Microsoft, so kann ich immer noch nicht arbeiten

Neulich habe ich mich über Mietsoftware aufgeregt. Beileibe nicht zum ersten Mal – siehe Microsoft, so kann ich nicht arbeiten, Adobe, so kann ich nicht arbeiten und I love you, you pay my rent. Der Grund dieses Mal: Ich habe bei meinem Microsoft-Konto auf die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgeschaltet. Bei Microsoft heisst das zweistufige Überprüfung. Hier gibt es eine kurze Beschreibung und im Video hier führe ich es vor.

Diese Änderung hatte eine unerwartete Nebenwirkung. Als ich das nächste Mal mit Word etwas schreiben wollte, war das nicht möglich. Office war nicht einsatzbereit. Nicht nur das: Das Programm war überhaupt nicht mehr da. Ich würde vermuten, dass Office 365 nicht komplett gelöscht, sondern versteckt worden ist. Aber egal – das Resultat war, dass ich noch nicht mal mehr ein vorhandenes Dokument öffnen konnte.

Das ist genauso überraschend wie ärgerlich. Ich war der Meinung, dass Office in den reduced functionality mode wechselt, wenn die Gültigkeit des Abos nicht überprüft werden kann. So steht es hier kurz und bündig für die Home- und Personal-Versionen und hier ausführlich für die Business-Varianten.

Ausserdem gab es keine Gnadenfrist oder Warnung. Die Programme waren einfach weg. Etwa so, wie man bei einem nicht ganz standesgemäss operierenden Autohändler einen fahrbaren Untersatz least und eine Zahlung verpasst – da wird nicht lang gefakelt, sondern das Auto vom Parkplatz «abgeholt». John Oliver hat einmal ausführlich erklärt, wie dieses Repossessing funktioniert.

Also, ein ähnlich charmantes Geschäft wie der Softwareverleih. Und, liebe Microsoft-Anwälte, bevor ihr mich verklagt: Das war überspitzt und ironisch gemeint.

Jedenfalls muss man sich fragen, ob hier etwas schief gelaufen ist – oder ob Microsoft schlicht nicht an den Fall gedacht hat, dass jemand auf die Idee kommen könnte, Knall auf Fall die Zwei-Faktor-Authentifizierung einzuschalten.

Natürlich fragt man sich auch, was man tun könnte, um seine Programme zurückzubekommen. Muss man den ganzen Quark neu installieren? Oder vielleicht gar die Zwei-Faktor-Authentifizierung wieder abschalten? Oder in ein anderes Paralleluniversum übertreten, wo die dortigen Microsoft-Mitarbeiter die Sache etwas besser überlegt haben – oder wo diese Mietsoftware nie erfunden wurde?

Das Mein-Office-Programm, das verschwundene Programme wieder hervorgezaubert hat. (Nachdem es irgendwann die Verbindungsprobleme überwunden hat.)

Nein, es geht zum Glück einfacher. Microsoft liefert ein Programm mit, das die Programme schnell und verhältnismässig einfach wieder hervorzaubert. Man meldet sich an, führt den Zwei-Faktor-Zinnober durch und erhält dann seine Programme zurück. Zumindest klappt das so, wenn Microsofts Server gefunden werden – was bei mir erst nicht der Fall war. Vielleicht haben die Serverprobleme auch das ursprüngliche Problem ausgelöst. Wie man hier liest, hatte Microsoft in letzter Zeit häufiger Probleme mit seinen Diensten. Siehe z.B. Neuer Ausfall in Microsofts Cloud: Microsoft 365 betroffen.

Nachdem ich begriffen hatte, wie man mit dem Mein-Office-Programm arbeitet, wurde es auch schon wieder durch diese App hier abgelöst.

Das Programm, das man für solche Zwecke verwendet, trägt den schönen Namen Mein Office. Naja, zumindest war das bis vor Kurzem der Fall. Als ich das Programm während der Arbeit an diesem Beitrag hier noch schnell inspizieren wollte, war es nicht mehr auffindbar. Dieser Beitrag hier verrät, dass Microsoft Mein Office durch die Windows-Store-App Office ersetzt hat.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wiederhole: Aber diese Mietsoftware ist zum umständlich und zu fehleranfällig. Ich weiss nicht, was Microsoft für ein Bild seiner Nutzer hat. Aber was mich angeht, ist es eben nicht so, dass ich Zeit oder Lust hätte, ungefähr so zwei, drei Stunden pro Tag in die Betreuung meiner Software-Abos und der Mietprogramme zu investieren.

Nein, es ist vielmehr so, dass ich die Programme zum Arbeiten verwenden will. Das heisst: Wenn ich auf ein Programm-Icon klicke, dann erwarte ich ein startendes Programm, und kein Theater. Es bleibt dabei: Theoretisch hat Mietsoftware einleuchtende Vorteile. In der Praxis ist und bleibt sie ein Debakel.

Beitragsbild: Die verschwindet wenigstens nicht sang- und klanglos vom Desktop (rawpixel.com/Pexels, Pexel-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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