Apple könnte von Microsoft lernen

Im Patentrezept-Video geht es nun – nach den Querelen im Vorfeld – tatsächlich um die neue Version von Apples Desktop-Betriebssystems. Mac OS 10.15 alias Catalina zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass vieles verschwindet: iTunes wird in drei Apps, Musik, Podcasts und TV, zerlegt. Die Unterstützung für 32-bit-Anwendungen wird ausgebaut. Und was ich im Video nicht erwähne: Auch das Dashboard muss über die Klinge springen.

Dem weine ich keine Träne nach. Das Dashboard war schon immer ein nutzloser Ressourcenfresser. Es stammt aus der Zeit, wo die Hersteller krampfhaft bemüht haben, dem Desktop mehr Nützlichkeit abzugewinnen. Bei Windows Vista gab es die Gadgets und beim Mac die Widgets, und beide Erfindungen haben sich nicht bewährt.

Das liegt daran, dass diese Informationshäppchen heute via Smartphone, Tablet oder eventuell sogar per Smartwatch verabreicht werden. Da darf der Desktop in der Tat frei von solchen nervösen Mini-Bildschirmelementen bleiben, die bloss vom Arbeiten ablenken. 

Konzequenterweise müsste der Desktop auch frei von Benachrichtigungen bleiben. So weit, uns mit diesen Updates zu verschonen, gehen die Hersteller aber nicht. Es gibt diese Aufmwerksamkeitsräuber sowohl bei Windows 10 als auch bei Mac OS X. Aber ich kann damit leben, weil inzwischen nicht mehr viele doppelte Benachrichtigungen eintrudeln.

Das war anfänglich ein echtes Ärgernis, als zum Beispiel Skype-Anrufe an sämtlichen Geräten, vom Tablet, PC, Macbook bis hin zur Smartwatch und dem vernetzten Lautsprecher, signalisiert wurden. (Naja, bei Skype wird das nach wie vor recht lästig sein – aber ich nutze den Dienst nur für ausgehende Gespräche.)

Zurück zu Catalina: Ich bin mir noch nicht schlüssig, ob ich dieses Update nun gut oder schlecht finde. Die Aufsplittung von iTunes war längst überfällig. Aber die neue Musik-App ist auch keine reine Freude. Die haut einem gleich die Aufforderung um die Ohren, man möge doch endlich gefälligst Apple Music abonnieren. Das ist echt nervig, Apple.

Zum Glück kann man Apple Music deaktivieren. Wie es geht, ist im Video zu sehen.


Die Risiken des neuesten Mac-Updates

Doch trotzdem werde ich nicht darum herumkommen, für mich selbst und vielleicht auch für ein Video ein paar alternative Musik-Apps zu testen. (Fürs iPhone und iPad habe ich das bereits getan: Musik-Apps, die einem nicht bloss Apple Music andrehen wollen). Gibt es für Windows noch etwas anderes als WinAmp? Und was wäre auf dem Mac die beste Alternative? Da ist das Angebot leider wirklich dünn.

Ansonsten ist Catalina ganz okay. Auf die Bildschirmzeit habe ich nicht wirklich gewartet; aber es ist natürlich sinnvoll, die Nutzungszeit über die Geräte hinweg zu erfassen. Eigentlich müsste Apple auch eine Windows-oder Android-Version seiner Zeiterfassungs-App anbieten. Denn Nutzer, die auch mit PCs oder Android-Geräten arbeiten wollen oder müssen, sind eine unbestreitbare Tatsache. Wer seine App-Verwerwendung plattformübergreifend tracken will, muss auch weiterhin bei Rescue Time oder einem ähnlichen Dienst bleiben.

Sidecar – die Möglichkeit, das iPad als zweiten Bildschirm zu verwenden – funktionierte in meinem Test einwandfrei. Nur ist das für mich nicht wirklich eine Neuerung, weil ich bisher Duet benutzt habe (Das Tablet als externen Bildschirm nutzen). Im Vergleich dazu ist Sidecar etwas benutzerfreunlicher: Die Funktion ist direkt ins System integriert, sodass man es sich sparen kann,  mit separaten Apps zu hantieren. Und es funktioniert einwandfrei auch per WLAN.

Es stört mich allerdings, dass auf dem iPad keine Steuerung per Touch möglich ist. Man kann dort eine Maus oder einen Stift verwenden, um den Cursor herumzuschieben. Doch mittels Finger kann man ihn nicht bewegen. Ich nehme an, dass Apple diese Bedienform als zu wenig präzis erachtet. Doch unpräzis ist besser als gar nicht.

Und auch für Sidecar gilt: Wenn Windows oder Android dazukommt, bleiben nur die Dritthersteller-Lösungen. Auch da würde Apple keinen Zacken aus der Krone fallen, auch für die anderen Systeme entsprechende Apps anzubieten. Microsoft stellt alle seine Softwareprodukte auch für die Konkurrenzplattformen bereit und exerziert vor, dass eine solche Öffnung kein Kniefall, sondern ein Zeichen von Grösse ist. Aber auf diese Erkenntnis werden wir bei Apple noch sehr lange warten müssen.

Beitrag: Das iPad als Seitenwagen für den Mac (Peter Morth/Pixabay, Pixabay-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Apple könnte von Microsoft lernen“

  1. Früher habe ich Amarok verwendet. Und siehe da, es gibt einen modernen Fork davon, für Linux, Mac und Windows: Clementine (https://www.clementine-player.org/). Der kann lokale Musikbibliotheken verwalten, Drobox & Co. einbinden, ebenso Spotify und diverse andere Musikdienste und Internetradios. Sogar Visualizer hat er, das war damals bei Winamp ja das coolste Feature. 😊

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