Der Fluch der Datensilos

Ich benutze seit bald sechs Jahren Fitness-Tracker. Angefangen hat es mit dem Jawbone Up, dann hatte ich zwei Withings-Modelle (hier und hier), zwischendurch ein Fitbit Flex 2. Und schliesslich bin ich bei der Fēnix 5S von Garmin gelandet.

Das hat natürlich mit dem Fortschritt zu tun: Die GPS-Uhr von heute ist um Welten besser als der simple Schrittzähler von damals. Darum tut man gut daran, das Quantified Self mit modernen Mitteln zu betreiben.

Es gibt aber, natürlich, eine Kehrseite. Wenn man seinen Fitness-Tracker wechselt, dann ändert sich auch der Ort, wo die Daten hinwandern. Denn natürlich verwenden alle diese Gadgets die Cloud. Die Informationen werden im Netz aufbereitet, visualisiert und bereitgehalten.

Das ist praktisch, hat aber zur Folge, dass man keine durchgehende Datenbasis hat. Ich kann meine Aktivitäten mit dem Vorjahr vergleichen, weil ich damals die Garmin schon benutzt habe. Ein Vergleich mit meinen Leistungen von 2014 ist nicht möglich. Damals war die Withings in Benutzung. Und deren Daten stecken in einem anderen Silo als jene von Garmin.

Das ist für manche Leute komplett egal. Ich finde es hingegen schade. Denn Daten sind dazu da, benutzt zu werden. Gerade auch die etwas längerfristigen Einsichten könnten interessant sein – zum Beispiel dann, wenn man sehen möchte, wie sehr das Erreichen des täglichen Schrittziels einem in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Darum hat mich die Frage interessiert: Ist es eigentlich möglich, die Daten aus den jeweiligen Clouddiensten herauszuholen?

Die Antwort ist erfreulicherweise ein Ja.

Jawbone

Mit einer Einschränkung. Die Daten des Jawbone Up dürften verloren sein. Dieser Hersteller ist 2017 Konkurs gegangen. Die Website, jawbone.com, liefert nur ein lapidares «More info coming soon» und einen Kontaktlink, der zu aliph.com führt. Hinweise zu den alten Benutzerkonten oder ein Login sucht man vergeblich.

Und diese Erfahrung sollte mir (und uns) eine Lehre sein: Es ist wichtig, dass man unbedingt direkt nach dem Wechsel seines Sport-Gadgets eine Kopie seiner Daten zieht – und nicht erst daran denkt, wenn der Hersteller nicht mehr existiert. Die Daten auf der eigenen Festplatte kann einem niemand wegnehmen – selbst wenn man nicht viel damit anfangen kann. Doch das ist eine Frage, um die es noch gehen soll.

Withings

Die Datensätze, die man beim Export seiner Withings-Daten erhält.

Dieser Hersteller hat ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich. Erst wurde er an Nokia verkauft, um dann an den Gründer zurückzugehen. Auch das riecht mir nicht nach einer auf längerfristige Existenz ausgelegten Strategie. Das ist Grund genug, seine Daten rechtzeitig zu sichern.

Withings stellt dazu eine Anleitung bereit: Man geht zum Online-Dashboard, klickt rechts oben auf sein Icon, wählt Einstellungen, dann oben Benutzerpräferenz (erkennbar am Icon mit dem eigenen Konterfei) und klickt dann auf Meine Daten herunterladen. Das dauert etwas, doch wenn der Vorgang abgeschlossen ist, wird das per Mail mitgeteilt. Über den Link im Mail lädt man seine Daten herunter.

Mein Archiv ist 1,42 MB gross. Es enthält 21 Dateien im CSV-Format, die u.a. Sleep, Activities, Weight, Aggregates_steps, Aggregates_distance, etc. heissen. Die Dateien selbst sind simpel aufgebaut: Bei den Schritten hat man für jeden Tag einen Eintrag mit Datum und Schrittanzahl. Das ist problemlos zu interpretieren und man könnte diese Daten auch ohne weiteres einer Anwendung wie Excel auswerten.

Fitbit

Die Fitbit-Dateien: Alle Schritte eines Tages, aufgelistet im Minutentakt.

Die Anleitung von Fitbit findet sich hier. Man öffnet sein Dashboard auf fitbit.com, klickt rechts aufs Zahnrad, wählt dann Einstellungen und im Menü Datenexport. Auf der Seite Deine Fitbit-Daten startet man die Erstellung seines Daten-Archivs. Wenn das fertig ist, gibt es einen Hinweis per Mail, woraufhin man die ZIP-Datei von der gleichen Seite herunterlädt.

Mein Archiv ist 8 MB gross und enthält eine Ordnerstruktur mit den Ordnern user-profile und user-site-export. Interessant ist vor allem der zweite Ordner. Dort gibt es 229 Dateien, die zum Beispiel calories-2017-01-27.json, moderately_active_minutes-2017-11-23.json, sleep-2018-05-22.json oder steps-2018-07-21.json heissen.

Das bedeutet, dass das Fitbit pro Tag für diverse Kategorien (Schritte, Kalorien, Schlaf, Distanz, Aktivitäten, sowie verschiedene Grade der Anstrengung) eine eigene Datei anlegt. Das macht die Auswertung etwas schwieriger, da man erst die einzelnen Dateien zusammenziehen müsste.

Die einzelnen Dateien im Json-Format erschliessen sich einem sofort. Für eine Auswertung in Excel müsste man aber einige Klimmzüge machen.

Garmin

Garmin hält ebenfalls Instruktionen für den Export bereit: Man loggt sich bei Garmin Connect ein, öffnet links im Menü bei Aktivitäten den Bereich Alle Aktivitäten und klickt rechts oben auf CSV-Datei exportieren. Dadurch erhält man ZIP-Datei mit allen Aktivitäten. Analog kann man auch auf anderen Seiten einzelne Datenbereiche zugreifen; zum Beispiel die Schritte eines Tages.

Das ist aber nicht unbedingt das, was ich will. Wenn man alle Dateien en Bloc herunterladen möchte, findet man irgendwann die Seite Datenmanagement. Dort gibt es den Link Daten exportieren. Hier klickt man auf Daten anfordern und erhält, wie gewohnt, dann per Mail eine Information, wenn das Datenarchiv fertig ist.

Was genau dabei herauskommt, kann ich an dieser Stelle leider nicht berichten: Das Archiv ist nämlich noch in Arbeit. Und das, obwohl ich durchaus frühzeitig daran gedacht habe, den Datenexport anzustossen. In der Anleitung heisst es zur Zeitdauer nämlich Folgendes:

Die Vorbereitung der Dateien dauert in der Regel ca. 48 Stunden, kann jedoch abhängig von der Anzahl der verarbeiteten Anfragen und der mit deinem Profil verknüpften Daten bis zu 30 Tage dauern.

Fazit

Jedenfalls wäre es an der Zeit für ein Standard-Austauschformat für solche Fitness- und Aktivitätsdaten. Denn wie im Beitrag Raus geht, rein aber nicht festgehalten: Datenportabilität ist theoretisch eine wunderbare Sache. Ohne Standards nutzt sie uns nicht viel, weil wir unsere Daten zwar abgreifen, aber dann doch nicht in einen grossen Topf werfen oder vorn Dienstleister A zu Dienstleister B transferieren können.

Ich werde aber Ausschau halten, ob es Apps oder Dienste gibt, wo man diese Daten auch wieder hineinbekommt, und ggf. hier Bericht erstatten.

Und wie gesagt: Mit einigen Kenntnissen über Tabellenkalkulationen, Datenformate und -strukturen hat man die Möglichkeit, notfalls selbst Hand an seine Daten zu legen. Das ist nicht sonderlich komfortabel. Aber es ist viel besser, als wenn die Daten einfach verloren wären.

Beitragsbild: Die bedrohliche Optik kommt nicht von Ungefähr (Todd Trapani/Pexels Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

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