Ist das noch Fotografie?

Es klingt wie Magie, aber dank der Tiefeninformationen, die die neuen iPhone-Modelle beim Fotografieren einfangen, lassen sich Aufnahmen nachträglich anders fokussieren. Zwei Apps für diesen Zweck sind Focos und Slør.

Im Beitrag Schabernack oder Spiegelreflex habe ich über den Porträtmodus des iPhones geschnödet. Er versucht, die Anmutung eines mit grossem Sensor aufgenommenen Bildes zu imitieren, obwohl die winzigen Objektive eines Smartphones niemals die Abbildungsleistung einer grossen Kamera zu erbringen vermögen – egal, ob es sich nun um eine Spiegelreflexkamera oder um ein spiegelloses Modell handelt.

Die Blende nachträglich vestellen (links) oder den Fokuspunkt versetzen (rechts) – und man kann bei Focos sogar ein anderes virtuelles Objektiv auswählen.

Ich kritisiere im Beitrag, dass die Illusion nicht perfekt ist. Allerdings macht die Technik grosse Fortschritte. Apps imitieren die Eigenschaften von richtigen, teuren Objektive. Phil Schiller hat an der letzten Keynote den Begriff der Computational photography in den Mund genommen: Mittels massiver Rechenleistung, die Apple in ein Ding namens Neural Engine packt, imitieren die neuen iPhone-Modelle (Xs, Xs Max und Xr) sogar das Bokeh, das ein grosses Portrait-Objektiv erzeugen würde.
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Edge, auf Sicherheit getrimmt

Mittels Windows Defender Application Guard (WDAG) lässt sich Microsofts Browser in einer sicheren Umgebung ausführen. Das ist eine überaus sinnvolle Sache – und obendrein einfach anzuwenden.

Eine der populärsten Folgen der digitalen Patentrezepte war die zum sichersten Browser der Welt, hier im Blog unter dem Titel Das Gegenteil vom Internet Explorer veröffentlicht. Der Browser schützt sich, indem er in einer abgekapselten Umgebung läuft. Die Hürden, um aufs Betriebssystem überzuspringen, werden für Schadprogramme massiv erhöht.

So stellt sich Microsoft eine böse Website vor, die vom System isoliert werden muss.

Microsoft hat eine ähnliche Funktion im Betriebssystem eingebaut – allerdings auf typisch microsoftsche Weise: Sie trägt einen kryptischen Namen, ist standardmässig deaktiviert und so gut versteckt, dass man sie nur dann findet, wenn man genau weiss, wonach man suchen muss.

Hyper-V hilft weiter

Die Funktion heisst Windows Defender Application Guard (WDAG). Mittels der Virtualisierungstechnik Hyper-V wird der Browser (Edge oder, falls es denn wirklich sein muss, der Internet Explorer) in einen Container versetzt, der vom übrigen System abgeschottet läuft. „Edge, auf Sicherheit getrimmt“ weiterlesen

Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle!

Ich predige immer mal wieder die angewandte Google-Skepsis. Und die Berichte von Googles Aktivitäten in China machen meine Vorbehalte nicht eben kleiner: «The Intercept» hat über den Prototypen einer chinesischen Suchmaschine berichtet, die ziemlich evil klingt: Dragonfly würde zensurierte Resultate ausliefern und gleichzeitig die Suchanfragen mit der Telefonnummer des Suchenden koppeln. Was das bedeuten könnte, wird von Menschenrechtsgruppen im Beitrag so gesagt:

It could result in the company “directly contributing to, or [becoming] complicit in, human rights violations.”

Aus dem Grund halte ich immer ein Auge nach Suchmaschinen offen, die man anstelle von Google nutzen könnte. Zum Beispiel Bing (Wieso nicht mal ein bisschen bingen?), Duck Duck Go oder Startpage.com – bei dieser Suchmaschine sucht man via Google, aber anonymisiert.

Die verwanden Begriffe, die Swisscows bereithält, sind eine charmante Idee – aber mehrheitlich unbrauchbar.

Da gibt es auch qwant.com – eine Suchmaschine, die den Nachteil hat, dass man sich nach kurzer Zeit nicht mehr an die korrekte Schreibweise erinnern kann. Quant? Quwant? Qwuant? Vielleicht ist das in Frankreich weniger ein Problem, wo die Suchmaschine beheimatet ist. Jedenfalls legt sie mehr Wert auf den Datenschutz und durchsucht auch News, soziale Kanäle wie Twitter, sowie Musik. Und das neue Design ist recht hübsch, wie ich finde.

Und erinnert sich noch jemand an die Schweizer Suchmaschine? „Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle!“ weiterlesen

Ist Office noch ein Ding?

Die wichtigsten Neuerungen in Office 2019. Und eine Diskussion der Frage, ob sich dieses Relikt aus den 1980ern und 1990ern so langsam überlebt hat.


Microsoft bringt Office 2019: Lohnt sich dieses Update?

Office 2019 ist so halb erschienen: Die Unternehmenskunden können die Software bereits beziehen, für die anderen erscheint der Nachfolger von Office 2016 irgendwann demnächst. Für mich Anlass für zwei Dinge: Erstens für obiges Video, das die wichtigsten Neuerungen vorstellt.

Zweitens für die Frage im Titel: Ist Office noch ein Ding? Und braucht die Software überhaupt noch Updates, oder könnte man sie als zu Ende entwickelt betrachten und dementsprechend Updates geflissentlich ignorieren?

Es kommt darauf an

Die Antwort lässt sich natürlich nicht verallgemeinern, sondern hängt davon ab, was man tut, wie oft, für wen und mit welchem Anspruch. „Ist Office noch ein Ding?“ weiterlesen

Spiele zu klauen ist ein ungesühntes Verbrechen

Es ist nicht zu übersehen, dass Spielentwickler schlimmer stehlen als die sprichwörtlichen Raben: Sie kupfern Spielideen so ungeniert ab, dass man sich fragt, warum nicht ständig Gerichtsverhandlungen wegen Plagiatsvorwürfen geführt werden. Der Grund liegt in der Gesetzsprechung.

Gibt es eigentlich ein Copyright auf Spielideen? Die Frage hat sich mir neulich aufgedrängt, als mir aufgegangen ist, wie viele Spiele mit «Blast» im Titel es im App-Store gibt: Im Beitrag Wer hat hier von wem abgekupfert? habe ich versucht, das zu klären. Aber es ist aussichtslos, weil es nebst «Toon Blast» und «Angry Birds Blast» auch «Toy Blast», «Balloon Blast» und so viele weitere Inkarnationen gibt, dass ich mir hier einen Wolf recherchieren müsste, um allen auf die Spur zu kommen.

Auch das gute alte Monopoly könnte man nachbauen – Monopoly nennen sollte man es allerdings nicht. (Bild: Ylanite Koppens/Pexels, CC0)

Und nein, es gibt kein Copyright auf Spielideen, was ich allein daran gemerkt habe, dass ich in den 1990ern nicht verklagt worden bin, weil ich mit Clickomania eine SameGame-Variante in die Welt gesetzt habe. Und man merkt es heute daran, dass populäre Spielprinzipen wie die Match Three-Puzzles den App Store überschwemmen. Er hier schreibt, jede Woche tauche ein neuer Titel derselben Machart auf, und das scheint mir nicht übertrieben.

Spiele müssen heftig beworben werden

Das führt dazu, dass die Titel heftig beworben werden müssen: Wer ab und zu ein werbefinanziertes Game spielt, der kommt um die Werbung für Homescapes, Jewel Quest, Fishdom oder Angry Birds POP! nicht herum. Die Popularität lässt sich mit einem Wort erklären. Respektive mit dreien: Candy Crush Saga. Eine Spiel-App, die 200 Millionen US-Dollar umsetzt, ist no spit in the bucket.

Das ruft Nachahmer auf den Plan, und die müssen, wie ich, nicht befürchten, verklagt zu werden. Im US-Urheberrechtsgesetz heisst es:
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