Was taugt die Apple Watch für die Offline-Nutzung?

Ich habe ausprobiert, wie man Musik, Hörbücher und Podcasts auf die Apple Watch bekommt, um sie unterwegs offline zu hören – und bin mässig begeistert.

Eine der nützlichsten Eigenschaften von Wearables besteht darin, dass man seine Abhängigkeit vom Smartphone verringert. Und ja, mir ist klar, dass ein philosophisch angehauchter Kulturpessimist an dieser Stelle zu einer Tirade ausholen und uns erklären würde, dass wir lediglich den Teufel durch den Beelzebub austreiben, wenn wir ein Gerät durch ein anderes ersetzt. Und er würde uns erklären, dass wir von diesen Geräten kontrolliert werden und nicht umgekehrt, wie wir alle meinen.

Aber ehrlich gesagt, finde ich derlei Analysen langweilig – und letztlich auch ziemlich bemüht. Natürlich hat jedes Ding auch seine negativen Seiten. Aber mir scheint völlig unbestreitbar, dass die positiven Aspekte bei Smartphone und Co. überwiegen.

Also, zum eigentlichen Thema dieses Blogposts: Wie nutzt man die Apple Watch für Podcasts, Hörbücher und Musik, wenn man Sport betreiben möchte, ohne das Smartphone mitzuschleppen? Um das Smartphone mitzunehmen, gibt es zwar Möglichkeiten. Aber je nach Sportart ist das unpraktisch bis unmöglich.

An dieser Stelle noch der kurze Hinweis, dass man auch mit anderen smarten Uhren Inhalte mit sich führen kann. Garmin beherrscht das bei den neuen Modellen auch. Meine Fenix ist aber leider zu alt, damit ich diese Funktion ausprobieren könnte.

Hörbücher mit Audible

Das Auswählen der Titel bei Audible ist simpel. Doch die Übertragung dauert ewig.

Um Inhalte von Audible auf die Uhr zu bringen, verwendet man die iPhone-App. Dort tippt man bei einem Hörbuch auf das Menüsymbol am rechten Rand und wählt aus dem Menü den Befehl Mit Apple Watch synchronisieren.

Bei meinem Test passiert erst einmal nichts. Bei einem zweiten Versuch merke ich, dass ich den Hinweis überlesen habe, die Apple Watch müsse für die Synchronisierung auf die Lademuschel gelegt werden. (Das steht auch in der Hilfe so.)

Der Vorgang geht dann aber kaum vom Fleck. Nach längerer Zeit steckt der Vorgang bei drei Prozent fest und die Uhr sagt, es gehe noch ungefähr 400 Minuten. Zugegeben, ich habe es mit einem langen Hörbuch versucht (The Ballad of Songbird and Snake von Suzanne Collins; gut 16 Stunden). Aber sieben Stunden? Das erinnert an die alten Zeiten, in denen nie vergessen durfte, die neuesten Podcasts auf den iPod zu synchronisieren, bevor man aus dem Haus gegangen ist.

Bei 16 Prozent ist die verbleibende Zeit auf 86 Minuten gesunken. Trotzdem ist mir das viel zu lange, sodass ich den Versuch abbreche. Wahrscheinlich wäre es schlauer, wenn die Uhr das Hörbuch von Audible holen würde, statt vom Smartphone.

Podcasts mit Pocket Casts

Das Podcast-Hören mit Pocket Casts ist einfach – wenn man ein Plus-Abo hat.

Der Podcatcher meiner Wahl ist nach wie vor Pocket Casts. Zu dem gehört eine App für die Uhr, mit der man die Wiedergabe steuert, auch wenn man die Podcasts ab Smartphone hört.

In der Watch-App bei Play Source (auf der Startseite) findet sich die Option Watch, über die Podcasts auf die Uhr wandern. Leider benötigt man dafür das Plus-Abo.

Mit dem erhält man Zugriff auf die Desktop-Apps für Windows und Mac, 10 GB Cloudspeicher, über den man eigene Inhalte in die App hineinbekommt, sowie Themes und alternative Icons für die Smartphone-App. Und eben, Zugriff auf die Möglichkeit, Podcasts über die App zu hören. Dafür bezahlt man entweder 1,07 US-Dollar im Monat oder aber 10.76 Dollar im Jahr. Das ist nicht übermässig viel – aber für meine Zwecke auch nicht wenig, zumal ich weder die Desktop-App noch den Cloudspeicher benötige. Mir wäre lieber, ich könnte einfach für drei oder fünf Dollar die Watch-App kaufen.

Musik-App und Apple Music

Die Watch-App synchronisiert auch Hörbücher – aber man muss herausfinden, wie man seine Titel hier hineinbekommt.

An dieser Stelle fällt mir auf, dass es keinen einheitlichen Weg gibt, wie man seine Inhalte auf die Uhr bringt. Bei Audible setzt man bei der App auf dem iPhone an. Bei Pocket Casts kann man die Inhalte direkt an der Uhr auswählen.

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Die eröffnet sich in Form der Watch-App am iPhone: Die verwendet man, wenn man Inhalte aus der Musik-App und Apple Music auf die Uhr bringen will. Über die Punkte Hörbücher, Musik und Podcasts verwaltet man die Inhalte.

Bei der Musik wird die Liste Häufig gehört standardmässig synchronisiert. Via Musik hinzufügen ergänzt man Wiedergabelisten, Künstler, Alben, Genres, Komponisten oder die geladene Musik. So einleuchtend und so praktisch.

Allerdings findet die Übertragung nicht sofort statt. Stattdessen heisst es, die Musik werde geladen, wenn die Uhr am Stromnetz angeschlossen und in der Nähe des Telefons sei. Das mag eine sinnvolle Massnahme sein, die verhindert, dass der Akku der Uhr über Gebühr beansprucht wird. Aber der kleine Hinweis wird bestimmt häufig überlesen – sodass unterwegs die Playlist eben doch nicht dabei ist.

Bei Hörbücher tauchen in meinem Fall sechs Titel auf, die ich vor Urzeiten gekauft und gehört habe. Mir war anfänglich beim besten Willen nicht klar, woher die stammen. Erst dachte ich, ich hätte sie vielleicht im iTunes Store gekauft. Aber beim kurzen Probehören im einen oder anderen Titel wird mir «viel Spass mit Audible» gewünscht.

In der Audible-Hilfe wird erläutert, dass man Audible-Titel auch mit der iBooks-App hören kann. Dazu überträgt man die Hörbücher mit iTunes (bzw. bei Catalina mit dem Finder). Das muss ich seinerzeit getan haben – die Erinnerung daran ist mir aber erst nach angestrengtem Nachdenken wieder gekommen. Denn seit Jahren verwende ich die Audible-App. Jedenfalls taucht ein probehalber ausgewähltes Hörbuch umgehend auf der Uhr auf.

Die vielen selbst gerippten Hörbücher in meiner Mediathek sind in der App leider nicht ersichtlich  und stehen für die Uhr nicht zur Verfügung. Es bleibt also herauszufinden, wie man normale Audiodateien am einfachsten auf die Uhr bekommt.

Spotify

So weit ich sehe, steht Spotify fürs Offline-Hören via Uhr bislang nicht zur Verfügung. Schade!

Fazit

Für meinen Geschmack ist das alles noch ein bisschen zu umständlich und in der Nutzung zu uneinheitlich. Folgende Kritikpunkte bleiben:

Es ist schade, dass man die Vorgehensweise für jede App einzeln in Erfahrung bringen muss. Warum keine Sync-App (bzw. eine zwingende Integration in die Watch-App fürs iPhone), über die man die Inhalte auswählt, die dann in einem Rutsch auf die Uhr verfrachtet werden? Ja, genauso, wie man es früher mit iTunes und dem iPhone gemacht hat.

Bedauerlich auch, dass manche Inhalte aus der Cloud-Mediathek nicht auf die Uhr transferierbar sind. Auch da wäre es nett, wenn man die einfach auswählen und rüberschieben könnte  – egal, ob es nun ein Musikalbum, ein Podcast oder ein Hörbuch ist.

Der Synchronisationsvorgang dauert zu lange, als dass man ihn spontan in Gang setzen könnte, bevor man aus dem Haus geht. Man muss rechtzeitig daran denken: Am besten am Abend zuvor, sodass die Synchronisation über Nacht stattfinden kann.

Beitragsbild: Und dazu ein Hörbuch? (Christine Sandu, Unsplash-Lizenz)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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