Ist Office noch ein Ding?


Microsoft bringt Office 2019: Lohnt sich dieses Update?

Office 2019 ist so halb erschienen: Die Unternehmenskunden können die Software bereits beziehen, für die anderen erscheint der Nachfolger von Office 2016 irgendwann demnächst. Für mich Anlass für zwei Dinge: Erstens für obiges Video, das die wichtigsten Neuerungen vorstellt.

Zweitens für die Frage im Titel: Ist Office noch ein Ding? Und braucht die Software überhaupt noch Updates, oder könnte man sie als zu Ende entwickelt betrachten und dementsprechend Updates geflissentlich ignorieren?

Die Antwort lässt sich natürlich nicht verallgemeinern, sondern hängt davon ab, was man tut, wie oft, für wen und mit welchem Anspruch. Aus meiner persönlichen Warte sieht es so aus, dass ich Office, wie schon hier festgestellt, wie im Beitrag Wer Office hat, braucht keine Feinde mehr besprochen, vor allem aus Gewohnheit nutze: Es ist nun mal so, dass ich seit Winword 2.0 von 1991 mit dabei bin. Da ist es unvermeidlich, dass einem in 27 Jahren Bedienkonzepte in Fleisch und Blut übergehen – selbst wenn allein wegen des Ribbons die Gemeinsamkeiten zwischen der Ur-Version und den aktuellen Ausgaen gering sind.

Wenn man den Gewohnheitsaspekt weglässt, dann könnte meine allermeisten Aufgaben auch mit viel einfacheren Programmen erledigen. Zum Beispiel mit dem Windows-Editor (Notepad), den ich auch tatsächlich meistens für meine Blogbeiträge hier verwende. Für Texte mit Formatierungen ist ein Markdown-Editor eine hervorragende Wahl, wie ich in diversen Beiträgen, zum Beispiel in Es muss nicht immer Word sein und So schreiben Profis am Tablet! erkläre. Für die Sendemanuskripte beim Nerdfunk, die ich oft mit Kevin gemeinsam führe, ist Google Docs eine gute Wahl, trotz der Oberfläche, die so Neunzigerjahre ist.

Doch es gibt ab und zu Momente, in denen ich den Funktionsumfang von Word und Excel schätze. Die Gliederungsansicht von Microsofts Textverarbeitung ist Gold wert, wenn man bestehende Texte für in Kapitel eines Sachbuchs sortieren muss (das ist allerdings auch schon länger nicht mehr vorgekommen). Die Pivot-Tabellen von Excel brauche ich immer mal wieder für Auswertungen, zum Beispiel hier, hier oder hier. Und was Pivot angeht, funktioniert Excel auch wirklich besser als Calc aus Libre Office. Diese Auswertung habe ich versucht, erst in Libre Office zu machen, was schlicht nicht funktioniert hat, aus für mich unerfindlichen Gründen. In Excel hat es mit der analogen Vorgehensweise sofort geklappt.

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Eine der Neuerungen: Die Lerntools, mit denen man das flüssige Lesen trainiert.

Fazit: Die Office-Grundbedürfnisse kann man auch sehr gut ohne teure Software erfüllen – kleine, günstige Apps oder sogar kostenlose Webdienste reichen völlig aus. Wenn man ab und zu Serienbriefe fabriziert, dann ist Office nach wie vor ein Ding. Auch die Plug-Ins (siehe Diesen Office-Trick sollten Sie kennen!) sind wirklich hilfreich. Darum spreche ich Office die Egistenzberechtigung auf keinen Fall ab.

Allerdings sind die Neuerungen in der letzten Zeit so bescheiden, dass sich ein Office-365-Abo nicht rechtfertigt – und man mit einer nicht allzu alten Kaufversion bestens bedient ist. Umso mehr verstehe ich, dass Microsoft die Mietvariante favorisiert. Denn die garantiert Einnahmen aus einem Geschäft, das sonst nicht mehr viel Geld generieren würde. Viele Leute, die Office mieten, tun das wahrscheinlich auch nicht wegen den Updates, sondern wegen dem Drumherum: Dem Speicherplatz bei Office 365, den Skype-Freiminuten, zum Beispiel…

Autor: Matthias

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Ein Gedanke zu „Ist Office noch ein Ding?“

  1. Man sollte besonders für den Privatgebrauch LibreOffice nicht ausser Acht lassen. Habe es aus Gewohnheit (bzw. Faulheit) nie installiert und dachte eigentlich, es würden viele Features fehlen. Kürzlich hat mir ein Kollege erzählt, er installiere bei seinen KMU-Kunden (Handwerksbetriebe mit bis zu fünf PC-Arbeitsplätzen) immer nur LibreOffice, da den Kunden Microsoft Office zu teuer sei.

    Ich war sehr erstaunt, aber er meinte, es habe noch nie Probleme deswegen gegeben und bezüglich Umgewöhnung sei es eher noch einfacher als MS Office, da die Oberfläche sich an älteren Office-Versionen orientiere.

    Will heissen: um das Protokoll der Vereinsversammlung zu schreiben, reicht LibreOffice. In grösseren Firmen ist man dann aber sehr schnell bei MS Office, da die meiste Software nur damit interagiert.

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