Facebook und die Kunst

Nebst der Frage, ob Mark Zuckerberg etwas von Kunst versteht, geht es hier darum, ein bisschen auf Facebook herumzuhacken und abschliessend auf Yarn hinzuweisen.

Animierte GIFs sind kein Teil der menschlichen Hochkultur. Das sieht man allein an der Tatsache, dass Mohammed bin Salman seine 450 Millionen US-Dollar für Leonardo da Vincis Bild Salvator mundi ausgegeben hat – und nicht für Giphy. Das ist jene Plattform, die für 50 Millionen weniger nicht nur ein Kunstwerk, sondern Hunderttausende von GIFs zu bieten gehabt hätte. Aber das kann einen echten Kenner nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Weswegen Mark Zuckerberg den Zuschlag bekommen hat und Giphy für 400 Millionen Dollar erwerben durfte.

Wobei es nun ungerecht wäre, Mark Zuckerberg einen Sinn für Kunst abzusprechen – selbst wenn seine Plattform derjenige Ort ist, wo der gute Geschmack sterben geht. (Wenn man zynischen Leuten wie mir glauben darf.) Denn Mark Zuckerberg bzw. sein  erlaubt es jungen Künstlern, die Bilder in den Facebook-Büros mit ihren Werken zu versehen. Aus Steven Levys Buch weiss man, dass sich auch ein Künstler namens David Choe verwirklichen durfte:

Choe produced a sprawling mural with grotesque and profane images that metastasized all through the office. It was if Playboy had commissioned Hieronymus Bosch o tag a subway car.

Eine meiner Lieblingsstellen im Buch. So schön, dass ich sie gerne auf Deutsch übersetze: «Choe fabrizierte ein ausladendes Wandbild mit grotesken und vulgären Bildern, das durchs ganze Büro metastasierte. Es war, als ob der Playboy Hieronymus Bosch beauftragt hätte, einen U-Bahn-Wagen mit Graffitis zu verschönern.»

Ich habe natürlich nach Bildern gegoogelt, die Aufschluss darüber hätten geben können, wie genau man sich diese Abscheulichkeiten vorstellen muss. Ein bisschen etwas sieht und liest man bei «Wired» und bei «The Independent». Aber ich fürchte, um einen wirklichen Eindruck zu bekommen, müsste man sich das vor Ort ansehen. Genau wie bei Leonardo da Vinci auch.

Das gilt auch für das ominöse Facebook Analog Research Laboratory, das Zuckerberg hier beschreibt:

Ich war immer der Meinung, dass sich unsere Büros wie ein im Entstehen befindliches Werk anfühlen sollten, genau wie unsere Produkte und die Gemeinschaft, die wir aufbauen. Wenn Sie unseren Campus betreten, sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie die Welt um sich herum gestalten können. Aus diesem laden wir lokale Künstler ein, seit wir unser erstes Büro bezogen haben. Die Künstler bemalen die Wände bemalen, um die Kreativität freizusetzen.

Das klingt für mich so, als ob die Kunst vor allem Mittel zum Zweck ist und nicht etwa nur für sich selbst stehen darf. Und was sie offenbar auf gar keinen Fall tun sollte, ist, Selbstreflexionen heraufzubeschwören oder sogar Zweifel an Facebooks Mission zu wecken. Dabei ist es doch das, was Kunst tun darf und tun muss.

Aber wie gesagt: Die animierten GIFs passen ganz gut zu Facebook. Schliesslich ist es eine Eigenheit dieser Kürzestfilmchen, dass sie nur ein paar Sekunden durch sind und der Nutzer weiterklicken kann. Denn von Posting zu Posting zu hecheln, ist schliesslich der höhere Sinn bei sozialen Medien.

Egal – eigentlich wollte ich nur die Gelegenheit nutzen, ein bisschen auf Facebook herumzuhacken, um dann abschliessend noch auf Yarn hinzuweisen. Dort gibt es ebenfalls eine Sammlung an GIFs. Die stammen aus Filmen und Serien, und der Clou ist, dass man nach Zitaten suchen kann.

Im «Bits und so»-Podcast haben sie das so erklärt, dass die Filme dafür in ganz kurze Segmente zerlegt und die Untertitel ausgewertet werden. Das ist eine einleuchtende, wenngleich aus Sicht des Urheberrechts etwas problematische Methode. Allerdings ist sie perfekt fürs Zitieren. Und Zitate sind bekanntlich ausdrücklich erlaubt.

Also: Auf Yarn kann man nicht Stichworten oder Sätzen suchen. Und wenn diese Worte in einem Film gefallen sind und das entsprechende GIF es auch auf die Plattform geschafft hat, dann kann man sie seinen Social-Media-Freunden sogleich um die Ohren hauen.

Es gibt das gleiche Prinzip auch nur für die Simpsons. Bei frinkiac.com finden sich annähernd drei Millionen Schnipsel für jede Gelegenheit.

Übrigens: Unter diesen drei Millionen Standbildern gibt es genau eines, das mit der Schweiz zu tun hat. Aus «Treehouse of Horror VII» aus der achten Staffel bei Minute 6:25:

Beitragsbild: Hier kommt bestimmt etwas Nettes heraus (Tatiana Syrikova, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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