Ist Flash jetzt endlich tot?

Es ist wie ein Flashback in die alte, nicht so ganz gute Zeit, wenn sich aus heiterem Himmel der Flash-Updater meldet. Doch das Ende ist nah!

Neulich hat mich mein Computer wieder einmal mit einer Meldung belästigt, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte: Es stehe eine neue Version von Adobe Flash bereit, die ich doch bitte installieren solle. Und ich habe mich gefragt: Wann ist das Ding endlich tot?

Adobe schreibt, man werde Flash noch während des ganzen Jahres 2020 pflegen. Daraus schliesst Microsoft hier knallhart, das Ende sei am 31. Dezember 2020 gekommen. Die Browser führen die Inhalte aber nur noch auf expliziten Wunsch hin aus: Click to play heisst diese Funktion, über die ich mich im Beitrag Unausgereifte Schutzfunktion seinerzeit ausführlich ausgelassen habe.

Auch wenn wir uns für die Beerdigung noch etwas gedulden müssen, lässt sich eines feststellen: Man kommt heute ohne Flash gut über die Runden, beziehungsweise durchs Netz. Es ist daher nicht verkehrt, allein aus Sicherheitsgründen, Flash zu deinstallieren.

Um den Flash-Player zu entfernen, stellt Adobe ein Deinstallationsprogramm bereit. Die Anwendung dieses Programms ist einfach: Nach dem Herunterladen schliesst man alle Browser und andere Programme, in denen der Flash-Player geöffnet sein könnte, und führt das Programm an.

Den alten Zopf abschneiden.

Es gibt auch eine Anleitung von Adobe, wobei wobei man sich bei der darüber wundern darf, dass die Screenshots offensichtlich noch aus Windows-XP-Zeiten stammen. Die Version des Uninstallers entspricht aber der aktuellen Version von Flash (32.0.0.363), sodass ich davon ausgehe, dass er auf dem aktuellsten Stand der Dinge ist.

Leider ist das nicht alles. Wie Windows-Experte Günter Born hier ausführt, gibt es eine in Windows 10 integrierte Version des Flash-Players. Wie man die los wird, beschreibt ein Typ namens Woody hier. Es kann aber sein, dass diese Komponente durch Updates reaktiviert wird. Ich würde mir diese Mühe darum sparen, und stattdessen Flash im Edge-Browser abschalten. Dazu klickt man auf das Dreipunkt-Menü in der rechten oberen Ecke, wählt am Ende des Menüs Einstellungen, klickt auf den Knopf Erweiterte Einstellungen und stellt bei Adobe Flash Player verwenden den Schalter auf Aus.

Beim Mac ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass kein Flash-Player vorhanden ist. Apple hat nämlich schon 2010 aufgehört, ihn mit seinem Betriebssystem auszuliefern. Falls er manuell installiert wurde, wird man ihn gemäss dieser Anleitung wieder los.

Stellt sich die Frage: Kann man die Gelegenheit nutzen und auch Java ebenfalls in die Software-Wüste schicken?

Ich finde, man kann. Es gibt von Oracle für diesen Zweck das Java-Deinstallations-Tool. Man kann die Deinstallation auch auf herkömmlichem Weg vornehmen. Dazu öffnet man in der Einstellungen-App System > Apps & Features, wählt Java (oder auch Flash) aus und klickt auf Deinstallieren. Die Anleitung von Oracle für Windows gibt es hier, die Variante für den Mac unter diesem Link.

Man führt die Deinstallation am Mac am einfachsten via Terminal über die folgenden Befehle aus:

sudo rm -fr /Library/Internet\ Plug-Ins/JavaAppletPlugin.plugin
sudo rm -fr /Library/PreferencePanes/JavaControlPanel.prefPane
sudo rm -fr ~/Library/Application\ Support/Oracle/Java

Auf Nimmerwiedersehen, könnte man an der Stelle sagen. Doch es bleibt ein Wermutstropfen. Ich habe es 2017 im Artikel Ausgeflasht beim Publisher so formuliert:

«Es gibt auch Grund zur Trauer: All die kreativen Flash-Entwickler und -Programmierer, die die Technologie ihren Mängeln zum Trotz sinnvoll und kreativ eingesetzt haben, müssen feststellen, dass ihr Know-how schon jetzt nichts mehr wert und spätestens 2020 völlig obsolet sein wird. Und die Zehntausenden von liebevoll gestalteten Flash-Anwendungen – vom Game über interaktive Bücher bis hin zu Lern-Programmen – gehören auch zum alten Eisen und werden in ein paar Jahren nur schwer oder überhaupt nicht mehr zugänglich sein.

Das ist eine bittere Lehre für die Erzeuger von digitalen Inhalten: Wenn man auf das falsche Pferd setzt – und selbst wenn dieses Pferd Marktführer ist – dann haben die Werke eine viel kürzere Halbwertszeit als ein Buch, ein Magazin, ein Dia oder ein Film auf Zelluloid.»

Wer selbst Flash-Anwendungen programmiert hat, tut jedenfalls gut daran, eine virtuelle Maschine mit einem älteren Betriebssystem und dem passenden Browser und Flash-Player in Betrieb zu halten, damit diese Werke für die Nachwelt nicht komplett verloren sind.

Beitragsbild: Das Feuerwerk ist vorbei (Eric Han/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Ist Flash jetzt endlich tot?“

  1. Es kann hilfreich sein, einen Browser (Portable Firefox oder so) mit Flash und Java bereitzuhalten. Sonst kann es passieren, dass man sich nach Jahren wieder auf seiner Firewall oder seinem Switch einloggt und mit „you need Flash“ (ZyWALL) oder „you need Java“ (HP Switch) begrüsst wird. Ja, früher war es mal so, dass das „Web“-Interface von solchen Geräten ein seitenfüllendes Flash- oder Java-Applet war. Es war also früher nicht alles besser. 😀

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