Fotokunst auf die faule Tour

Doppel- oder Mehrfachbelichtungen sind eine kreative Spielerei, die man schon im analogen Zeitalter äusserst kreativ anwenden konnte. Damals im Zelluloidzeitalter musste man seine Kamera dazu bringen, den Film nicht zu transportieren, bevor man erneut auslöst. Die meisten Kameras haben das automatisch verhindert, indem der Spannhebel den Film um ein Bild weiterbefördert, während er den Verschluss wieder schussbereit macht. Es gibt bei manchen Kameras aber einen Knopf, der den Filmtransport abschaltet.

Auch viele Digitalkameras haben eine Option für Doppelbelichtungen. Die bei meiner Nikon D700 ist allerdings nicht das, was man erwarten würde. Sie fügt nämlich nachträglich Bilder zusammen (im Menü bei Bildbearbeitung gibt es die Option Bildmontage). Wenn man die Doppelbelichtung hinterher zusammenfügt, kann man das auch gleich in der Bildbearbeitungssoftware tun.

Wenn man Doppelbelichtungen mit der Kamera machen will, dann natürlich gleich bei der Aufnahme. Erstens kommt es dann auf die fotografischen Fähigkeiten und das sorgfältige Arbeiten an. Und zweitens kommen gewisse Vorteile nur bei der Aufnahme überhaupt zum Tragen.

Man kann die Mehrfachbelichtungen nämlich nicht nur kreativ, sondern auch handwerklich nutzen. „Fotokunst auf die faule Tour“ weiterlesen

Glasnost bei Google

Ich habe mich neulich gefragt, wie viele Videos eigentlich bei Youtube verschwinden. Bei der Recherche zu dieser Frage bin ich auf den Google-Transparenzbericht gestossen. Transparenz und Google? wundert man sich. Das sind zwei Wörter, die man nicht im gleichen Satz erwarten würde. Denn wie Strassenumfragen zeigen, beklagen acht von zehn Schweizern die Intransparenz von grossen Tech-Unternehmen wie Google.

Da geht es dann allerdings um die Frage, was diese Tech-Unternehmen alles mit den eigenen Daten anstellen – und da ist es bekanntlich nach wie vor so, dass man als Nutzer (oft mit einem unguten Gefühl und manchmal sogar wider besseres Wissen) einen Vertrauensvorschuss leistet. Meine Lieblings-Anekdote dazu bezieht sich auf einen Besuch bei Google Schweiz, wo unter anderem an Technologien wie Google Maps und der fotografischen Dokumentation der ganzen Welt gearbeitet wird. Genau an diesem Ort wurde ich einmal uncharmant zurechtgewiesen, weil ich ungefragt ein Foto gemacht habe. Die werden wohl wissen, was man mit solchen Fotos alles anstellen kann.

Aber gut, ein bisschen Transparenz ist besser als gar keine. Und der Transparenzbericht ist durchaus aufschlussreich. Was Youtube angeht, erfährt man im Abschnitt YouTube-Community-Richtlinien und ihre Anwendung, dass von Oktober bis Dezember 2018 fast 2,4 Millionen Kanäle gelöscht worden sind. „Glasnost bei Google“ weiterlesen

Löcher im Web

Tote Links sind eine mühsame Angelegenheit. Sie führen dazu, dass bei einem Klick nicht der gewünschte Webinhalt, sondern bloss eine Fehlermeldung erscheint. Denn entgegen der oft gehörten Behauptung, dass das Internet angeblich nichts vergisst, verschwinden ganz schön viele Inhalte.

Ich habe nach einer Statistik gesucht, die diesen Prozess veranschaulichen würde. Zum Beispiel: Wie viele Websites verschwinden jedes Jahr? Auch aufschlussreich wäre eine ungefähre Antwort auf die Frage, welcher Anteil des bei der Wayback Machine archivierten Inhalts unter der Originaladresse nicht mehr zu finden ist.

Was diese Website hier angeht, habe ich mit den hier beschriebenen Methoden herausgefunden, dass inzwischen mindestens auf jeder zehnten Seite ein toter Link zu finden ist. (Die kostenlose Variante des Dienstes überprüft maximal 3000 Seiten und hat darauf 319 tote Links entdeckt.) Dieser Anteil nimmt natürlich zu, je älter die Beiträge werden. Einige Stichproben bei den Beiträgen von 2007 zeigen, dass über den Daumen gepeilt die Hälfte der Links nicht mehr funktionieren. „Löcher im Web“ weiterlesen

Die Foto-App könnte noch besser sein

Die Idee der Fotomediathek beim iPhone und iPad (und analog auch bei den Foto-Apps bei Android) ist simpel: Alles landet an einem Ort. So braucht der Nutzer keine Triage vorzunehmen  und die Bilder verwalten sich quasi von allein. Auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und, beim iPhone zum Beispiel mit den automatischen Rückblicken.

Kann man die Fotoverwaltung komplett automatisieren und es dem Benutzer ersparen, selbst Hand anlegen zu müssen? Das ist eine spannende Frage, finde ich. Sie zeigt die Herausforderung auf, der sich ein Hersteller gegenübersieht, der sich seit jeher für seine Benutzerfreundlichkeit rühmt. Er will und muss hier den eigenen Ansprüchen genügen – bei ziemlich grosser Fallhöhe. Denn wenn im Rückblick zum Paris-Wochenende die TGV-Platzreservierung auftaucht, die man zur Sicherheit abgeknipst hat, dann sinkt das Vertrauen in Apples Foto-Auswahlkünste gleich schlagartig um zwanzig Prozent.

Für meinen Geschmack wird etwas viel Vertrauen ins maschinelle Lernen gesetzt. Beim iPhone und iPad gibt es in der Foto-App eine Rubrik mit der Bezeichnung Für dich. Was dort auftaucht, ist nicht völlig verkehrt. „Die Foto-App könnte noch besser sein“ weiterlesen

Eine App für Orte, an denen man gerne ist

Aus unerfindlichen Gründen nutze ich noch immer die Swarm-App (für Android und iPhone/iPad). Die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch. Unter dem Namen Foursquare hat die seinerzeit für Furore gesorgt. 2010 war es, als diese Check-in-Apps aufkamen und damals für einigen Social-Media-Stress gesorgt hatten. Nebst Foursquare gab es auch Gowalla, das von Facebook 2011 übernommen und 2012 eingestellt wurde.

Die Idee war eigentlich einleuchtend: Man registriert seine Anwesenheit an einem Ort, sodass man von anderen dort gefunden werden kann. Wenn jemand dazustossen möchte, kann er das tun. Spontane Treffen, wie sie nur mit dem Internet möglich sind.

Ich weiss nicht, wie es euch geht – aber für mich hat diese Idee nicht funktioniert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dank einer dieser Apps jemals jemanden spontan getroffen hätte. Die Sache ist an mehreren Dingen gescheitert: „Eine App für Orte, an denen man gerne ist“ weiterlesen

Blake Crouch passt gut auf die Lesecouch

Ich bin neulich über das Buch «Dark Matter» gestolpert. Das Leseerlebnis war erfreulich, weswegen sogleich die Frage aufgetaucht ist: Wer ist der Autor, dieser Blake Crouch? Und war das nur ein Zufallstreffer oder würde es sich lohnen, noch etwas tiefer in dessen Werk einzutauchen?

Wikipedia ist kurz angebunden, und das, was man dort lesen kann, ist offensichtlich von Crouchs Homepage abgeschrieben, die auch eher auf der dürftigen, selbstgebastelten Seite angesiedelt ist. Es gibt ihn aber immerhin auf Twitter und Facebook, wobei sich aus dem Stöbern durch die sozialmedialen Ergüsse kein wirklicher Erkenntnisgewinn ergibt. Es bleibt mir daher nichts anderes übrig, als noch ein Buch von ihm zu lesen.

Das ist Pines (Amazon Affiliate), der erste Teil aus der Wayward Pines Trilogy. Die gibt es auch als Fernsehserie. Und in Buchform auf Deutsch, wobei der erste Band Psychose heisst. Und man kann fast nichts von der Geschichte erzählen, ohne zu viel zu verraten. Ausser natürlich den Klappentext: „Blake Crouch passt gut auf die Lesecouch“ weiterlesen

Diese Foto-App macht vor gar nichts Halt

Die meisten Bildbearbeitungs-Apps fürs iPhone haben mit Live-Fotos nichts am Hut. Sie bearbeiten das Standbild, nicht aber die kurze Bewegtsequenz. Das ist meistens nicht tragisch. Wenn man ein Bild für die Weitergabe per Messenger oder die Veröffentlichung auf einer Social-Media-Plattform aufbereitet, dann wird aus dem Live-Foto fast überall ein Nicht-Live-Schnappschuss. Apple hat es verpasst, einen Standard zu entwickeln, mit dem man die Live-Fotos auch leicht auf seiner eigenen Website präsentieren könnte.

Für Bearbeitungen, die am Live-Foto erhalten bleiben sollen, muss man zur Standard-Fotos-App greifen. Was man mit der macht, erstreckt sich auch auf den «lebendigen» Teil der Aufnahme.

Oder man probiert sein Glück mit der Infltr-App. Sie behauptet von sich zwei Dinge. Erstens: Sie könne «alles» bearbeiten. Nebst normalen Fotos auch Live-Fotos, Videos, Fotos mit Tiefeninformationen und Moments. Das sind die automatisch generierten Rückblick-Filme, die man inzwischen allerdings sehr gut auch mit den Mitteln des Betriebssystems verändert und verbessert.

Zweitens liefert die App Filter. Und zwar «unendlich viele», wie sie behauptet. „Diese Foto-App macht vor gar nichts Halt“ weiterlesen

So machen digitale Postkarten keinen Spass

Eines der weniger prominenten Opfer des Medienwandels ist die Postkarte. Die dürfte in den letzten Jahren schwer unter die Räder gekommen sein. Bei mir gehörte es früher zum Ferienritual, etwa ein halbes Dutzend möglichst kitschiger Karten auf den Weg zu schicken. Heute macht man eher eine Live-Reportage via WhatsApp, belästigt die Leute auf Facebook mit seinen Schnappschüssen von Sonne, Meer und Sonnenschirmen (unter denen man entweder selbst liegt oder die man in seinem Longdrink stecken hat).

Oder man schickt Postkarten mit eigenen Motiven, die man per Smartphone fabriziert und über einschlägige Dienstleister verschickt. Das mindert die Auswirkungen des Medienwandels ein bisschen: Papierhersteller und Druckdienstleister bleiben im Spiel. Doch die Fotografen und Postkartenverkäufer gehen leer aus. Und die Post kommt beim Porto auf die Rechnung.

Auf die Schnelle habe ich keine Statistik gefunden, die den Rückgang in Zahlen ausdrücken würde. Auf statista.com gibt es zwei Auswertungen: 2016 verschickten demnach noch immer 78 Prozent der Deutschen Postkarten, was zur Überschrift «Lang leben die Postkarte» Anlass gab. WhatsApp und andere Messenger rangieren mit 36 Prozent auf Platz zwei. (Man darf offensichtlich auch mehr als eine Form der Feriengruss-Übermittlung wählen.)

2018 war das lange Leben der Postkarte dann offensichtlich auch schon vorbei. „So machen digitale Postkarten keinen Spass“ weiterlesen

Das Smartphone hat noch fünf Jahre

Ist es ein Hype – oder echter Fortschritt? Die Frage muss man sich bei der Augmented Reality (AR) stellen. Die erweiterte Realität ist in der Theorie eine super-faszinierende Angelegenheit. Die Welt, wie wir sie sehen und durchstreifen, wird durch künstliche Elemente ergänzt. Die richtige und die simulierte Welt fangen an, sich zu durchdringen und ineinander überzugehen.

Das ist eine Horrorvorstellung für Leute, die finden, die Leute würden heute schon zu viel in ihr Smartphone glotzen. Ich verstehe schon, dass Leute finden, eine klare Trennung zwischen den Sphären sei sinnvoll: Hier das richtige Leben mit den echten Freunden. Dort der Cyberspace mit seinen sozialen Medien.

Aber natürlich lässt sich das heute schon nicht so klar mehr trennen – dafür gibt es im Alltag schon viel zu viel verborgene digitale Technik, die uns lenkt und beeinflusst. Darum ist AR nur eine besonders offensichtliche Manifestation einer Entwicklung, die viel weiter geht.

Trotzdem hatte ich den Eindruck, die Augmented Reality in der jetztigen Form sei ein wahnsinniger Hype. „Das Smartphone hat noch fünf Jahre“ weiterlesen

Der gefälschte Hitler

Die Macher des «Stern» zeigen die Grösse, die unrühmlichste Affäre aus der Geschichte des Magazins in einer ausführlichen Podcast-Reihe aufzuarbeiten. Die heisst Faking Hitler und ist über diese Adresse hier abonnierbar.

Die Geschichte dürfte allen bekannt sein, die sich entweder ansatzweise für Medien interessieren oder aber den Film Schtonk! gesehen haben. (Der die Affäre für einen satirischen Spielfilm ziemlich adäquat darstellt.) Gerd Heidemann ist der Der beste Mann im Stall des «Stern», der von Henri Nannen, seines Zeichens ebenfalls Journalistenlegende, jeweils für die besonders kniffligen Recherchen aufgeboten wurde.

Heidemann hat eine kleine Schwäche für Überbleibsel des tausendjährigen Reiches. Er hat, wie «Schtonk!» zu sehen, tatsächlich Hermann Görings Yacht «Carin II» für sich gekauft, und verkehrte gerne in den Kreisen, in denen ein schwungvoller Handel mit Hinterlassenschaften von Nazi-Grössen stattfand. So bekam er auch Wind von angeblichen Hitler-Tagebüchern, die angeblich auf dem Schwarzmarkt angeboten worden waren.

Und sogleich gingen Heidemanns Leidenschaft für Nazikram mit dem Jagdinstinkt des Reporters eine unheilvolle Verbindung ein. Heidemann spürte den Verkäufer der Bücher, Conny Fischer auf und erwarb zwischen 1981 und 1983 tranchenweise 62 Bände dieser vermentlichen Hitler-Memoiren. „Der gefälschte Hitler“ weiterlesen