Du wirst nicht glauben, was passiert, wenn eine KI Titel für dieses Blog hier schreibt!

Was kommt heraus, wenn Keywee.co eine saftige Werbebotschaft für meinen Blogpost schreiben soll?

Dieses Blog hier hat viele Schwächen. Eine davon sind die Überschriften. Die sind oft viel zu kryptisch. Sie sollen originell sein und sind einfach nur schwer verständlich. Und manchmal schlicht irreführend. Was ich brauche, ist ein Copywriter oder besser einen Copyeditor. Das erste ist in Deutsch ein Werbetexter, das zweite im weitesten Sinn ein Lektor.

Dumm nur, dass das Geld kostet. Da kommt es mir gelegen, dass neuerdings offenbar auch künstliche Intelligenzen diese Funktion übernehmen können. Auf keywee.co wird genau das versprochen: Powerful copy, written by AI. Tolle Überschriften, von der KI geschrieben. Es gibt sogar eine Browser-Erweiterung, allerdings nur für Google Chrome. Doch wenn ich meine Titel nicht mehr selbst schreiben müsste, würde ich sogar ab und zu Chrome aufstarten.

Nach der Installation erscheint der Keywee automatisch in Textfeldern. Anscheinend aber nicht in beliebigen Textfeldern, sondern nur in einigen, zum Beispiel bei Facebook. Aber woher weiss die künstliche Intelligenz dann, was sie betexten soll?

Ich probiere es daher auf der Website und lege ein Projekt an. Ich wähle einen Beitrag aus meinem Blog mit einem besonders schlechten Titel (Omfg zu meinem Zwanzig-Jahre-Jubiläum beim Tagesanzeiger) und jage den Beitrag durch Deepl.com durch – denn Deutsch versteht dieser AI-Schreiberling bislang nicht. Den Text gebe ich bei Product Brief ein, der Produktbeschreibung. Da diese nur 150 Worte lang sein darf, kürze ich den Beitrag auf zwei Absätze ein.

Der Projektbeschrieb – das wäre selbst für einen menschlichen Lektor etwas wenig «Futter».

Dann lasse ich den Lektor arbeiten. Und erhalte: Nichts.

Offensichtlich kann die künstliche nichts mit solchen Texten anfangen.

Also, ein produktlastigeres Beispiel. Wie wäre es mit Ein Lektor direkt im Browser? Hier geht es um eine Browser-Erweiterung, die Texte korrigiert und Synonyme vorschlägt. Der Einfachheit halber nehme ich als Beschreibung den Text, mit dem der Hersteller seine Erweiterung beschreibt.

Auch da passiert nichts. Hm, vielleicht erscheinen die Textvorschläge nur auf Drittseiten, zum Beispiel bei besagtem Facebook. Ich probiere es aus und schreibe «Language tool helps me to write flawlessly.» («Language tool hilft mir, fehlerfrei zu schreiben.») Dann drücke ich die Tabulator-Taste, weil das Vorschläge zum Vorschein bringt.

Und tatsächlich, es funktioniert. «I am using Firefox Quantum», ist der erste Vorschlag («Ich benutze Firefox Quantum»). Naja. Nächster Versuch.

Hm.

Meine Vorgabe: «No typos anymore anywhere!» («Keine Tippfehler, nirgendwo.») Tabulator. Keywee empfiehlt: «Check out our list of all the languages.» («Sehen Sie sich unsere Liste aller Sprachen an.») Nicht ganz so schlecht wie vorher, aber auch nicht brillant.

Ich wage meinen letzten Versuch mit «Let’s focus on style, not on grammar.» («Wir sollten uns auf den Stil konzentrieren, nicht auf die Grammatik.») Keywee ergänzt: «Check out our list of best.» («Sehen Sie sich unsere Bestenliste an.»)

Ein Emoji? Wer wäre auf diese geniale Idee gekommen?!

Nachdem ich begriffen habe, wie es funktioniert, gehe ich zurück zu meinem ersten Projekt, dem Artikel zu meinem Zwanzig-Jahre-Jubiläum. Ich tippe «What I learned in the last twenty years.» («Was ich in den letzten zwanzig Jahren gelernt habe») Der Vorschlag des KI-Lektors: «😊»

Das Fazit: Ernüchternd. Das Emoji ist nicht verkehrt. Aber darauf wäre jeder Analphabet gekommen, der schon einmal über die virtuelle Smiley-Tastatur seines Smartphones gestolpert ist.

Aber etwas anderes war auch nicht zu erwarten: Die künstliche Intelligenz ist ein fleissiger Helfer, der mit grossen Datenmengen umzugehen weiss. Er ist willig, sich trainieren zu lassen. Aber er ist weder originell noch kreativ – und selbst wenn man von Werbetextern eine nicht allzu hohe Meinung hat, muss man ihnen einen gewissen Einfallsreichtum unterstellen.

Darum bleibt es dabei: Sämtliche Leistungen und Fehlleistungen in diesem Blog, nicht nur was die Überschriften angeht, sind ganz allein mein nicht-künstliches Verdienst…

Beitragsbild: Der Slogan stammt wahrscheinlich auch von Keywee (Artem Beliaikin, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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