Immer Ärger mit Soundaufnahmen bei Windows

Wieder einmal eines dieser Themen, das ausser mich niemanden interessiert: Die Wahl der Audio-Schnittstelle bei Windows.

Bei jeder meiner Voiceover-Aufnahmen für ein Patentrezept-Video habe ich mit einem lästigen Problem herumgeschlagen. Der Pegel aus meinem Mischpult kam leise oder viel zu leise in meinem Aufnahmeprogramm an. Der Grund war mir nicht klar – ebenso wenig, warum der Pegel so wenig konstant war.

Nun habe ich kürzlich die Ursache entdeckt. Ich nehme an, ich wäre schon früher draufgestossen, hätte ich nicht eine uralte Version von Audacity verwendet (ja, ich verwende tatsächlich dieses Programm, mit dem verwegene Kerle ihr Audio schneiden). Vielleicht hat auch ein Windows-Update weitergeholfen. Aber jedenfalls ist die Sache nun so viel einfacher, dass ich die Lösung hier für die Nachwelt festhalten will – und für mich selbst, weil mir solche Dinge gelegentlich auch wieder entfallen.

Also, es ist so:

Ein heisser Tipp: Hier nicht die Voreinstellung stehen lassen.

Es gibt bei Audacity in der Geräte-Werkzeugleiste einen Eintrag namens Audiohost. In der Hilfe wird dieses Ding mit den Worten «the interface between Audacity and the sound device» umschrieben. Ich würde das Audio-Schnittstelle des Betriebssystems nennen. Jedenfalls gibt es drei Einstellungsmöglichkeiten: MME, Windows DirectSound und Windows WASAPI.

  • MME ist ein echt antikes Teil: Das Kürzel steht für «Multimedia Extensions» und wurde vor 28 Jahren, im Herbst 1991 ins Betriebssystem eingebaut. Und das Betriebssystem damals war Windows 3.0.
  • DirectSound ist nicht viel frischer. Die Schnittstelle stammt aus dem Jahr 1995 und Windows 95. Wikipedia nennt es zwar eine «reife Schnittstelle» – aber so ganz ist sie auch nicht auf der Höhe der Zeit.
  • Bleibt WASAPI: Das ist die moderne Schnittstelle, die von 2007 stammt und hier ausführlich beschrieben ist

Audacity arbeitet standardmässig mit der ältesten Variante, MME. Ich nehme an, dass es nachvollziehbare Gründe gibt – mutmasslich die beste Kompatibilität zu allen möglichen und unmöglichen Audio-Geräten. Dennoch wäre es eventuell sinnvoll, den Nutzer irgendwie darauf hinzuweisen, dass er es mit den beiden neueren Protokollen probieren soll.

Man kann sich auch fragen, ob Microsoft diesen alten Kram nicht einfach ausbauen sollte: Das würde womöglich die Kompatibilität zu sehr alten Programmen oder Geräten brechen. Aber gibt es wirklich Leute, die noch auf Arbeitsmittel angewiesen sind, die auf bald dreissig Jahre alte Schnittstellen angewiesen sind? Man muss alte Zöpfe nicht so radikal abschneiden, wie Apple es tut. Aber man muss auch nicht zum digitalen Denkmalpfleger werden.

Ich habe es also mit DirectSound und WASAPI probiert – und die Feststellung gemacht, dass erstens mein Pegel-Problem sofort gelöst war. Zweitens wurde die Auswahl an Audiogeräten grösser: MME und DirectSound stellen nur die physischen Anschlüsse (den Audio-Eingang an der Soundkarte und das Mikrofon der USB-Webcam), plus den Microsoft Soundmapper zur Verfügung. Drittens soll auch die Latenz am besten sein. Aber das ist mir im Grunde egal, weil ich das Master-Signal über den analogen Ausgang des Mischpults anhöre, wenn ich zum Beispiel Gespräche via Skyp

Bei WASAPI taucht auch das Mikrofon meines Bluetooth-Kopfhörers auf, und ich kann die mit Virtual Audio Cable (siehe Perfektionistisches aus der Audioecke) erzeugten virtuellen Verkabelungen verwenden.

Fazit: Ja, ich weiss, das gehört in die Kategorie der Probleme, die normale Leute nicht haben. Und wenn man nicht als blutiger Amateur an die Sache herangehen würde, dann hätte man bei der Ausbildung zum staatlich diplomierten Toningenieur in der Lektion eins von diesem Problem gehört. Aber gut, jetzt weiss ich es – und ihr wisst es auch.

Beitragsbild: Zugegeben: Nicht mein Studio (David Bartus, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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