Ein alter Editor-Hase lernt einen neuen Markdown-Trick

Neulich habe ich einen hübschen Editor namens Sublime Text vorgestellt. Der beherrscht, nebst vielen anderen Dingen, auch Markdown. Da ist mir ein Gedanke gekommen, der eigentlich hätte naheliegend sein müssen. Nämlich: Kann ich mit dem Windows-Editor meiner Wahl auch Markdown-Dokumente verfassen?

Der Windows-Editor meiner Wahl ist das Textmonster, auch bekannt unter seinem offiziellen Namen Notepad++. Ich schätze den nicht wegen der Oberfläche. Aber unter anderem wegen der Open-Source-Lizenz (GPL), wegen der Split-View-Ansicht (Ansicht > Zur anderen Ansicht wechsen) und wegen den Erweiterungen wie Python Script (siehe z.B. hier oder hier).

Also: Ist Notepad++ auch eine gute Wahl, wenn man Markdown-Texte schreiben will?

Die einfache Antwort ist: Nein. Notepad++ versteht sich von Haus aus auf um die fünfzig Sprachen, von ASP über C und C++ bis hin zu Fortran, HTML, Java, Javascript, Pascal, Perl, PHP, Python, Ruby, XML und YAML, die per Syntax Highlighting passend dargestellt werden. Aber Markdown gehört nicht dazu.

Die nicht ganz so einfache Antwort ist: Nein, aber. Man kann Notepad++ mit Markdown vertraut machen. Man könnte die Sprache selbst erfassen – das ist über Sprachen > Eigene Sprachen definieren möglich. Für den Weg fehlt einem aber wahrscheinlich Zeit und/oder Lust.

Zweite Möglichkeit: Man lädt markdown-plus-plus von Github herunter und entpackt die ZIP-Datei. In Notepad++ klickt man auf Sprachen > Eigene Sprache definieren und dann im Dialog auf Importieren.

Notepad++, auf Markdown getrimmt: Links die Syntaxhervorhebung mit in der Standard-Darstellung, rechts die Vorschau.

Nun gibt es im Archiv verschiedene Varianten der Darstellung, die so genannten Themes. Die kann man sich bei Github ansehen, wenn man zum Abschnitt «Screenshot» scrollt. Möchte man die Variante «Zenburn» benutzen, dann wählt man aus dem Archiv den Ordner theme-zenburn und dort dann entweder userDefinedLang-markdown.zenburn.modern oder userDefinedLang-markdown.zenburn.classic aus. (Es gibt übrigens auch im Ordner selbst einen Screenshot, damit man sich vorab ein Bild machen kann.)

Was nun die beiden Varianten, modern oder classic angeht, unterscheiden die sich dadurch, wie sie Markdown parsen. Modern geht richtig mit den Auszeichnungen wie fett (**fett**) und kursiv (*kursiv*) um, kann aber Aufzählungen mit Sternchen nicht richtig darstellen – man muss stattdessen einen Strich oder ein Plus am Zeilenanfang machen. Classic stellt die Aufzählungen richtig dar, kann aber mit den Fett- und Kursiv-Auszeichnungen nicht richtig umgehen. Das dürfte eine Beschränkung des Syntax-Highlighting von Notepad++ sein.

Damit funktioniert die Syntax-Auszeichnung. Was die Sache nun perfektionieren würde, wäre eine formatierte Vorschau. Und auch dafür gibt es eine Lösung. Nämlich das Plug-in MarkdownViewerPlusPlus.

Das lässt sich über den Plug-in-Manager installieren, den man über Erweiterungen > Plugin Manager > Show Plugin Manager  aufruft. Nun sucht man in der langen Liste den Eintrag Markdown Viewer++ und hakt ihn an. Nach der Installation und einem Neustart öffnet man den Viewer über Erweiterungen > MarkdownViewer++ > MarkdownViewer++.

Dieser Viewer zeigt nun nicht nur eine formatierte Voransicht des Dokuments an. Er exportiert Dokumente auch als HTML oder als PDF. Das ist im Vergleich zu den Formatvarianten eines ausgewachsenen Markdown-Editors etwas mager. Aber für viele Zwecke reicht es.

Zwei Tipps:

  • Im Menü Erweiterungen > MarkdownViewer++ gibt es die Option Synchronize Scrolling (Editor -> Viewer). Ist sie eingeschaltet, rutscht die Voransicht mit, wenn man in der Code-Ansicht per Maus oder Pfeiltasten scrollt.
  • Das Viewer-Fenster lässt sich auch abdocken. Dazu einfach auf die horizontale Leiste am oberen Rand doppelklicken. Mit einen erneuten Doppelklick dockt man die Leiste wieder an.

Fazit: Es funktioniert. Es lässt sich jedoch nicht komplett verhehlen, dass Markdown nicht zum Standard-Funktionsumfang gehört, sondern dem Editor nachträglich aufgepropft wurde. Beispielsweise geht das Vorschau-Fenster nicht automatisch auf und zu, wenn man eine Markdown-Datei lädt oder schliesst – das muss man von Hand tun.

Es ist somit Geschmackssache, ob man seine Texte in Notepad++ schreibt oder doch einen der vielen Markdown-Editoren im Web aus den App-Stores benutzen möchte. Für die meisten Fälle ist ein dedizierter Editor sicher die bessere Wahl. Wenn man während des Schreibens seine Scripts oder spezielle Funktionen verwenden will, dann hat Notepad++ wiederum einen entscheidenden Heimvorteil.

Und wie schon öfters gesagt: Das Gute an Markdown ist, dass man sich nicht zu entscheiden braucht. Die Kompatibilität zwischen den Editoren ist gegeben: Man kann jederzeit und nach Lust und Laune wechseln.

Beitragsbild: Jetzt, wo ich das Bild sehe, fällt mir auf, dass die Redewendung «Old Rabbit. New tricks» aus dem Titel wahrscheinlich nur im Englischen gebräuchlich ist. Bei uns heisst es eher: Alter Hund, neue Tricks. Aber egal, wo ich doch so ein schönes Foto von Gary Bendig auf Unsplash gefunden habe (Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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