Ein gelungenes Remake

Soll man den Rega-Helikopter rufen oder tut es doch ein Kräuterte? Apps, die bei wichtigen medizinischen Entscheiden helfen.


Die App als Arzt und Lebensretter.

Das Patentrezept-Video vom letzten Sonntag war ein Remake des Beitrags Die perfekte App für Hypochonder vom März 2012. Remakes sind oft eine problematische Angelegenheit, weil sie dem Original nichts oder nur wenig Nennenswertes hinzufügen und gleichzeitig dessen Charme vermissen lassen. Im Kino wird innert Minuten der brennende Wunsch geweckt, man könnte doch das Original sehen. Zum Beispiel bei Ladykillers, Planet of the Apes, Carrie oder Psycho.

Manchmal sind Remakes aber auch befriedigender als das Original. Zum Beispiel Twelve Monkeys, The Fly, Invasion of the Body Snatchers. Oder eben das Video hier.

Das ist nun aber nicht mein Verdienst. Es liegt daran, dass es zu allen damals vorgestellten Apps inzwischen deutlich bessere Alternativen gibt. Die WebMD-App von 2012 war dem Nach-Symptomen-Googeln nicht deutlich überlegen. Die beiden vorgestellten Apps Ada (kostenlos für Android und das iPhone/iPad) und Babylon Health (kostenlos für iPhone/iPad und Android) gehen systematisch an die Sache heran: Sie fragen, grenzen ein und sind so in der Lage, die Sache deutlich präziser einzugrenzen, als das vor sechs Jahren der Fall war. Damals hat die App selbst bei einem juckenden Pickel neben dem wahrscheinlichen Wehwehchen auch immer noch Krebs und Lupus ins Feld geführt. Dabei haben wir von Dr. House gelernt: Es ist nie Lupus.

Natürlich, man sollte sein Wohlbefinden dennoch nicht an diese Apps delegieren. Mit anderen Worten: Wenn man sich unwohl fühlt, nicht zum Arzt zu gehen, obwohl einem die App sagt, dass man nicht zum Arzt zu gehen braucht, dann sollte man zum Arzt gehen. Aber fast noch wichtiger: Wenn die App sagt, dass es sinnvoll wäre, den Krankenwagen zu rufen, obwohl man sich selbst eigentlich noch ganz gut fühlt, dann würde ich die Empfehlung aussprechen, zumindest mal bei 144 anzurufen. Die können dort dann immer noch über die App lachen und einem empfehlen, man solle erst einmal eine kalte Kompresse auflegen.

Die seinerzeit erwähnte Web MD-App (kostenlos fürs iPhone/iPad und Android) hat übrigens zugelegt, ist aber IMHO noch immer nicht brillant. Beim Beispiel mit meinem juckenden Auge hat sie die Bindehautentzündung, Allergien und den Heupfnüsel als mögliche Ursachen aufgeführt. Das trockene Auge wird in der Liste nicht aufgeführt – und damit ist der Fall wohl doch nicht so trivial, wie ich im Video behaupte.

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WebMD: Noch immer nicht der medizinischen Weisheit letzter Schluss.

Die Empfehlung bleibt übrigens im Remake wie im Original die gleiche: Mit einer Notfall-App auf dem Smartphone kann man nichts falsch machen – im Idealfall braucht man sie nie und sie hat nur unnötigerweise ein paar Megabytes belegt. Seinerzeit habe ich die App des deutschen Roten Kreuzes empfohlen. Inzwischen gibt es eine App des Schweizer Roten Kreuzes, die umfangreicher ist und auch Tipps zur Vorsorge, Tests und allgemeine Informationen zum Beispiel zum Blutspenden enthält:

Erste Hilfe des SRK (kostenlos für iPhone/iPad und für Android)

Autor: Matthias

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