Zieht euch warm an, liebe Unternehmen im Fernmeldewesen!

Das ist die Woche der grossen Telekom-Abrechnung. Heute Teil eins: Meine Erfahrungen mit dem Internetprovider Init7, zu dem ich nach vielen Jahren mit der UPC gewechselt bin.

Beitragsbild: Eine Faser reicht mir schon völlig (Glasfaser/Fiber/Internet/DSL, grün und gebunden von Christoph Scholz, CC BY-SA 2.0).

Mittels Rechnung hat mich mein Internetprovider neulich daran erinnert, dass ich ein weiteres Jahr sein Kunde war. Es sind inzwischen drei – denn im Juli 2017 habe ich mich von meinem vorherigen Anbieter verabschiedet.

Ich habe obigen Tweet dazu verfasst, weil ich eine interessante Feststellung gemacht habe. Nämlich die, dass mein Gefühl beim Bezahlen einer Rechnung durchaus als Gradmesser für meine Zufriedenheit mit der korrespondierenden Dienstleistung taugt.

Und weil es auf den Tweet diverse Reaktionen gab, habe ich mich entschieden, mein Fazit nach drei Jahren Glasfaser noch etwas weiter auszuführen, als das in einem Tweet möglich ist. Die Quintessenz ist und bleibt ganz simpel und besteht aus zwei Sätzen:

Init7 liefert genau die erwartete Dienstleistung. Und Init7 nervt auch nicht.

Erstens: Die Dienstleistung

Der Internetzugang hat in den letzten drei Jahren tadellos funktioniert. Ich erinnere mich nur an einen Aussetzer, der für eine kurze Zeit den Netflix-Empfang lahmgelegt hat. Auf Twitter wurde er von @init7 durch eine DDOS-Attacke erklärt.

Länger andauernd und anfänglich auch deutlich spürbar waren die Probleme, die vor allem während des Corona-Lockdowns aufgetreten sind. So weit ich das überblicke, waren aber nicht die Leute schuld, die nun im Homeoffice gearbeitet oder den ganzen Tag lang Filme gestreamt haben.

Ursache war vielmehr der Knatsch zwischen Init7 und der UPC. Er wird in dieser Pressemeldung thematisiert und Watson.ch hat ihn in diesem Beitrag hier aufgegriffen. Ich habe nichts davon gelesen, dass das Problem aus der Welt geschafft worden wäre. Aber derzeit beeinträchtigt es meine Internetnutzung nicht wesentlich. Manche Websites sind nicht so gut erreichbar, wie man das erwarten dürfte – aber das passiert bei jedem Provider gelegentlich. Und es kann helfen, in solchen Fällen das VPN anzuwerfen.

Zweitens: Der fehlende Nervfaktor

Ein typisches Telekom-Unternehmen kann einem massiv auf den Wecker gehen. Es ist darauf aus, uns Nutzern immer noch ein bisschen mehr zu verkaufen, als wir eigentlich wollen. Das nennt sich neudeutsch Upselling.

Mein Mobilfunkanbieter Salt ist so ein Fall: Es vergeht kaum eine Woche, in der er mich nicht auf irgend eine Weise auf Glasfaser-Angebot aufmerksam macht – ob per SMS, mit Anrufen oder beim Besuch im Geschäft. Ich musste nämlich neulich meine SIM-Karte ersetzen lassen: Sie war so alt, dass sie nicht mehr funktioniert hat. Der Mitarbeiter hat den Austausch anstandslos und innert kürzester Zeit erledigt. Aber er konnte es nicht lassen, mir wegen des Salt-Fiber-Angebots ein Ohr abzukauen.

Und ja, beim zwanzigsten Mal verleiden einem derlei Überredungsversuche. Von Init7 habe ich kein einziges solches Angebot bekommen. Das Upselling ist bei diesem Provider allein deswegen kein Thema, weil es für Private nur ein einziges Glasfaser-Angebot gibt. Das ist besagtes Fiber7, um das es hier geht. Es gibt keine Zusatzangebote, keine Telefonie, kein Video on Demand, kein Sportpaket und kein Teleclub. Das Fernsehangebot TV7 war ursprünglich separat buchbar, doch es ist heute ins Angebot integriert.

Ich bin ein Fan solch schlanker Dienstleistungen. Es ist für uns Nutzer sinnvoller, wenn wir Extra-Services nach Bedarf separat buchen. Wir bekommen so zwar keine Rabatte, wie das bei diesen Telecom-Bundles üblicherweise der Fall ist. Aber wir bezahlen für nichts, was wir nicht benötigen. Die Dienste, die wir in diesem Haushalt nutzen, entsprechen genau dem, was wir brauchen:

Auch diese Kombination hat sich in den letzten drei Jahren bewährt. Nur etwas würde ich heute anders machen: Anstelle des damals gekauften Turris Omnia-Routers (siehe Der Nerd-Router) würde ich wahrscheinlich eine Fritzbox wählen: Die kann zwar (vermutlich) nicht ganz so viel, ist aber ziemlich sicher pflegeleichter.

Der fehlende Nervfaktor, da capo

Ich habe eingangs von der Rechnung geschrieben. Auch sie ist ein gutes Beispiel, weswegen Init7 nicht nervt: Ich bezahle einmal pro Jahr. Mein vorheriger Provider hat mir innerhalb eines Jahres 24 Rechnungen geschickt; jeden Monat zwei: Eine für den Hausanschluss und nochmals eine für die eigentliche Dienstleistung: Fernsehen, Internetzugang und Telefonie.

Klar, manche Kunden zahlen lieber monatlich. Und ich nehme an, dass viele Provider Monatsrechnungen stellen, weil die Leute eher ins Grübeln kommen, wenn sie sehen, welche Summe sich während eines Jahres zusammenläppert. Ausserdem kommen mit Monatsrechnungen auch Leute zum Zug, die sich wegen ihres angespannten Budgets einen Jahresbetrag aufs Mal gar nicht leisten könnten.

Und ja, die Meinungen gehen auseinander, ob es die Aufgabe eines gewinnorientierten Unternehmens ist, die Kunden vor überschweren finanziellen Bürden zu bewahren. Ich bin gewillt, die Verantwortung dafür selbst wahrzunehmen. Aber ich schätze es trotzdem sehr, wenn ich feststelle, dass sich ein Unternehmen um Transparenz bemüht.

Apropos Transparenz: Die stellt auch der Chef von Init7 gerne her. Man trifft ihn auch auf Twitter, wo er kein Blatt vor den Mund nimmt, auch und gerade nicht, wenn es um die Konkurrenz und sein eigenes Business geht. Und auch wenn ich längst nicht immer mit ihm einverstanden bin, so schätze ich es, dass er auch dort kein Blatt vor den Mund nimmt.


Und nochmals der Hinweis für Umstiegswillige

Init7 hat ein Empfehlungsprogramm, bei dem es 111 Franken Rabatt für beide gibt, wenn ein bestehender Kunde einen Neukunden wirbt. Mein Empfehlungscode ist 03348244875.

Fortsetzung folgt

Im zweiten Beitrag in dieser Kurzserie dopple ich mit einem Fazit zu mehr als zwanzig Jahren beim gleichen Mobilfunkanbieter nach: Mein Mobilfunkanbieter und ich – wir sind seit ewig zusammen.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

5 Gedanken zu „Zieht euch warm an, liebe Unternehmen im Fernmeldewesen!“

  1. Danke Dir für den ausführlichen Bericht. Der hat mich nun doch auch gleich ins Grübbeln gebracht 🙂

    Leider hat der böse Provider mit den 3 Buchstaben bei meinem jetzigen Wohnsitz anscheinend die Hoheit, denn der Check von fiber7 besagt: „Kein Glasfasernetz vorhanden“. Bin ich aber bei UPC mit Glasfaser unterwegs… Schade!

    Naja, da eh ein Wohnsitzwechsel in Aussicht ist werd ich dann deinen Code oben nutzen – dauert halt nur noch ein Moment aber Dir mag ich das Gönnen dann 🙂

    Danke für den tollen Bericht!

    1. @raphaelfrey

      UPC hat kein Glasfaser-Angebot, ausser in ganz wenigen Ortschaften, wo sie das Glasfasernetz nutzen (zum Beispiel Wallisellen oder Visp). In diesen Fällen ist auch ein Angebot von Init7 verfügbar.

      UPC erweckt zwar den Eindruck, dass es sich um ein Glasfasernetz handelt. Doch UPC setzt wie alle anderen Provider auch im Backbone Glasfaser ein. Im Unterschied zu vielen anderen Providern ist die Verbindung ins Haus jedoch über ein altes Koax-Kabel erschlossen, dass ist nicht Glasfaser. 2 Nachteile der Technologie: Wenn zu viele Leute an einem Ort (genauer gesagt in einer Zelle, das kann auch ein Quartier sein oder ein Teil eines Quertiers) im Internet surfen, nimmt die Geschwindigkeit rapide ab. Und UPC kann keine symmetrischen Bandbreiten anbieten.

      Mehr Infos zu den Technologien gibt es unter https://www.moneyland.ch/de/internet-zu-hause-technologien-schweiz

  2. Habe auch so meine Erfahrungen mit UPC (2007-2011) & Swisscom (2011-2016), die ich beide doch eher als Dilettanten bezeichnen möchte.
    Seitdem bin ich überaus zufrieden mit Fiber7 unterwegs – ach einmal in den knapp 4 Jahren gab es einen ungeplanten Ausfall für 2h am Knoten Wiedikon, aber es wurde excellent kommuniziert und blitzschnell behoben. Und ich bin bisher ganz hervorragend mit der Netgear-Fraktion gefahren: Zuerst ein R7000 und unterdessen ein RAX80.
    Merci & weiter so!

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