Abgedroschene Lebensweisheiten zum Thema UX Design

User in yer face klingt nach einem Rechtschreibfehler im Wort User Interface, zu Deutsch Benutzerschnittstelle. Es ist bei näherer Betrachtung aber ein lustiger Kalauer. In your face bedeutet in Englisch eine auf Konfrontation angelegte Kommunikationshaltung.

Finde hier bitte deine Landesflagge.

Und darum geht es userinyerface.com: Um eine Webanwendung, bei der man als Nutzer in aller Deutlichkeit vorexerziert bekommt, wie nervig schlechte Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sind. Man verplempert mit ihnen seine Zeit, fühlt sich dumm und unfähig und kommt womöglich überhaupt nicht an sein Ziel.

Es geht um eine simulierte Anmeldung bei einem Webdienst, bei der man ein Formular möglichst schnell und akkurat ausfüllen sollte. Es fängt aber schon damit an, dass auf der Hauptseite der Link zu dem Formular kaum aufzufinden ist. Dann gibt es unsinnige Vorgaben fürs Passwort, fragwürdige Eingabeelemente, Popups, die sich über Eingabeelemeente schieben und seltsame Voreinstellungen – und all die anderen nervigen Dinge, die einem auch im richtigen Web-Alltag begegnen können.

Ständig nervt die Uhr.

Natürlich: Die Ärgernisse treten normalerweise weniger gehäuft auf, weswegen uns auch nicht so deutlich auffällt, dass es nicht an uns, sondern am UX-Design liegt. Und man wird im richtigen Leben auch nicht ständig durch eine Uhr unterbrochen, die gnadenlos die Sekunden mitzählt und einen zur Eile antreibt. Aber das ändert nichts daran, dass man auch im richtigen Leben einen Webdienst einfach benutzen und sich nicht mit hirnlosen Vorgaben für das neue Passwort herumschlagen will.

Die allseits beliebten Captchas dürfen natürlich nicht fehlen.

Userinyerface.com stammt von einem belgischen Entwicklerstudio, die damit logischerweise beweisen wollen, dass sie es besser machen können.

Dabei wäre es so einfach. Wenn man Adobe glauben darf (was man vermutlich nicht tun sollte), dann reichen 15 Regeln aus, um gute Benutzerschnittstellen zu bauen. Da erfährt man, dass

  1. die Benutzerschnittstelle ein Teil des Benutzer-Erlebnisses darstellt, aber nicht allein dafür verantwortlich ist, ob es dem User gefällt oder nicht.
  2. man seine Benutzer kennen sollte.
  3. man nicht von sich selbst auf den Nutzer schliessen darf.
  4. man die geringe Aufmerksamkeitsspanne der Internet-User einbeziehen muss.
  5. man seine Abläufe nicht in Stein meisseln sollte.
  6. Prototypen hilfreich sind.
  7. echte Inhalte und keine lahmen Platzhalter zum Einsatz kommen müssen.
  8. die Dinge einfach und konsistent zu halten sind.
  9. der Nutzer sich über bekannte Elemente freut und nicht mit Neuerfindungen konfrontiert werden will.
  10. man sich anstrengen möchte, das Design leicht benutzbar und zugänglich zu machen.
  11. man nicht alles selbst lösen sollte.
  12. nicht alle Probleme aufs Mal erschlagen werden können.
  13. Fehler zu vermeiden besser ist als Fehler hinterher zu flicken.
  14. sich der Nutzer über sinnvolle Rückmeldungen freut.
  15. dramatische Redesigns des Teufels sind.

Alles einleuchtend und sinnvoll. Und ich wette, dass ich für jeden einzelnen der 15 Punkte mindestens ein Beispiel finde, bei dem Adobe eklatant dagegen verstösst. Aber, um mit einer weiteren abgedroschenen Lebensweisheit zu schliessen: Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Beitragsbild: Picjumbo.com/Pexels, Pexels-Lizenz

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

2 Gedanken zu „Abgedroschene Lebensweisheiten zum Thema UX Design“

  1. Herrliche Seite! 😂

    Einige dieser „Fehler“ werden mit voller Absicht begangen. Die Marketingleute sprechen dann von „Dark Patterns“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Dark_Pattern). Habe gerade heute bei der Anmeldung für ein Webinar (weshalb muss man sich für ein kostenloses Webinar überhaupt mit seinen Daten anmelden???) ein solches Pattern entdeckt: ganz unten auf dem Formular ein Kästchen mit kleiner Schrift daneben „ich möchte nicht den Newsletter erhalten und über neue Angebote informiert werden“.

Kommentar verfassen