Schabernack, Unfug und Augenöffnen mit Diagrammen

Ich habe einen neuen Lieblings-Zeitvertreib: Die teils albernen, teils genialen satirischen Diagramme von «Shitposts That Look Like Science Diagrams».

Ich habe den Vorsatz gefasst, weniger Zeit auf Facebook zu verbringen. Der wurde mir aber gründlich verhagelt. Ich habe nämlich die Seite Shitposts That Look Like Science Diagrams entdeckt.

Das ist eine Gruppe mit gut 138’000 Mitgliedern, die parodistischen Ulk mithilfe von Infografiken betreibt: Die Beiträge sollen ein Diagramm, ein Schaubild oder eine grafische Darstellung enthalten – oder zumindest ein Element, das auf den ersten Blick so aussieht, aber auf den zweiten Blick etwas anderes ist. Nämlich irgend ein Schabernack bzw. eine Verballhornung.

Zum Beispiel diese Anleitung, wie man sich (nicht) vor Angriffen von Gänsen schützt. Oder diese Bilder, die das deutsche Reich und das Vereinigte Königreich als Film-Franchise darstellen.

Sehr lachen musste ich auch bei dieser Nsfw-Grafik, die aus einem Medizinlexikon der 1950er-Jahre stammen könnte, wenn es damals schon Screenshots gegeben hätte.

Nebst den Illustrationen, wie sie aus Lexika, Schul- und Lehrbüchern stammen könnten, gibt es Flussdiagramme. Hier eines, das erklärt, wie man herausfindet, ob man ein Pferd ist oder nicht.

Die beliebteste Diagramm-Art sind, soweit ich das beurteilen kann, jedoch die Venn-Diagramme. In Deutsch heissen die Mengendiagramme, und sie zeigen Überschneidungs- und Ausschlusskriterien. Da gibt es sehr schöne Beispiele: die Variante, die Philosophieprofessoren, Vierjährige und die Backstreet Boys in einen Topf wirft. Oder diese hier, die römische Imperatoren und Deomarken in Einklang bringt.

Oder diese Variante, die auf den ersten Blick verwirrlich und auf den zweiten Blick dystopisch ist und 1984, Animal Farm, Fahrenheit 451, Logan’s Run, Brazil, The Matrix, A Handmaid’s tale, Brave New World, Gattaca, Clockwork Orange, Lord of the Flies und Soylent Green in einen Topf wirft und mit unserer Gegenwart in Verbindung bringt.

Naheliegend sind auch Karten und geografische Darstellungen, wie zum Beispiel diese einleuchtende Spekulation, bei der die Vereinigten Staaten von Kanada, minus Jesusland, eine neue und zukunftstaugliche Supermacht auf dem nordamerikanischen Kontinent bilden.

Das erinnert erinnert an die Terrible Maps, die ich im Beitrag Kartografischer Klamauk mit Kult-Potenzial besprochen und noch immer grossartig finde. Und es zeigt eines auf: Die Visualisierungen von Informationen und Daten sind in unserem Alltag angekommen: Sie sind so vielfältig und häufig auch so eindrücklich, dass man sie hervorragend parodieren kann. Die «Shitposts That Look Like Science Diagrams» jedenfalls sind meistens amüsant, gelegentlich politisch, recht häufig bloss albern und manchmal Augen-öffnend.

Ein Beispiel dafür ist die Grafik, die mich überhaupt auf «Shitposts…» aufmerksam gemacht hat. Sie zeigt, wie heutige Tiere aussehen würden, wenn man sie wie die Dinosaurier, anhand ihrer Skelette zeichnen würde. Erstens sehen Schwan, Nilpferd, Pavian, Elefant, Zebra und Rhinozeros sehr dinosaurierhaft aus. Und zweitens drängt sich die Erkenntnis auf, dass Dinosaurier ganz anders aussahen, als wir es uns heute vorstellen.

Zugegeben – das ist gar kein «Shitpost», sondern echte Aufklärung. Aber wenn es den Facebook-Nutzern hilft, ihren Horizont zu erweitern, kann man getrost über diesen Widerspruch hinwegsehen.

Wie üblich finde ich schade, dass diese schöne Sammlung bei Facebook lebt und nicht auf einer eigenen Website im Netz. Denn Facebook ist so ein Datenmonster, dass die Informationen nach wenigen Tagen kaum mehr vernünftig zugänglich und auffindbar sind. Ausserdem ist Facebook eben Facebook – und viele von uns, ich eingeschlossen, würden dort lieber weniger als mehr Zeit verbringen…

Beitragsbild: Wortwörtliches Balkendiagramm, das die Länge der Hölzchen visualisiert (Volodymyr Hryshchenko, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Schabernack, Unfug und Augenöffnen mit Diagrammen“

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