Tastenakrobatik fürs Web

Es ist mir etwas peinlich, aber diese Erkenntnis hier habe ich Facebook zu verdanken. Das soziale Netzwerk, das in vielen Leute unsoziale Neigungen fördert, hat mich auf eine nützliche Funktion aufmerksam gemacht. Ich wusste, dass die bei vielen Websites da ist – aber ich habe die Nutzung noch nicht so richtig verinnerlicht. Dabei spart man mit ihr Zeit und kommt als echter Power-User rüber. (Auch wenn echte Power-User ihre Zeit wahrscheinlich nicht auf Facebook verplempern.)

Es geht um die Tastaturkürzel. Sie sind bei «richtigen» Anwendungen nützlich, und es gibt sie immer öfters auch bei Webseiten. Facebook zeigt in einer (nicht immer sichtbaren) Fussleiste ein kleines Symbol an, über das man eine Übersicht der vorhandenen Kürzel abrufen kann. Es geht aber auch per Tastaturkürzel: Das ? bringt (meistens, aber jetzt, wo ich den Beitrag schreibe, gerade nicht) ein Overlay mit allen Kürzeln zum Vorschein. Die Kürzel funktionieren aber trotzdem: j springt zum nächsten Post, k zum vorherigen. Mit Enter öffnet man die Meldung. Mit p schreibt man einen neuen Erguss Beitrag. Mit l fügt man ein Like hinzu, mit c einen Kommentar. Und das s ist für Share.

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Einen fotografischen Anfängerfehler korrigieren

Neulich habe ich die Nikon Z6 getestet. Dabei ist mir ein peinlicher Anfängerfehler unterlaufen. Ich habe bei der Inbetriebnahme nämlich die Datums- und Zeiteinstellung nicht überprüft. Allerdings hat mich die Kamera auch nicht dazu aufgefordert, wie wohlerzogene Kameras das tun sollten. Vielleicht war sie als Journi-Testgerät schon vorkonfiguriert (bzw. verkonfiguriert). Oder sie verzichtete darauf, weil sie per GPS oder über die App automatisch mit der richtigen Zeiteinstellung versorgt werden könnte.

Wie auch immer: Wegen meines Versäumnisses behaupteten nun einige meiner Testbilder in den Metadaten, sie seien schon im Februar dieses Jahres aufgenommen worden. Das bringt jegliche Sortierung in irgend einer App durcheinander und ist allein deswegen inakzeptabel. Aber natürlich fordert ein Metadaten-Pedant wie ich schon aus Prinzip, dass Fotos ein korrektes Aufnahmedatum aufweisen.

In Lightroom kann man das Aufnahmedatum bekanntlich einfach korrigieren. „Einen fotografischen Anfängerfehler korrigieren“ weiterlesen

Wie man Erinnerungen manipuliert

Vor einiger Zeit habe ich über die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sinniert. Wir habe immer mehr Möglichkeiten, mit Computern zu interagieren. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Was wäre, wenn wir Hirn und Chip direkt verbinden könnten? Wir würden uns Maus, Tastatur und Touchscreen sparen und könnten direkt in künstliche Welten eintauchen. Perfekte Immersion zu Lebzeiten. Und nach dem Tod womöglich die Chance, in emulierter Form weiterzuleben.

Das ist der Stoff, aus dem Sciencefiction-Romane sind. Andreas Eschbach hat ihn in seiner Black out/Hide out/Time out-Trilogie behandelt. Im (bislang offenbar nicht in Deutsch  erhältlichen) Buch Game Changer von Douglas E. Richards geht es um dieses Thema – aber aus einer etwas anderen und durchaus interessanten Perspektive.

In der nahen Zukunft haben die Neurowissenschaften rasante Fortschritte gemacht. Es ist möglich, Nanobots ins Hirn zu verpflanzen. Die interagieren nicht direkt mit einem System. Entsprechend ist es nicht möglich, mittels Gedanken zu kommunizieren und einen Computer zu steuern, so wie das in Eschbachs Geschichte passiert. Die Nanobots bauen eine Einweg-Verbindung auf: Sie beeinflussen die neuronalen Verknüpfungen und legen (komplett erfundene) Erinnerungen im Kopf eines Menschen ab. Sie können Gefühle wecken und stimulieren und einen epileptischen Anfall auslösen. Doch der Träger dieser Nanobots merkt nicht, dass sie da sind – und er ist komplett ahnungslos, während er aufs Übelste manipuliert wird.

Douglas E. Richards setzt bei den aktuellen Erkenntnissen zum Gedächtnis an, die der «New Yorker» in einem grossen Stück ausbreitet: You have no idea what happened, ist die Erkenntnis. Malcom Gladwell ist ein ehemaliger Autor des «New Yorker», und er geht dem Phänomen in den letzten drei Folgen der dritten Staffel seines «Revisionist History»-Podcasts nach (hier, hier und hier). Er macht es sehr deutlich: Unsere Erinnerungen funktionieren eben nicht wie Aufzeichnungen auf einer Festplatte. Sie sind trügerisch.  „Wie man Erinnerungen manipuliert“ weiterlesen

Tricks fürs Jagen und Sammeln im Web

Die Browser wandeln sich. Wenn wir uns zurück erinnern, wie sie früher ausgesehen haben, dann packt uns das nackte Grauen. Naja, mich wenigstens. Andere werden vielleicht sentimental – denn es gibt Leute, die Anstrengungen unternehmen, damit «Windows 10 im XP-Look erstrahlt» (echt jetzt, «PC-Tippp»?!)

Allerdings bleiben gewisse Funktionen unangetastet. Zum Beispiel die Lesezeichen, neudeutsch Bookmarks. Die gibt es, seit es Browser gibt. Doch meine Theorie ist, dass sie selten genutzt werden – zugegeben, die Theorie basiert auf anekdotische Evidenz, wobei ich mich auf mich selbst berufe.

Mit anderen Worten: Ich nutze kaum mehr Lesezeichen; und ich erkläre im Video hier auch, weshalb das so ist: „Tricks fürs Jagen und Sammeln im Web“ weiterlesen

Die Digitalisierung des Portemonnaies

Neulich bin ich doch tatsächlich über meinen Schatten gesprungen. Und ich habe etwas gemacht, von dem ich dachte, dass ich es nie jemals machen würde. Ich habe nämlich mit Twint bezahlt. Twint ist das bargeldlose Zahlungssystem der Post, das es seit 2014 gibt. Ich hatte die App (für Android und iPhone) schon länger auf meinem Telefon, aber ich habe sie nie benutzt. Man hätte nämlich ein Guthaben deponieren müssen, und das war mir zu umständlich.

Nun hat mich maege aufgeklärt (ich glaube in dieser Nerdfunk-Sendung vom kommenden Mittwoch), dass es das Prepaid-Guthaben nicht braucht, wenn man so schlau ist, nicht die normale Twint-App herunterzuladen, sondern die seines Finanzinstituts. In meinem Fall ist das die Twint-App der ZKB, die es ebenfalls fürs iPhone und für Android gibt. Inzwischen wird das in der Prepaid-Variante der App auch so erklärt – aber ursprünglich war das, falls ich mich richtig erinnere, nicht der Fall. Ich nehme an, das hat damit zu tun, dass inzwischen auch einige Banken an Bord sind. Inzwischen gibt UBS, die Raiffeisen, CS und weitere.

Ist das ein Grund für Begeisterung? Ich bin zwiegespalten. Einerseits halte ich Bargeld nach wie vor für eine gute Sache:  „Die Digitalisierung des Portemonnaies“ weiterlesen

Verhungere nicht. (Und zünde dich nicht an.)

«Don’t starve, bitte nicht verhungern», ist ein guter Ratschlag für viele Regionen dieser Erde. Bei uns müsste er mutmasslich eher «Überfriss dich nicht» heissen. Aber das ist eine moralische Betrachtungsweise, die für das Thema nicht angebracht ist. Denn wenn man mit Moral ans Werk gehen möchte, wäre die Empfehlung wahrscheinlich: «Willst du nicht lieber an die frische Luft gehen, statt schon wieder am Smartphone/Computer abzuhängen?»

Da ich ein Stubenhocker bin, wäre die Antwort auf diese Frage sowieso ein klares Nein. Es geht um ein Spiel, das man auf allen möglichen und unmöglichen Plattformen spielen kann. Windows, Mac und Windows bei Steam, iPhone und iPad und Android, um nur einige zu nennen. Der Preis variiert je nach Plattform und Darreichungsform (Bundles) und beläuft sich irgendwo zwischen 10.50 Franken und 99 Rappen. Ich glaube, ich habe 4.50 dafür bezahlt.

In «Don’t starve» regnet es häufig, und die Hauptfigur hat dementsprechend schlechte Laune. Sie irrt durch eine karge Welt und muss sehen, wie sie nicht vom Fleisch fällt. Dazu sammelt sie Beeren, Blütenblätter und andere Dinge. Manche lassen sich direkt vertilgen, doch wer mit der menschlichen Natur (oder Minecraft) vertraut ist, der weiss natürlich, dass es damit nicht getan ist. Man möchte die Welt um einen herum verändern, gemütlicher machen und seine Existenz vom nackten Überlebenskampf in ein angenehmes Dasein verlagern.

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Spass mit und ohne Schwerkraft

Impossible Orbit ist ein hübsches kleines Spiel von Lucas Klein, das für 1 Franken fürs iPhone und für Android zu haben ist. Die Ausgangslage ist die folgende: Man hat ein leeres Stück Universum, das mit Himmelskörper bereichert werden soll. Da es sich nicht um ein Sonnensystem handelt, sondern um ein Stück interplanetaren Raum, sind es keine Planeten, sondern allenfalls Asteroiden, die um ein imaginäres Zentrum kreisen.

Natürlich, Florian Freistetter würde nun sofort widersprechen und erklären, weswegen ein Asteroid das nicht tun würde. Klar, fehlende Gravitation. Ausserdem die Frage, ob es überhaupt Asteroiden ausserhalb der Sonnensysteme gibt. Wie es der Zufall will, hat er vor Kurzem zur Frage Gibt es interstellare Asteroiden im Sonnensystem? gebloggt. Fazit:

Ich gehe eigentlich fest davon aus, dass es im Sonnensystem interstellare Asteroiden gibt. Alles andere wäre höchst seltsam.

Aber auch die Herleitung dieser Vermutung ist lesenswert. Darum der Tipp vor dem eigentlichen Tipp:  „Spass mit und ohne Schwerkraft“ weiterlesen

Nicht zu Ende gedacht, Microsoft

Heute gibt es, wenn ich mich nicht irre, eine Premiere hier im Blog. Ich bespreche nämlich zum allerersten Mal eine App aus dem Microsoft Store (den Tipp hier ausgeklammert). Die Windows-Programme, die hier zum Zug kommen, stammen normalerweise aus dem freien Web und werden nach Art unserer Grosseltern installiert: Man lädt sie herunter, startet den Installer, gibt das Installatonsverzeichnis an, sagt, dass man kein Ikönchen auf dem Desktop haben möchte und wartet, bis die Sache durch ist.

Doch dieses Programm hier ist tatsächlich eine UWP-App. Also ein Universal Windows Platform-Programm. Die sind so konzipiert, dass sie (mit wenig Anpassungsaufwand) auch auf Windows 10 Mobile laufen würden, wenn es denn überhaupt Mobilgeräte für dieses Betriebssystem gäbe. Und man kann sie auf die Xbox bringen, was in dem Fall aber auch nicht sonderlich sinnvoll wäre. Warum, dazu komme ich gleich.

Wie gesagt, der Windows-Store spielt für mich nach wie vor keine Rolle. Dabei hat er ohne Zweifel Vorteile: Die Installation ist einfacher, indem man wie beim iPhone und Android nur einmal zu klicken braucht. Die UWP-Apps haben weniger Möglichkeiten und können das System nicht verhunzen. Trotzdem nutze ich ihn nicht, was mich selbst erstaunt. Das liegt natürlich daran, dass die Programme, die mich interessieren, meistens nicht im Store zu finden sind. Es liegt auch daran, dass ich gar nicht daran denke, im Store nachzusehen. Der Hauptgrund ist aber, dass mir die UWP-Apps optisch nicht besonders gut gefallen. Das reduzierte Design mit den grossen Schriften passt schlecht auf den grossen Desktop, finde ich. Was die Optik angeht, müsste Microsoft noch einmal über die Bücher.

Aber jetzt zum Programm:  „Nicht zu Ende gedacht, Microsoft“ weiterlesen

Fehleinschätzungen und ihre Folgen

Manchmal neige ich zu krasser Selbstüberschätzung. Zum Beispiel dann, wenn ich mir vornehme, ein Thema wie die Datenrettung in einem dreiminütigen Patentrezept-Video erklären zu wollen. Um es vorwegzunehmen: Ich bin grandios gescheitert. Es ist eine zweiteilige Miniserie entstanden. In der geht es erst um die einfacheren Fälle und die etwas pflegeleichteren Programme. Und im zweiten Teil behandle ich die die gröberen Pannen und die etwas anspruchsvolleren Werkzeuge.

Aber ich finde, das passt. Denn wenn man die Methoden zur Datenrettung braucht, dann war irgend eine Form der Fehleinschätzung mit im Spiel. Mutmasslich hat man als Nutzer die Zuverlässigkeit seiner Datenspeicher oder anderer Hardware falsch eingeschätzt. Oder man hat sich überhaupt keine Gedanken über die Sicherheit der Daten gemacht.

Das kommt auch häufiger vor. Es hat natürlich mit der Wahrnehmung zu tun, dass Vergesslichkeit eine rein menschliche Angelegenheit ist. Sie ist, so das Bauchgefühl vieler Techniknutzern, den Computern völlig fremd. Was natürlich eine Fehleinschätzung ist.

Und einen Vorwurf mache ich auch den Softwareherstellern.  „Fehleinschätzungen und ihre Folgen“ weiterlesen

So langsam freunde ich mich mit Systemkameras an

Manchmal tun Blogger und Journalisten den Leuten Unrecht. Heute wäre das um ein Haar passiert. Ich wollte nämlich über die App Wireless Mobile Utility von Nikon (gratis fürs iPhone und Android, aber bitte nicht herunterladen!) herziehen. Die ist dazu da, um Bilder von einer Nikon-Kamera mit WLAN herunterzuladen. Ich habe nämlich im Moment die Nikon Z6 zu Hause, über die an dieser Stelle auch noch ein paar Worte zu verlieren wären. Aber zuerst muss ich die schöne Anekdote fertig machen, die ich hier angefangen habe und die den hehren Zweck verfolgt, auf den Unzulänglichkeiten des Apple App Store herumzureiten.

Also diese App von Nikon, die kurz auch WMU genannt wird: Sie sieht so aus, als ob sie im letzten Jahrtausend entwickelt worden wäre. Und sie macht Unfug: Da hat man eine Kamera, die Bilder mit beeindruckenden 24,5 Megapixeln macht. Und was tut diese App? Sie weiss nichts Besseres, als Fotos auf 300 bis 500 KB herunterzurechnen. Sie überträgt auch keine RAW-Dateien und keine Videos. Da platzt nicht nur mir die Hutschnur, sondern auch vielen anderen Anwendern, wie man in den Kommentaren sieht.

Das Problem liegt allerdings daran, dass ich die falsche App genommen habe. „So langsam freunde ich mich mit Systemkameras an“ weiterlesen