nicht so recht einsehen mag.

7 Franken, die sich lohnen

Kurz und gut, ich habe mich nach einer neuen Kalender-App umgesehen und bin fündig geworden: „Die (bis auf Widerruf) beste Kalender-App fürs iPhone“ weiterlesen

Fünf grossartige Tricks für Firefox

Es gibt genügend Gründe, nicht den Chrome-Browser von Google zu verwenden. Einige davon gibt es in dieser hochkarätigen Tippsammlung.

Ich bin kein Missionar. Aber wenn ich einer wäre, dann würde ich versuchen, all die Chrome-Anwender zu bekehren. Denn es gibt drei Gründe, Chrome nicht zu verwenden: Erstens, weil er von Google kommt und er Google hilft, das Web zu dominieren. Zweitens, weil er nicht besonders benutzerfreundlich ist. Und drittens, weil Firefox besser ist.

Um das zu begründen, einige Tipps zu Firefox:

Die unglaublich nützliche, schnelle Suche

In den Einstellungen bei Suche im Abschnitt Ein-Klick-Suchmaschinen lassen sich Schlüsselwörter für die hinterlegten Suchmaschinen einrichten (Schneller googeln und bingen geht nicht). Ich habe beispielsweise das Schlüssel-«Wort» w für Wikipedia hinterlegt. Damit kann ich einfach und schnell beim freien Lexikon suchen. Dazu verwende ich das Kürzel und den Suchbegriff, also zum Beispiel: „Fünf grossartige Tricks für Firefox“ weiterlesen

Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt

Ich unterziehe einen Beitrag von RT einer kritischen Prüfung. Und das Ergebnis ist für meinen Freund, der ihn auf Facebook geteilt hat, leider nicht schmeichelhaft.

Eine weitere Folge aus der beliebten Reihe Zeugs, das besser nicht gepostet worden wäre: Der Beitrag «The 1% blunder: How a simple but fatal math mistake by US Covid-19 experts caused the world to panic and order lockdowns» von RT.com. Ich gebe hier zu Dokumentationszwecken den Link an, natürlich mit Noreferrer und Nofollow-Attribut.

«Bitte lest das», verlangt mein Facebook-Freund. Das habe ich gemacht.

Ein Freund auf Facebook hat ihn gestern veröffentlicht. Er gibt dem Link in seinem Posting eine kleine Relativierung mit: Der Text sei «zumindest interessant». Doch die Relativierung wird auch gleich wieder relativiert, indem er angibt, auch ein befreundeter Arzt hätte ihn gepostet.

Jetzt könnte man es sich einfach machen und auf die Quelle verweisen: RT.com ist die Website zum gleichnamigen Fernsehsender, der ursprünglich «Russia Today» hiess.

Schon die Selbstbeschreibung weist auf zwei grundsätzliche Probleme mit dieser Informationsquelle hin. Es heisst auf der «About RT»-Seite Folgendes: „Und wieder hat einer auf Facebook groben Unsinn geteilt“ weiterlesen

Youtube Premium ist ganz okay – aber wie wird man die schlechten Videos los?

Youtube Premium verschont einen vor Werbung. Die fragwürdigen, doofen und irreführenden Videos wird man mit dem Bezahl-Abo jedoch nicht los. Dabei wäre genau das ein echter Mehrwert.

Aus beruflichen Gründen habe ich neulich einen Vorsatz über Bord geworfen. Ich hatte mir vorgenommen, das grosszügige Angebot von Google, Youtube Premium  einen Monat kostenlos auszuprobieren, nicht wahrzunehmen.

Der Grund für meine Verweigerungshaltung war die Penetranz, mit der Google dieses Abo unter die Leute bringen will. Sowas löst bei mir eine sture Gegenreaktion aus. Ich will dann beweisen, dass ich mich so leicht nicht kleinkriegen lasse. Und ja, das ist ein bisschen kindisch: Als ob ich damit Sundar Pichai himself oder sonst jemanden bei Google beeindrucken würde.

Aber wie angedeutet: Ich bin eingeknickt und habe mit dem Testmonat begonnen. Der Grund war mein Plan, Youtube Premium in einem Video zu besprechen. Und darüber hinaus bin ich auch wirklich daran interessiert, wie Google Youtube weiterentwickelt. Ein Abomodell finde ich nicht grundsätzlich verkehrt: Richtig gemacht, könnte einen dringend benötigten Qualitätsschub bringen.

Darüber gleich mehr, aber hier erst einmal das Video mit meinem Fazit zu Youtube Premium: „Youtube Premium ist ganz okay – aber wie wird man die schlechten Videos los?“ weiterlesen

Zwei sagenhaft lästige iPhone-Kopfhörer-Probleme

Ich bin häufig verwirrt, wo beim iPhone welcher Ton rauskommt. Man denkt, das sei tubelisicher und selbsterklärend. Aber wie zwei Beispiele zeigen, sind bei diesem Problem selbst die weltbesten Softwareingenieure überfordert.

Es geht hier um zwei wirklich lästige Audio-Probleme am iPhone. Das ist das erste:

Ich höre mir am iPhone mittels Kopfhörer irgend etwas an. Nun signalisiert ein Klingeln in den Ohrstöpseln einen eingehenden Anruf und ich nehme ab. Der Anrufer spricht nun nicht über die Kopfhörer zu mir, sondern wäre über den Lautsprecher des Telefons zu hören. Ich muss also das Telefon aus der Tasche fummeln, einen Ohrstöpsel entfernen und mich dafür entschuldigen, dass das so lange gedauert hat.

Das ist unlogisch und auch unglaublich nervig.

Diese Option bringt den Anrufer ohne Umweg in die Kopfhörer.

Nach längerer Suche habe ich in den Einstellungen bei Bedienungshilfen unter Tippen die Option Anrufaudioausgabe gefunden (Assessibility > Touch > Call Audio Routing). Hier gibt es die Auswahl Automatisch, die standardmässig eingeschaltet ist, sowie Bluetooth-Headset und Lautsprecher.

Ich habe hier auf Bluetooth-Headset umgeschaltet, was ersten Tests zufolge funktionieren sollte: Anrufe sind über die Kopfhörer zu hören. Wenn kein Bluetooth-Audiogerät verbunden ist, dann wird auch mit dieser Option der Lautsprecher verwendet – und man muss nicht etwa erst in wilder Eile Kopfhörer auftreiben.

Der Quassler aus der Watch

Völlig verdattert war ich, als ich neulich einen Anruf über die Apple Watch angenommen habe: „Zwei sagenhaft lästige iPhone-Kopfhörer-Probleme“ weiterlesen

Apps und Tricks für die schönste Nebensache der Welt

Tipps zum Lesemodus in den Browsern, eine Antwort auf die Frage Instapaper oder Pocket – und ein ausführlicher Test der Schnelllese-App Accelerator.

Und nein, es geht nicht um Sex. Und auch nicht um Religion. Trotzdem muss hier ein kleiner, spiritueller Schlenker und eine Frage: Nicht wahr, es kommt selten vor, dass man sich als Katholik fragt: Wäre ich mit dem Protestantismus eigentlich besser bedient?

Die Religionen bzw. Konfessionen in diesem Beispiel sind übrigens beliebig austauschbar. Was allerdings vorkommen kann, ist folgendes Szenario. Als Nutzer von Pocket könnte man wissen wollen, ob nicht Instapaper die bessere Wahl wäre. Oder umgekehrt.

Es geht um die beiden Apps Pocket (iPhone/iPad und Android) und Instapaper (iPhone/iPad und Android), die ich neulich in einem Video besprochen habe. Es geht in dem darum, mit welchen Tricks man sich am Smartphone die Lektüre angenehmer macht: Ich führe den Lesemodus der Browser vor. Und es geht um die besagten Lese-Apps und um einige Tricks wie das Neigungsscrollen, der Schnelllese-Modus und die Möglichkeit, sich Texte mit einigermassen brauchbarer Sprachsynthese vorlesen zu lassen.

Hier das Video:  „Apps und Tricks für die schönste Nebensache der Welt“ weiterlesen

Ein paar frische Tipps für Windows – und einer, der schon etwas streng riecht

Der erste, hier vorgesehene Trick hat sich leider als völlig veraltet herausgestellt. Aber das Management konnte rechtzeitig für frischen Ersatz sorgen.

Neulich habe ich in Windows 10 eine Entdeckung gemacht: Die praktischen Sprunglisten gibt es nicht mehr nur in der Taskleiste, sondern auch im Startmenü.

Die Sprunglisten (bzw. Jump Lists in Englisch) erscheinen beim Klick mit der rechten Maustaste auf ein Programm-Icon. Sie enthalten jene Dokumente, die mit diesem Programm bearbeitet worden sind. Bei manchen Programmen erscheinen auch häufig gebrauchte Befehle. Bei Firefox zum Beispiel kann man einen neuen Reiter, ein neues Fenster oder ein neues privates Fenster öffnen. Und man kann häufig verwendete Dokumente anpinnen, sodass die via Sprunglisten immer zur Verfügung stehen.

Ich nutze die Sprunglisten der Programme in der Taskleiste gern und häufig. Umso verblüffter war ich, als mir neulich aufgefallen ist, dass es diese Sprunglisten nun auch im Startmenü gibt.

Die Sprunglisten gibt es auch bei den Kacheln im Startmenü und bei der Programmliste links.

Sie tauchen sowohl bei den angehefteten Kacheln als auch in der alphabetischen Liste auf. Das ist eine sinnvolle Neuerung: Denn die Sprungliste erlaubt es uns Nutzern, das Programm gleich mit dem passenden Dokument zu öffnen – gleichgültig, ob das Programm nun wichtig genug ist, um in der Taskleiste oder einer Kachel im Startmenü platziert zu werden oder nicht.

Das Problem der schleichenden Windows-Verbesserungen

Nach dieser Entdeckung wollte ich herausfinden, wann bzw. mit welchem Betriebssystem-Update es diese Sprunglisten im Windows-Startmenü geschafft haben. „Ein paar frische Tipps für Windows – und einer, der schon etwas streng riecht“ weiterlesen

Mein Mobilfunkanbieter und ich – wir sind seit ewig zusammen

Man könnte es Porzellanhochzeit nennen – oder mein längster Langzeittest aller Zeiten: Ich bin seit 1999 mit meinem Mobilfunkanbieter verbandelt. Und ja: Es gab Höhen und Tiefen.

Im Beitrag Zieht euch warm an, liebe Unternehmen im Fernmeldewesen! habe ich auf drei Jahre mit Init7 zurückgeblickt. Man könnte das auch einen Langzeittest nennen. Und wenn ich schon dabei bin, kann ich mir auch ein paar Gedanken zu meinem Mobilfunkanbieter machen.

Das ist Salt. Ich habe dort ein Abo, seit Salt – damals noch unter dem Namen Orange – in der Schweiz gestartet ist. Das war am 29. Juni 1999. Aus unerfindlichen Gründen war ich zur Startveranstaltung eingeladen. Da gab es für sämtliche Besucher eine Prepaid-SIM-Karte und ein Nokia 6150. Und weil ich bis dato weder Mobiltelefon noch mobile Rufnummer besessen hatte, war Orange schuld, dass ich zum Handynutzer wurde.

Und das, obwohl Orange den Start seinerzeit verpatzt hat, wie der Tagesanzeiger am 30. Juni 1999 geurteilt hatte:

Zwar konnte in Zürich mit dem neuen Mobilfunkanbieter problemfrei telefoniert werden. Doch in der Region Aargau kämpften die Orange-Installateure mit technischen Problemen. In Turgi und Baden liess sich per Handy keine Verbindung zum Netz herstellen, und nach dem Gubristtunnel war Funkstille – dies obwohl Orange eine 90-Prozent-Abdeckung verspricht.

Man erinnert sich: „Mein Mobilfunkanbieter und ich – wir sind seit ewig zusammen“ weiterlesen

Zieht euch warm an, liebe Unternehmen im Fernmeldewesen!

Das ist die Woche der grossen Telekom-Abrechnung. Heute Teil eins: Meine Erfahrungen mit dem Internetprovider Init7, zu dem ich nach vielen Jahren mit der UPC gewechselt bin.

Beitragsbild: Eine Faser reicht mir schon völlig (Glasfaser/Fiber/Internet/DSL, grün und gebunden von Christoph Scholz, CC BY-SA 2.0).

Mittels Rechnung hat mich mein Internetprovider neulich daran erinnert, dass ich ein weiteres Jahr sein Kunde war. Es sind inzwischen drei – denn im Juli 2017 habe ich mich von meinem vorherigen Anbieter verabschiedet.

Ich habe obigen Tweet dazu verfasst, weil ich eine interessante Feststellung gemacht habe. Nämlich die, dass mein Gefühl beim Bezahlen einer Rechnung durchaus als Gradmesser für meine Zufriedenheit mit der korrespondierenden Dienstleistung taugt.

Und weil es auf den Tweet diverse Reaktionen gab, habe ich mich entschieden, mein Fazit nach drei Jahren Glasfaser noch etwas weiter auszuführen, als das in einem Tweet möglich ist. Die Quintessenz ist und bleibt ganz simpel und besteht aus zwei Sätzen: „Zieht euch warm an, liebe Unternehmen im Fernmeldewesen!“ weiterlesen