Die Tücken eines Männerschädels

Neulich habe ich im Beitrag Da weinen Bildbearbeiter vor Glück! eine raffinierte Methode vorgestellt, um Bilder vom Hintergrund zu befreien. Das Freistellen ist bekanntlich eine häufige und ungeliebte Tätigkeit bei der Bildbearbeitung. Häufig, weil man nicht um sie herumkommt, sobald man ein fotografiertes Objekt isoliert verwenden oder bearbeiten möchte. Und ungeliebt, weil es aufwändig und schwierig ist, Objekte mit feinen Strukturen sauber vom Hintergrund zu trennen.

Die vorgestellte App Depth Background Eraser erledigt die Aufgabe selbsttätig, aber nicht ganz perfekt. Und sie ist eben nur bei Bildern mit Tiefeninformationen einsetzbar, nicht bei beliebigen Fotos. Das schmälert den Praxisnutzen gewaltig. Denn natürlich haben die 99,9 Prozent der Fotos, bei denen man irgend etwas freistellen müsste, keine Tiefeninformationen.

Aber es gibt Alternativen. Der Befehl Auswahl > Motiv in Photoshop, der automatisch nach dem Motiv sucht und es maskiert. Funktioniert mittelprächtig. Oder aber die Website remove.bg, die kostenlos und in 5 Sekunden den Hintergrund entfernt. Klingt toll – aber taugt es etwas? „Die Tücken eines Männerschädels“ weiterlesen

Die App für gewachsene Schnäbel

Die Dialäkt-Äpp (kostenlos fürs iPhone und im Web unter dialaektaepp.ch) führt vor Augen Ohren, dass wir aller Globalisierung zum Trotz verwurzelte Wesen sind. Zumindest, was die Sprache von Leuten wie mir angeht, die nie ausgewandert oder weggezogen sind. Die App stellt einem 16 Fragen zur Aussprache von Dialektbegriffen wie Abend, Apfelkerngehäuse, Augen, Bett und Donnerstag – beziehungsweise zu einzelnen Laute aus diesen Worten. Daraus ergibt sich der wahrscheinlichste Wohnort, der in meinem Fall mit Winterthur hundertprozentig genau ermittelt wurde.

Ist das nun eine erstaunliche Leistung? Oder ist es im Grund banal, und einfach nur systematisiert, was ein geübter Zuhörer und Dialektkenner nach zwei, drei Sätzen sowieso herausgehört hätte? Ich finde, es ist beides. Einerseits natürlich tatsächlich banal:  „Die App für gewachsene Schnäbel“ weiterlesen

Die Vergadgetisierung der Stirnlampe

Ich habe festgestellt, dass jeder noch so popelige Alltagsgegenstand in den Händen von Nerds zu einem Instrument – und einem Monument – des Nerdtums wird. Okay, das ist eine schwer verständliche Prämisse für einen Blogbeitrag, der nicht von einem Philosophieprofessor geschrieben wurde. Aber vielleicht wird sie mit einem Beispiel klarer:

Ich habe mir neulich eine Stirnlampe angeschafft. Ja, ich gebe zu, das klingt sehr nach Midlife-crisis. Manche Männer kaufen sich in meinem Alter einen Sportwagen, andere suchen sich eine junge Freundin. Und die völlig Verkorsten entwickeln einen Bewegungs-Spleen. Die gehen dann bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit rennen oder velofahren, als ob sie ihrer verlorenen Jugend hinterherhecheln würden.

Ich bilde mir ein, in Würde zu altern. Daraus ergibt sich, dass bei mir diese Sportsache nicht pathologisch ist, sondern mit den Sachzwängen zu tun hat. „Die Vergadgetisierung der Stirnlampe“ weiterlesen