7-Zip sollte jeder kennen

Ich bespreche hier nicht immer nur brandneue Programme, sondern manchmal auch die Klassiker – die es schon seit (fast) immer gibt und die nicht wegzudenken sind. Weil sie so selbstverständlich sind, könnte man meinen, sie seien nicht der Rede wert. Doch wenn man sie einmal nicht zur Verfügung hat, sieht man, wie falsch diese Annahme ist.

Eines dieser unverzichtbaren Programme ist 7-Zip. Das gibt es (laut Wikipedia) seit 1999, und es sieht aus, als sei seit der erste Version an der Oberfläche rein gar nichts mehr verändert worden: Es ist optisch ein ziemlich dröges Programm – so, wie es sich für ein Open-Source-Produkt gehört. Was dieses Programm ausmacht, sind die inneren Stärken: Es beherrscht viele der gängigen Formaten für die Datenkompression.

Wem dieser Begriff nichts sagt: Die Datenkompression verringert die Grösse von Dateien, indem wiederkehrende Datenmuster verkürzt abgespeichert werden.  Das funktioniert hervorragend bei Formaten, die relativ viel «Luft» enthalten, weil zum Beispiel viele binäre Nullwerte vorkommen. Hundert Nullen nacheinander kann man einfach durch 100 mal 0 abkürzen – natürlich vereinfacht gesprochen.

Diese Verkleinerung hat an Bedeutung verloren, wo wir Daten über Glasfasern mit Hunderten oder Tausenden von Megabits pro Sekunde übermitteln. Zu Zeiten des Dial-Up-Modems hat das aber markante Zeitersparnisse beim Datentransfer ermöglicht. Und da früher auch die Festplatten kleiner waren, hat man sich über den eingesparten Platz beim Archivieren sehr gefreut.

Die zweite Funktion ist auch heute nach wie vor noch wichtig: Das ist die Möglichkeit, ganze Ordnerstrukturen mit vielen Dateien in eine einzige Datei zu verpacken. Auf diese Weise bereitet man ein Verzeichnis mit Unterordnern und dem gesamten Inhalt für den Versand via Netz oder Datenträger vor. Der Empfänger packt diese Datei dann wieder aus und findet die ursprüngliche Ordnung vor. Man stelle sich vor, man müsste diese Dateien einzeln senden und erklären, wo der Empfänger sie am Zielort ablegen muss!

Windows und Mac enthalten inzwischen eingebaute Methoden zum Ent- und Verpacken solcher Archive. Microsoft erklärt die Sache im Beitrag Zippen und Entzippen von Dateien, Apple im Beitrag Komprimieren und Dekomprimieren von Dateien und Ordnern. Bei beiden Systemen kommt das weit verbreitete ZIP-Format zum Einsatz.

Doch es gibt noch andere Formate – und mehr Möglichkeiten für die Archivdateien. Und an dieser Stelle kommt 7-ZIP ins Spiel. Dieses kostenlose Open-Source-Programm verpackt und entpackt namentlich zip, bzip2, gzip und tar. Weitere Archivformate, denen man im Netz immer mal wieder begegnet, lassen sich entpacken. Dazu gehören ARJ (.arj), LHArc (.lzh, .lha), RAR, Microsoft Cabinet (.cab) und Windows-Installer-Dateien (.msi).

Nicht nur das 7-Zip entpackt auch viele komprimierte Dateiformate wie Flash Video und kompilierte HTML-Hilfedateien. Und man kann Festplatten-Abbilder in diversen Formaten ansehen, zum Beispiel Apple Disk Image (.dmg), ISO-Abbilder, Microsofts Virtual Hard Disk (.vhd), Universal Disk Format für/von DVDs (.udf) und Virtual Floppy Disk (.vfd).

Eine Augenweide ist dieses Programm nicht.

Das macht 7-Zip zu einem vielseitigen, nützlichen Hilfsprogramm für allerlei Situationen. Die Bedienung ist, so wie die Oberfläche,  gewöhnungsbedürftig: Das Hauptfenster zeigt eine Windows-Explorer-artike Ansicht. Verwirrend an der ist, dass sie sowohl die in einem Archiv enthaltenen Dateien, als das ganz normale Dateisystem anzeigt. Öffnet man eine Archivdatei, sieht man deren Inhalt und kann Dateien aus dem Archiv auspacken und dem Archiv hinzufügen. Navigiert man ausserhalb eines Archivs durch die Verzeichnisse seiner Festplatte, kann man Ordner und Dateien in neue oder bestehende Archive einfügen.

Die Nutzung wäre für neue Anwender wahrscheinlich einfacher, wenn sich Archive optisch von der normalen Festplattenstruktur unterscheiden würden. Die kommerzielle Alternative WinZip, die ich jahrelang benutzt habe, macht es einfacher: Hier sieht man nur den Inhalt von Archivdateien. Mit dem normalen Dateisystem interagiert man per Drag&Drop oder über Dialoge.

Der Dialog zum Hinzufügen von Dateien zu einem Archiv bietet sehr viele Optionen an. Man kann ihn aber auch elegant umschiffen.

Bei 7-Zip öffnet man in dieser Explorer-artigen Ansicht Archive per Doppelklick. Über Entpacken packt man Dateien aus, über Hinzufügen legt man Dateien in ein Archiv. Um ein neues Archiv zu erstellen, wählt man Dateien ausserhalb eines Archivs aus und klickt auf Hinzufügen. Im Dialog, der erschreckend komplex wirkt, wählt man den Namen des Archivs und viele weitere Parameter, namentlich folgende:

  • Archivformat: Ich nutze normalerweise zip, weil das die höchste Kompatibilität hat.
  • Kompressionsstärke: Maximum ergibt die kleinsten Dateien, braucht aber mehr Zeit als normal oder schnell. Erstaunlicherweise gibt es noch eine Stufe mehr als Maximum, nämlich Ultra.
  • Kompressionsverfahren: Hier hat man viele Methoden zur Auswahl, wobei man Informatik studiert haben muss, um die Unterschiede zu würdigen. Ich belasse es hier bei der Voreinstellung. Wenn es darum geht, Archive zu optimieren, könnte man experimentieren, ob eine andere Methode bessere Resultate ergibt. In der Hilfe gibt es eine Beschreibung zu den Methoden.
  • In Teildateien aufsplitten: Diese Option ist praktisch, wenn man ein Archiv hat, das grösser ist als das Medium, mit dem man es ausliefern möchte. Man eine grosse Datei so aufteilen, dass sie auf mehrere CDs, DVDs oder USB-Speichermedien passt.
  • Art der Aktualisierung: Das ist nur dann relevant, wenn man ein bestehendes Archiv aktualisiert. Die Standardeinstellung Hinzufügen und ersetzen fügt alle Dateien zum Archiv hinzu. Aktualisieren und hinzufügen bringt die Dateien, die bereits vorhanden sind, auf den neuesten Stand ud ergänzt noch nicht vorhandene Dateien. Vorhandene Dateien aktualisieren ersetzt bereits vorhandene Dateien. Der Unterschied liegt in der Geschwindigkeit, da mit der Standardeinstellung alle hinzugefügten Dateien verändert werden, mit einer der anderen Optionen aber nur die Dateien, die gegenüber den vorhandenen Varianten verändert wurden. Die Option Synchronisieren ist am radikalsten: Sie löscht die Dateien aus dem Archiv, die dem Archiv nicht hinzugefügt wurden.
  • Verzeichnisstruktur: Relative Pfadangaben fügt nur Ordner und Unterordner hinzu, nicht aber die übergeordneten Verzeichnisse. Das ist normalerweise gewünscht, weil der Empfänger eine Datei wahrscheinlich eine andere Ordnung auf seiner Festplatte pflegt als der Ersteller. Wenn es auf die exakte Dateistruktur ankommt, wählt man Komplette Pfadangaben oder Absolute Pfadangaben.

Die Option Selbstentpackendes Archiv (SFX) erstellen, erzeugt eine Exe-Datei, die (auf dem passenden Betriebssystem) automatisch ausgepackt wird. Das war praktisch zu Zeiten, als die Unterstützung von Zip-Dateien bei Windows und Mac noch nicht standardmässig vorhanden war: Man konnte so Leuten Archive zustellen, ohne sich sorgen zu müssen, ob die sie auch auspacken können. Heute würde ich auf die Option wann immer möglich verzichten, weil Exe-Dateien bei der Übermittlung (vor allem per Mail) oft von Virenscannern oder anderen Filtern eliminiert werden.

Diese Option steht nur bei 7z-Dateien zur Verfügung. Die 7z-Komprimierungsmethode gilt zwar als effizient, ist aber nicht sehr weit verbreitet, weswegen ich sie nicht nutzen würde.

Zum Schreiben geöffnete Dateien einbeziehen kann dazu führen, dass diese geöffneten Dateien beim Empfänger nicht verwendet werden können. Sinnvoller ist in solchen Fällen, die Datei zuerst zu schliessen und erst dann dem Archiv hinzuzufügen.

Dateien nach der Komprimierung löschen ist sinnvoll, wenn man Dateien in ein Archiv verräumen möchte. Sie harmoniert auch bestens mit der Verschlüsselungsfunktion: Man kann so Dateien in ein Archiv verpacken, das nur mittels Passwort geöffnet werden kann. Auf diese Weise sichert man sensible Daten zusätzlich ab. Die ausserhalb des Archivs gespeicherte unverschlüsselten Dateien müssen natürlich zur Sicherheit entfernt werden.

Die Verschlüsselung ist praktisch, wenn man heikle Daten über Online-Datenspeicher wie Dropbox, iCloud oder OneDrive zur Verfügung stellen möchte. Wenn man den Leuten, die Zugriff auf das Archiv haben sollen, das Passwort auf einem sicheren Weg zukommen lässt, wird die Missbrauchsgefahr massiv verringert. Man kann verschlüsselte Archive auch per Mail senden. Man muss allerdings damit rechnen, dass sie nicht ankommen. Manche Viren haben sich über verschlüsselte Zip-Dateien verbreitet: Wegen der Verschlüsselung konnte der Virenscanner sie nicht überprüfen. Dafür musste der Empfänger willens sein, sie mit Hilfe des mitgelieferten Passworts zu entpacken.

7-Zip integriert sich auch ins Kontextmenü des Windows-Explorers. Durch Rechtsklick auf eine oder mehrere Dateien/Ordner  und den Menüpunkt 7-Zip verpackt man die ausgewählten Inhalte: Der Befehl Hinzufügen zeigt den beschriebenen Dialog an.

Mit Hinzufügen zu [Archivname] wird automatisch ein Archiv mit den Namen des ausgewählten Ordners oder, bei mehreren Dateien, des übergeordneten Vrzeichnisses angelegt. Das geht sehr schnell, weil man sich den komplizierten Dialog spart und mit den Standardeinstellungen operiert. Noch schneller geht es mit der Option Hinzufügen zu [Archivname] und versenden: Sie verpackt die Datei und fügt sie als Anhang einem neuen Mail hinzu, sodass man sie gleich losschicken kann.

Der Dialog zum Auspacken von Dateien aus einem Archiv.

Auch das Auspacken von Archivdateien ist über das Kontextmenü im Explorer einfacher als über die 7-Zip-Oberfläche. Beim Klick auf eine Archivdatei hat man die Möglichkeit, das Archiv zu öffnen oder gleich auszupacken. 7-Zip > Dateien entpacken… zeigt einen Dialog an, in dem man Speicherort mit dem Namen des Unterordners angibt. Man kann auch wählen, ob die Pfadangaben berücksichtigt und die Dateiattribute wiederhergestellt werden sollen. Bei einer verschlüsselten Datei muss man natürlich das Passwort angeben.

Noch schneller geht es mit den anderen Optionen: 7-Zip > Hier entpacken legt die enthaltenen Dateien im gleichen Ordner wie die Archivdatei. Entpacken nach [Name] legt die Dateien in einen Unterordner mit dem gleichen Namen des Archivs.

Fazit: Man merkt diesem Programm an, dass es sich (trotz der wenig eleganten Erscheinung) über Jahre bewährt hat. Und es kann noch mehr: Es lässt sich als Befehlszeilen-Tool auch in Scriptabläufe einbinden und zur Automatisierung verwenden.

Und das Programm kann noch mehr: Markiert man in der Oberfläche einen Ordner oder eine Datei, berechnet der Befehl Datei > CRC eine Prüfsumme. Diese Prüfsumme ändert sich, sobald an irgend einer Stelle nur ein Bit verändert wurde. Man kann auch Archive überprüfen und so erkennen, wenn Veränderungen aufgetreten sind und sich zum Beispiel Fehler eingeschlichen haben. Zur Prüfsumme verrät auch der Beitrag War da jemand an meinen Daten? mehr.

Zwei abschliessende Tipps:

  • Damit das Kontextmenü übersichtlich bleibt, empfehle ich, bei Extras > Optionen im Reiter 7-Zip in der Liste Einträge im Kontextmenü alles abzuschalten, was man nicht unbedingt benötigt. Wenn man nicht mit dem 7z-Format arbeitet, braucht man die korrespondierenden Befehle im Kontextmenü auch nicht. Auch der Befehl für die Prüfsumme (CRC SHA) ist im Kontextmenü für die meisten Nutzer nicht nötig.
  • Für den Mac gibt es bislang keine 7-Zip-Version. Der Entwickler, Igor Wiktorowitsch Pavlov, empfiehlt aber Keka, ein ebenfalls kostenloses Programm.

Beitragsbild: Auch Dateien sollten vor einer Reise gut verpackt werden. (Free-Photos/Pixabay, CC0)

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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