Das Corona-Virus lähmt die Tech-Branche

Der Rückblick von Woche 10: Das Corona-Virus lähmt die Tech-Branche, #UnhateWomen, Wie viel Strom brauchen all diese Geräte?, Schleichwerbung, Twitter-Infiltration und aufpolierte Uralt-Filme

Der Startzeitpunkt für meinen wöchentlichen Wochenrückblick war im Nachhinein unglücklich gewählt. Aber wer hätte Mitte Februar ahnen können, dass dieses Virus bald die Nachrichten beherrschen und den selbst den Fluss der Neuigkeiten aus der Tech-Welt behindern sollte. Doch das ist passiert: Nach der Absage des Mobile World Congress und der Facebook-Entwicklerkonferenz hat auch Google sein Stelldichein für Softwareingenieure in die virtuelle Welt verlagert. Der physische Teil sei gestrichen, schreibt Google in einem Blogpost:

Wegen der Besorgnis um das Coronavirus (COVID-19) und in Übereinstimmung mit den Gesundheitsrichtlinien der CDC, der WHO und anderer Gesundheitsbehörden haben wir beschlossen, die physische Google I/O-Veranstaltung im Shoreline Amphitheater abzusagen. Alle Gäste, die Karten für die I/O 2020 gekauft haben, erhalten bis zum 13. März 2020 eine vollständige Rückerstattung.

Es ist wahrscheinlich, dass auch Apple seinen Anlass seinen März-Event wegen des Virus streichen wird. Bei «Mac Life» steht, die Chancen stünden 60 zu 40, dass der Anlass stattfindet. Die Annahme basiert auf dem Tweet eines Tech-Analysts und sind somit mit Vorsicht zu geniessen. Neue AirPods, iPads und iPods soll es trotzdem geben – wenn sie denn produziert werden können. Denn wie in den Wirtschaftsteilen zu lesen war, gibt es Lieferengpässe wegen des Virus‘ und Probleme mit Ersatzgeräten. Optimisten sagen, die seien Ende Monat überstanden.

Und noch drei Links zu der Virus-Angelegenheit: Eine gute, aber etwas gar salopp geschriebene Verständnishilfe gibt es bei der Schweizer «Republik»: Das Coronavirus geht um. Sollten Sie Angst haben? Und wenn ja: Was dann? Für weniger Hysterie plädiert Heise.de. Und wie üblich hilfreiche Aufklärung gibt es in Englisch beim unvergleichlichen John Oliver.


#UnhateWomen

Leider nicht im COVID-19-Tohuwabohu untergegangen sind die sexistischen Äusserungen eines Individuums mit dem Künstlernamen Fler, das eine sehr unappetitliche Methode zu Promotion eines neuen Albums an den Tag legt. Das wäre in meinem Wochenrückblick an sich kein Thema, hätte es nicht in meinem Twitterfeed für beträchtliche Resonanz gesorgt.

Die Zeit hat dazu das lesenswerte Stück Viel Brunftgebrüll geschrieben. Aber wir sollten uns nicht mit diesem kleinen Ganster-Rapper aufhalten, sondern stattdessen die grossartige Kampagne #UnhateWomen in den Fokus rücken. Diese Gewalt gegen Frauen, wie sie in dieser Musiksparte gang und gäbe ist, sollte uns alle auf die Barrikaden treiben.

Und warum die vernünftigen Musiker, die Branche – inklusive Plattenbosse – nicht dagegen Stellung beziehen, ist mir ein Rätsel. Weil man keine Kollegenschelte betreibt? Mir wurde das auch einmal von einer stellvertretenden Chefredaktorin ins Stammbuch geschrieben, nachdem ich einen Kollegen für seine Einschätzung kritisiert hatte. Ich ärgere mich bis heute, dass ich nicht nachgefragt habe, wie sie das begründet. Denn wie kann man für sich in Anspruch nehmen, die vierte Gewalt im Staat zu sein, wenn man für die eigene Spezies eine grosszügige Ausnahme macht?


Wie viel Strom brauchen all diese Geräte?

Minus 9 Prozent beim Haushaltsstromverbrauch in 10 Jahren – das ist die Entwicklung beim Energieverbrauch im privaten Bereich. Die Zahlen stammen vom deutschen Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und wurden zum Tag des Energiesparens veröffentlicht, der gestern Donnerstag stattgefunden hat.

Der grösste Anteil haben all die Geräte, die in irgend einer Form Wärme produzieren, seien es Herdplatten, Wäschetrockner, Toaster, Waschmaschine, Geschirrspüler oder Fön («Prozesswärme»).

Der Anteil der Unterhaltungselektronik ist zwar mit 17 Prozent einigermassen bescheiden. Er nimmt aber laufend zu. Damit droht, die Gefahr, dass Computer, smarte Fernseher, Heimserver und Kommunikationstechnik zum «Brandbeschleuniger für den Klimawandel» wird. Das lässt sich meines Erachtens recht einfach verhindern: Wenn wir bei Neuanschaffungen darauf achten, dass diese neuen Geräte nicht mehr Strom verbrauchen als die Geräte, die ersetzt werden, dann gibt es keinen Anstieg. Und ja – jedes zusätzliche Gerät muss irgendwie kompensiert werden. Und sei es, indem der alte Energiefresser von einem Kühlschrank durch ein effizientes Gerät ersetzt wird.


Schleichwerbung, Twitter-Infiltration und aufpolierte Uralt-Filme

Stefan Niggemeier schreibt auf «Übermedien» über mögliche Schleichwerbung und die sehr freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Presse. Bei «Buzzfeed» ist (in Englisch) nachzulesen, wie Saudi-Arabien Twitter infiltriert hat. Und, damit dieser Blogpost nicht ganz ohne Technikaspekte auskommen muss, ein Beitrag darüber, wie uralte Filme mittels künstlicher Intelligenz koloriert und hochskaliert werden.

Beitragsbild: Wie das halt so ist mit diesen Symbolbildern: In dieser Petrischale ist irgend etwas drin – wahrscheinlich aber kein Coronavirus (Anna Shvets, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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