Youtube Music ist leider ein gewaltiger Rückschritt

Da Google Music demnächst aus dem Verkehr gezogen wird, habe ich in den sauren Apfel gebissen und meine Musik zu Youtube Music transferiert. Doch eine befriedigende Lösung ist das nicht.

Obwohl ich praktizierender Google-Skeptiker bin, gibt es ein paar Dienste, die ich gerne nutze. Zu denen gehört Google Music. Diesen Dienst fürs Musikstreaming habe ich seit 2013 im Einsatz.

Wie im Beitrag Wie die Musik am komfortabelsten strömt bin ich mich seinerzeit von  iTunes Match verabschiedet habe. Ich habe diesen Dienst zwar sehr geschätzt: Er ist dazu da, die lokale Musiksendung über diverse Geräte zu synchronisieren. Das funktioniert zwar ähnlich mit der iCloud-Mediathek. Aber iTunes Match hat den Vorteil, dass auch selbst gerippte Musik, die nicht aus dem Music Store stammt, berücksichtigt wird.

So praktisch das ist: Es kostete damals 35 Franken im Jahr, und das war mir zu teuer. Darum habe ich Google Music verwendet. Über ein Programm namens Music Manager hat man dort die lokal gespeicherten Musikstücke hochladen und via Browser oder App hören können.

Nun ist Google dabei, diesen Dienst einzustampfen. Die Terminierung erfolgt in mehreren Etappen und ist hier beschrieben. Erst verschwindet im September die Kaufmöglichkeit im Play Store. Ab Oktober gibt die Google Play Musik-App ihren Dienst auf. Wenn man sein Konto nicht transferiert, ist die Musik dann irgendwann weg.

Der designierte Nachfolger ist Youtube Music. Dieser Streamingdienst existiert seit 2015 und ist an Youtube angedockt, sowohl marketingmässig als auch organisatorisch. Das ist einerseits natürlich nachvollziehbar, weil Youtube auch im Musikbereich populär ist und vor allem für die jungen Nutzer vertrauter klingt als Google.

Andererseits ist es ein ziemliches Ärgernis. Denn wenn man sich die Unterschiede zwischen Google Music und Youtube Music ansieht, dann kommt man nicht umhin, eine deutliche Verschlechterung zu konstatieren.

Das «Google Watch Blog» hat vor Kurzem beschrieben, was sich durch den Wechsel verändert:

Google Music mit der Möglichkeit, Musik herunterzuladen und Metadaten zu bearbeiten.

Kein Download mehr. Die einmal hochgeladenen Songs lassen sich nicht mehr herunterladen. Damit fällt Youtube Music als Backup für die Musiksammlung flach. (Zur Erinnerung: Bei Google Music durfte man bis zu 100’000 Songs kostenlos hochladen.)

Die Music-Manager-App verschwindet. Die hatte die lokale Musiksammlung überwacht und neue Songs automatisch hochgeladen. Seine Songs muss man nun manuell hochladen. Das tut man, indem man Dateien aufs Browserfenster zieht, in dem music.youtube.com geöffnet ist.

In Youtube Music muss man zwischen dem Streaming-Katalog und dem Upload umschalten.

Das Streaming und die Uploads sind getrennt. Bei Google Music konnte man in Wiedergabelisten selbst hochgeladene Songs mit Titeln aus dem Streamingkatalog mischen. Das geht bei Youtube Music offenbar nicht mehr. In den Rubriken Alben, Musiktitel und  Künstler muss man über eine Dropdown-List zwischen Uploads und Youtube Music umschalten.

Metadaten sind nicht mehr bearbeitbar. Bei Google Music konnte man über den Befehl Details bearbeiten die beschreibenden Informationen zu einem Song editieren. Diese Möglichkeit gibt es bei Youtube Music, zumindest bis jetzt, nicht.

Eingeschränkter Zugriff auf die Uploads. Das ist eine Einschränkung, die ich selbst nicht ausprobiert habe. Doch gemäss «Google Watch Blog» kann man die selbst hochgeladenen Songs nicht über vernetzte Lautsprecher oder via Google Assistant aufrufen. Die gleiche Einschränkung gilt auch für Android Auto, die Wecker-App und Wear OS.

Mit anderen Worten: Youtube Music ist für meine Zwecke nicht mehr sonderlich attraktiv. Die zentrale Funktion, meine lokale Musiksammlung (die auf dem Mac liegt), auch via Cloud zur Verfügung zu haben, bleibt zwar erhalten. Aber die Nutzung ist sehr viel weniger attraktiv.

Weil Google Music dichdtmacht, muss man seine Mediathek übertragen – sonst ist Ende Jahr alles weg.

Ich habe mich erst einmal in mein Schicksal gefügt und meine alte Google-Mediathek zu Youtube transferiert.

Das tut man via music.youtube.com/transfer, und aus unerfindlichen Gründen dauert es Stunden. Es ist anzunehmen, dass nicht nur die Daten kopiert, sondern auch eine Konversion der Metadaten stattfindet.

Das ist nicht zu viel versprochen. Die Übertragung dauert tatsächlich ewig.

Auf längere Sicht werde ich mir aber etwas Neues überlegen. Naheliegend ist, auch für die Musiksammlung auf die Nextcloud zu setzen. Das ist eine Lösung, die auf meinen Raspberry Pi läuft und sich um meine Fotos und Dokumente kümmert. Es gibt hier eine Musik-App, die ich allerdings noch etwas genauer unter die Lupe nehmen muss. Die Erkenntnisse dazu wird es demnächst hier zu lesen geben.

Beitragsbild: Mit der Musik bei Google geht es in die falsche Richtung – abwärts (Elice Moore, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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