Die Wirkung von Farbe und von Schrift

Seit Ende Februar arbeite ich nicht bei beim «Publisher» (der Zeitschrift und der Website) mit – siehe Eine Ära geht zu Ende. Das bedeutet aber nicht, dass mir die Publishing-Themen künftig völlig egal sein werden. Ich werde sie ab und zu in diesem Blog hier aufgreifen. Denn sie haben mich mehr als zwanzig Jahre begleitet. Von jetzt auf sofort aufzuhören, wäre eine Art kalter Entzug.

Also, in medias res:

Cinema Palettes ist ein Twitter- (bzw. Instagram-Account), der die Farbsetzung in Filmen analysiert. Man sieht ein typisches Standbild aus dem Film, darunter in zehn Farbfeldern die dominierenden Töne.

Es erstaunt nicht, dass die Farbgebung in Filmen kein Zufall ist. Denn der Film lebt davon, dass seine Wirkung nur zu einem Teil von der Handlung und den Schauspielern abhängt. Unterschwellig genauso wichtig sind Musik und Geräusche, und eben die Farben. Deren Wirkung wird durch Kulissen, Kostüme und Beleuchtung gesteuert. Und durch die Nachbearbeitung. In Englisch heisst das Color Grading, in Deutsch Farbkorrektur. Wobei der deutsche Begriff meiner Meinung nach Unsinn ist. Es geht nicht ums Korrigieren, sondern um eine bestimmte Wirkung.

Eine Korrektur wäre es nur dann, wenn man eine möglichst neutrale, natürliche Darstellung würde haben wollen. Aber wer das im Spielfilm erwartet, der hat das Medium Film nicht begriffen. Und auch Dokumentarfilme werden so stark auf Wirkung getrimmt, dass man viel öfters darüber diskutieren müsste, wann die Grenzen zur Manipulation überschritten sind.

Praktisch wäre natürlich, wenn es die Paletten auch gleich zum Download gäbe, zum Beispiel bei moviesincolor.com.

Und auch aufschlussreich: Hier werden die Paletten mit Gefühlswelten in Verbindung gebracht: How to Use Color in Film: 50+ Examples of Movie Color Palettes

Bei Schriften muss man wählerisch sein.

Und da ist auch dieses hübsche Fonts-Matter-Mem, das ich bei Facebook gefunden habe. Dass die Schriftwahl die Aussage beeinflusst, wissen wir, seit der Papst seine Enzyklika in Comic Sans verfasst hat (oder so ähnlich).

Hier im creativebloq.com gibt es nebst der Comic Sans noch vier weitere Schriften, die man möglichst meiden sollte:

Die Papyrus, die auf dem Filmplakat für «Avatar» ihr parodistisches Potenzial aufzeigte. Das ist ähnlich gross wie das der Trajan , die als «king of movie posters» gilt, weil sie nicht nur bei «Game of Thrones», sondern auch bei «Titanic», «Minority Report», «A Beautiful Mind» und «Star Wars Episode II» zum Einsatz kam.

Die Mistral, die als Handschrift nur sehr gezielt genutzt werden dürfte, aber allenthalben gedankenlos auf irgendwelche Texte geklatscht wird.

Und vor allem auch die Helvetica, ein Schweizer Klassiker. Nicht weil die Schrift schlecht wäre, sondern weil sie einfach viel zu oft verwendet wurde – in Logos und in vielen Nachfolge-Fonts, die sich an ihr orientieren.

Das ist übrigens eine gute Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass es über die Helvetica sogar einen Kurzfilm gibt. Der Regisseur und Produzent ist ein Mann namens Gary Hustwit. Leider habe ich keine Quelle gefunden, wo man den Film in voller Länge im Netz sehen könnte (ggf. auch gegen Geld). Wenn jemand einen Tipp hat: Bitte in die Kommentare damit!

Beitragsbild: Ausschnitt aus der Grafik Color in Film aus dem erwähnten Beitrag von studiobinder.com.

Autor: Matthias

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