In Echtzeit auf den Mond

Es gibt diese Webseiten im Netz, auf denen man Stunden oder Tage verbringen könnte (wenn man Zeit hätte). Zu dieser Sorte gehört ohne Zweifel Apollo 11 in real time. Es geht um die erste Landung auf dem Mond. Die Nasa hat diese Mission vom 16. Juli 1969 bis zum 20. Juli 1969 durchgeführt. Und auch wenn sie noch in einer Zeit stattgefunden hat, wo nicht jede Sekunde digital festgehalten wurde, so ist doch erstaunlich viel Material erhalten geblieben.

Zum Beispiel Tausende von Fotos, Fernsehübertragungen und Missions-Filmmaterial. Und jede Menge Funkübertragungen. Nicht nur die Kommunikation zwischen den Astronauten im All und der Bodenstation wurde aufgezeichnet, sondern auch die Gespräche des Mission Control, also des Missionskontrollzentrums. (Übrigens ganz schön viel dokumentarisches Material, das man alles hätte fälschen müssen – falls noch irgend einer die Verschwörungstheorie der erfundenen Mondlandung glaubt.)

Die Website bündelt diese Datenmenge und stellt sie chronologisch sortiert zur Verfügung. Raumfahrt- und Mondlandungsfans können die ganze Mission in Echtzeit miterleben. Das passiert in einer Art Webkonsole, die selbst ein bisschen wie ein Raumfahrtszentrum aussieht: Links sieht man Videos. Darunter das Transkript von Funkübertragungen oder Kommentar, mit Hinweisen auf die Meilensteine der Mission. Oben gibt es die Zeitleiste, die die Phasen der Mission anzeigt und es erlaubt, durch die Zeit zu navigieren. Rechts hat man Fotos und Audio-Aufnahmen zur Auswahl, ausserdem die Astromaterial Samples, also die Materialien, die die Astronauten eingesammelt haben.

Das ist ziemlich beeindruckend – nicht nur quantitativ, sondern auch, weil es ein Gefühl für dieses Unterfangen gibt, wie man es bislang noch nicht bekommen konnte. Klar, es gibt Filme und Dokumentationen, Bücher und Dramatisierungen. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man auch die «Normalität» der Mission mitbekommt – also die vielen Momente, wo Stille im Äther herrscht oder sich ein Astronaut im Zeitlupentempo bewegt.

Fazit: Die Apollo 11-Mission ist zwar 50 Jahre her, aber mit dieser Fülle an Material wirkt sie erstaunlich lebendig. Nicht alles ist leicht verständlich. Nicht nur die Audio-Aufnahmen haben teilweise etwas gelitten oder waren, mit 384’400 Kilometer Funkdistanz von Anfang an nicht sonderlich gut verständlich.

Und natürlich nutzt die Nasa auch Weltraum-Slang und unzählige Abkürzungen, die uns Laien das Verständnis erschweren. Aber es muss tatsächlich so gewesen sein, dass sich die Nasa-Mitarbeiter damals nicht klar waren, dass 50 Jahre später (fast) jeder Mensch auf der Erde in der Lage sein würde, ihre Arbeit mitzuverfolgen (selbst wenn die Mission damals natürlich schon ein riesiges Medienereignis war). Und das ist natürlich auch gut so: Schliesslich mussten sich die Leute damals auf ihre Arbeit konzentrieren.

Noch mehr zur Apollo-Mission gibt es übrigens in dem Podcast hier. Und wie seinerzeit in einem Publisher-Beitrag ausgeführt, hat das Bilderarchiv der Nasa von der Mondlandung seinen Weg in die öffentliche Domäne gefunden:

Das Project Apollo Archive ist neulich bei der Foto-Plattform Flickr.com eingerichtet worden. Es umfasst 8400 Fotos aus dem Apollo-­Raumfahrtprogramm von 1961 bis 1972. Die Sammlung wurde von einem privaten Afi­ci­o­na­do in Zusammenarbeit mit dem Apollo Lunar Surface Journal der Nasa zusammengetragen und in hoher Auflösung (um die 20 Megapixel, je nach Aufnahme) publiziert. Darunter sind auch Bilder wie das obige, das zu den berühmtesten der Menschheitsgeschichte gehört.

Die Bilder wurden der öffentlichen Domäne anheimgestellt, das heisst, ohne urheberrechtliche Restriktionen publiziert. Sie dürften somit auch im kommerziellen Umfeld frei verwendet werden. Die Nasa selbst betreibt das Flickr-Archiv NASA on The Commons, das ebenfalls Bilder ohne urheberrechtliche Einschränkungen umfasst.

Beitragsbild: AS12-46-6790 des Project Apollo Archive auf Flickr.com, öffentliche Domäne

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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