Krze Lnks

Bei einem meiner Videos ging es letzthin um nützliche Sicherheitsinstrumente im Web. Auch Kurz-URLs waren ein Thema: Man kann mit ihnen bekanntlich gefährliche Links kaschieren. Das geht so weit, dass Forbes neulich fünf Gründe aufgezählt hat, weswegen man ganz auf Kurzlinks verzichten müsse. Nebst dem Verschleierungseffekt werden die Kurzlinks oft auch fürs Tracking eingesetzt. Bit.ly zum Beispiel sagt Nutzern genau, wie die Kurzlinks genutzt werden. Das ist das eigentliche Geschäftsmodell: Gratisnutzer bekommen nur eingeschränkte Daten. Wer vollständig von der Datensammelei profitieren möchte, der muss zahlen. Wieviel, schreibt bit.ly nicht; das muss man offensichtlich je nach Branche und Unternehmensgrösse aushandeln.

Das riecht in der Tat nach einem etwas dubiosen Geschäftsmodell. Die Links sind der Kitt, der das Internet zusammenhält. Diesen Kitt zu strecken, respektive zu melken … okay, ihr merkt, dass mir die Metapher gerade um die Ohren fliegt. Was ich eigentlich sagen will:  In einer perfekten Welt würde es die Kurz-URL-Dienste nicht brauchen. Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt.

Für einen spezifischen Zweck sind die Dienste unverzichtbar. Nämlich immer dann, wenn Leute Links abtippen müssen. Niemand will eine URL von zwanzig, vierzig oder noch mehr Zeichen in die Adressleiste seines Browser eintöggeln. Erstens ist es mühsam, zweitens vertippt man sich garantiert. Es wäre nett gewesen, wenn Links von Anfang an auf Kürze getrimmt worden wären. Oder wenn Sir Tim Berners Lee das World Wide Web mit einer Methode zur Linkverkürzung ausgestattet hätte. Hat er aber nicht.

Es könnte sein, dass an dieser Stelle jemand  «QR-Code!» schreit. Denn vor ein paar Jahren gab es dieses Schlagwort Print to web. Ich habe seinerzeit sogar ein Video dazu gemacht. Doch irgendwie haben diese Codes nie so richtig gezündet. Wäre die Scanfunktion von Anfang an bei den Smartphones eingebaut gewesen, dann wäre ihnen vielleicht mehr Erfolg beschieden gewesen. Vielleicht aber auch nicht.

So richtig praktisch ist die Code-Abfotografiererei nicht. Oft will man den Link auch nicht auf dem Handy haben, sondern auf seinem Computerdisplay – und dann muss man sich überlegen, wie man ihn vom Smartphone auf den Desktop-Computer bekommt. Und wenn man, wie ich, Videos macht, wird es noch vertrackter: Denn wie sollte jemand, der zufälligerweise nicht gerade ein zweites Mobiltelefon im Sack hat, den QR-Code in einem Video abfotografieren, das er auf seinem Smartphone schaut?

Immerhin – auch das ist mit WordPress besser geworden: Es gibt dort einen eingebauten URL-Verkürzungsdienst namens wp.me, der automatisch kurze Links zu WordPress-Inhalten generiert, auch für dieses Blog hier. Dieser Artikel müsste zum Beispiel unter dem Link wp.me/pameNV-11Y abrufbar sein. Das macht die Sache etwas besser, weil das wp.me darauf hinweist, dass der Link zu einem WordPress-Inhalt führt. Allerdings muss man dafür mit der Materie vertraut sein. Als Short-URL-Kritiker würde man sagen, dass man auch mit so einem Link Schindluder treiben kann. Und für mich ist ein Problem, dass man, so viel ich weiss, nicht wie bei bit.ly einen individuellen Code vergeben kann. Das erschwert den Einsatz fürs Video.

Wer hier draufklickt, ist selber schuld.

Aber es gibt eine wirklich gute Alternative. Die heisst shadyurl.com: Dieser Dienst macht aus kurzen, harmlosen Links lange und dubios aussehende. Zum Beispiel www.5z8.info/warez_o7k7pj_getPersonalData-start: Da steckt natürlich ein dubioses Hackertool dahinter. Ein Keylogger. Eine Schadsoftware. Nein, es ist ein Link auf dieses Blog hier.

Genial. Man muss das Internet einfach lieben!

Bild: Kurze Hosen – weniger problematisch als kurze Links. (SnapwireSnaps/Pixabay, CC0)

Autor: Matthias

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