Öffentlich-rechtliches Audioglück

SRF ist im Oktober des letzten Jahres auf die Idee gekommen, Audio-Inhalte speziell zu bündeln. Man findet die jetzt unter srf.ch/audio. Hansjörg Bolliger, Projektleiter SRF Online, laut Pressemitteilung:

«Mit dieser neuen Audioplattform geben wir unseren umfangreichen und interessanten SRF-Audioangeboten ein attraktives Zuhause, das die Userinnen und User zum Hören und Wiederkommen verleiten soll.»

Das ist eine gute Idee – bei der man lediglich kritisieren könnte, warum es 2019 werden musste, bis sie einer hatte. Bei den Mediatheken werden typischerweise Audio- und Videoinhalte wild durcheinandergewürfelt – auch beim SRF. Dabei liegt doch auf der Hand, dass es von der Situation abhängt, ob man dem Bewegtbild mit Ton oder dem bewegtbildlosen Ton zuneigt. Ist man mit Smartphone und Kopfhörern unterwegs, zieht man Audio vor. Hockt man zu Hause vor dem Fernseher, dann darf es natürlich durchaus auch ein Video sein.

Apropos: Wieso gibt es (immer noch) keine AppleTV-App von SRF?

Die neue Audio-Plattform stellt Links zu den Streams der Radiosender zur Verfügung.

Ein Katalog für Audio-Aficionados.

Man findet eine Sortierung nach Themen und eine Auflistung der Sendungen von A-Z. Wenn man nicht schon weiss, was man hören will, kann man sich von der Rubrik Neues & Besonderes oder dem Abschnitt Hörenswert inspirieren lassen. Dort sind, nehme ich an, die Perlen aus dem Angebot aufgeführt. Darunter die Podcasts, nach Themen, Länge und Anspruch sortiert.

Podcasts lassen sich am iPhone via Apple Podcasts, Google Podcasts und Spotify direkt abonnieren. Leider aber nicht mit meiner Podcast App Pocket Casts. Das liegt vermutlich daran, dass es keine Möglichkeit gibt, die Standard-Podcast-App beim Betriebssystem zu hinterlegen. Es ist somit nicht SRFs Schuld. Schade ist es trotzdem.

Da ich mir neulich die App ARD Audiothek angesehen habe, die es fürs iPhone und für Android gibt, drängt sich hier ein Vergleich auf. Natürlich, der Vergleich ist ungerecht, denn sowohl beim Umfang des Angebots als auch bei der Präsentation kann die ARD mit der viel grösseren Kelle anrühren.

Trotzdem bekommt das SRF hier erstmal ein Lob: Mir gefällt sehr gut, dass Podcasts sich auch in der angestammten App hören lassen. Bei der ARD-App gibt es zwar auch einen Abonnieren-Knopf. Doch der legt ein Abo innerhalb der App an. Möchte man eine Sendung gerne dem Podcatcher hören, in dem man auch alle anderen Inhalte hat, dann muss man das manuell tun.

Mir ist schon klar, dass eine App wie diese auch immer das Ziel hat, die Nutzer möglichst lange auf der eigenen Plattform zu halten. Doch gerade den öffentlich-rechtlichen Anbieter stehen Lock-In-Tricklein schlecht an. (Auch darum trauere ich noch dieser Mac-App nach, die das Angebot diverser Sender gebündelt hat.)

Die Startseite – mit Thomas Gottschalk als Coverboy.

Ansonsten ist an der App nichts auszusetzen. Auf der Startseite bei Entdecken findet sich zuoberst ein Sammelsurium an Beiträgen, das nicht nach einem erkennbaren Muster zusammengestellt wurde: Gottschalk, Wut, ein Fernsehkrimi, die Citrix-Sicherheitslücke, der Blinddarm … es dürfte sich wohl um besonders publikumswirksame Produktionen handeln.

Darunter gibt es die Favoriten der Redaktion, eine Sortierung nach Themen wie Ferien, Märchen, Best-of, Geschichten für Kinder, und ähnliches. Dann wiederum eine Meistgehört-Liste und eine Auswahl an Sendungen. Es ist wahrscheinlich in der Tat nicht einfach, das riesige Angebot der ARD übersichtlich zu erschliessen.

Nebst der Ansicht Entdecken gibt es die Rubrik Rubriken, in der man thematisch sucht. Das Angebot ist wiederum beeindruckend: Hörspiele, Dokus und Reportagen, Wissen, True Crime, Comedy, Lesungen, Gespräche und Inteviews, Kinderproduktionen, Politik Gesellschaft, Diskussionen, Wissenschaftsendungen, Gesundheit, Musik, Sport, Medien und einige Dinge mehr. Bei Sender findet man die diversen ARD-Radioprogramme gestreamt.

Das Menü bei Wiedergabe eines «Audios» (wie das bei der ARD heisst).

Und unter Meins tauchen die abonnierten Produktionen auf. Man kann sich Playlists und Merklisten zusammenstellen, sieht bei Downloads die auf dem Gerät zwischengespeicherten Sendungen und bei Verlauf, was man alles gehört hat. Das ist ziemlich vorbildlich.

Das gilt auch für den Player: Er stellt einen Sleeptimer und Knöpfe fürs Herunterladen und Merken zur Verfügung. Man kann die Sendung abonnieren und teilen. Was man als altgedienter Podcasthörer vermisst, ist die Möglichkeit, die Wiedergabegeschwindigkeit zu erhöhen oder Pausen zu trimmen. Aber gut, es leuchtet mir ein, dass der Anbieter selbst von diesen Möglichkeiten eher wenig begeistert ist.

Das Angebot ist üppig. Hier die Rubrik Krimis und Thriller..

Fazit: Eine Fundgrube ist das allemal – die Fülle, die die ARD hier ausbreitet, ist schlicht beeindruckend. Ich habe erst durch diese App entdeckt, dass es den «Tatort» auch nur zum Hören, als Podcast-Fassung gibt. Das werde ich mir merken – für den Fall, dass ich wieder einmal vor dem Fernseher eingeschlafen und die Auflösung verpasst habe. Die ist auch gut geeignet, falls man die Story nicht kapiert hat. Denn in der Audio-Umsetzung gibt es mehr Kontext und Erklärungen, die den Begriffsstutzigen unter uns wahrscheinlich die Augen öffnen.

Beitragsbild: Burst/Pexels, Pexels-Lizenz

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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