Tiere in die Arche stapeln

Wer gute Apps finden will, der muss sich erst mit mittelmässigen und schlechten Apps herumschlagen. Das gilt in vielen Kategorien. Aber besonders offensichtlich ist es bei den Apps, die sich an Kinder richten.

Das hat meines Erachtens zwei Gründe. Erstens sind gute Kinder-Apps besonders schwierig: Sie müssen altersgerecht, hübsch und originell sein – und nicht nur den Goofen (schweizerdeutsch für Blagen), sondern auch den Eltern gefallen. Und zweitens nutzen manche App-Entwickler den Umstand schamlos aus, dass Kinder laut Quengeln, Schreien und Toben können. Und diese Fähigkeit gerne auch dazu einsetzen, um ihren Willen zu bekommen.

Das Resultat ist zum Beispiel eine App, bei der das Kind kostenlos zwei Dinosaurier zusammenpuzzeln und anmalen kann. Das sind  typischerweise die lahmsten Dinosaurier, die die prähistorische Welt je gesehen hat. Wenn das Kind sich mit seinen virtuellen Farbstiften auf die coolen Dinos stürzen will, dann blitzt es ab – weil T-Rex, Triceratops, Velociraptor und Spinosaurus erst mit einem In-App-Kauf freigeschaltet werden müssen.

Nun ist es natürlich auch für Hersteller von Kinder-Apps nicht verboten, sich erfolgversprechende Finanzierungsmodelle für ihre Apps auszudenken. Aber es ist halt moralisch überaus verwerflich, wenn unschuldige Kinder auf die Rolle als Umsatzträger reduziert werden. Mögen diese Entwickler für alle Ewigkeit im Höllenfeuer schmoren!

Arche Noah – Animalibrium ist eine Kinder-App fürs iPhone und iPad, die zwar auch nicht ohne In-App auskommt und bei der man Dinosaurier, sowie australische Tiere erwerben kann. Sie ist aber so liebevoll gestaltet und nicht in erster Linie darauf aus, Kinder zu Geldeintreibern zu machen, sodass ich sie hier gerne empfehle. Und die biblische Anspielung an den Herrn Noah darf man (bei Bedarf) auch gern übersehen.

Es geht bei diesem Spiel darum, Tiere aus einer überschwemmten Landschaft zu retten. Das Kind schiebt per Finger ein kleines Holzboot nach rechts oder links über die Wasseroberfläche und begegnet Hügeln, die aus dem Wasser ragen und auf denen Tiere gefangen sind. Diese muss das Kind nun ins Boot bugsieren. Da das Wasserfahrzeug etwas klein geraten ist, kommt das Kind nicht darum herum, die Tiere sorgfältig zu stapeln.

Es muss auch darauf achten, das Boot vorsichtig zu bewegen. Bei abrupten Bewegungen fallen die Tiere aus dem Boot und müssen wieder eingesammelt werden. Selbstverständlich treiben die über Bord gegangenen Viecher friedlich auf der Meeresobefläche und gehen nicht etwa unter. Klar: Ertrunkene Elefanten, Giraffen, Flamingos, Nilpferde und Nashörner wären nicht besonders kindgerecht. Und ja: Manche dieser Tiere können ja tatsächlich schwimmen.

Das Spiel gibt dem Kind keinerlei Hinweise, was es tun muss. Es muss das selbst herausfinden. Oder, noch besser, zusammen mit den Eltern ausprobieren. Falls die feinmotorischen Fähigkeiten nicht ausreichen, kann das Spiel allerdings frustrierend sein. Bei den kleineren der Kleinen muss man abschätzen, ob die schon reif dafür sind. Empfohlen wird das Spiel für Kinder ab drei Jahren.

Und apropos Bibel: Man kann anhand dieses Spiels auch gerne ein paar physikalische Grundsätze diskutieren: Welche Tiere sollten unten ins Boot und warum? Und welche sind besser geeignet, obenauf gestapelt zu werden?

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Kommentar verfassen