Früchte in Apfelform

Gestern ging es um eine Chrome-Erweiterung, mit der sich aus Bildern aus dem Web, zum Beispiel von einer Google-Bildersuche, hübsche Mosaike basteln lassen. Eine interessante Alternative zu dieser Erweiterung ist der Webdienst Loupe Collage. Er ordnet Bilder nicht gleichmässig als Zeilen und Reihen an, sondern bringt sie in eine wählbare Form. Man kann die Fotos somit als Kreis, Mond oder Stern arrangieren. Oder als Herz, Mond, Schmetterling, als Katze, Pfotenabdruck, Apple-Logo, Hase, Spielkarte, Tiersilhouette, Yin-Yang, Kuchenstück, Smiley, Zahnrad, Facebook-F, Superman-S, und so weiter. Um die 160 solcher Formen stehen zur Wahl.

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Wie der Titel sagt…

Auch eine Anordnung als Text ist möglich und man kann eine eigene Form zeichnen, an der die Bilder dann ausgerichtet werden. Und wenn einem das nicht gefällt, gibt es auch das klassische Gitter (mit Grössenvariationen) und der Bilderstapel.

Als Bilderquellen stellt Loupe Collage die drei Möglichkeiten Your photos, Web und Upload zur Verfügung. Die letzte Option spricht für sich selbst: Man verwendet lokal gespeicherte Aufnahmen und lädt Bilder von seinem Computer hoch. Die Option Your photos bietet Zugriff auf die Bilder, die man im Web bei Diensten wie Facebook, Google Drive, Dropbox, Flickr, Instagram, Google+ oder Loupe selbst gespeichert hat. Die Drittdienste muss man natürlich erst verknüpfen. Das funktionierte bei meinem Test leider nicht so richtig: Nach dem Verknüpfen mit Flickr standen keine Bilder zur Verfügung und die Verknüpfung mit Instagram ist mit einer Fehlermeldung gescheitert. Bei Google+ kam eine Warnung («Diese App wurde noch nicht von Google überprüft. Sie sollten nur fortfahren, wenn Sie den Entwickler als vertrauenswürdig ansehen.»), aber der Zugriff auf die Bilder hat dann problemlos funktioniert.

Die Option Web bietet Zugriff auf Google, Twitter, Instagram und Tumblr, und nimmt auch eine URL entgegen. Die Suche via Google und Instagram hat nicht funktioniert und keine Bilder ans Tageslicht gefördert. Twitter und Tumblr funktionierten, wenngleich mit teils seltsamen Resultaten. Die Möglichkeit, eine URL einzugeben, funktioniert, und lässt einen auch Bilder via Google-Suche abgreifen. Allerdings kommen nicht alle Bilder bei Loupe an. Zum Beispiel erscheinen die Fotos von Pixabay.com nur als schwarze Kästchen, auf dem «Discovery Pixabay free images» steht. Ich nehme an, dass das mit den Massnahmen gegen das Hotlinking zu tun hat, die viele Webdienste getroffen haben. Pixabay gestattet es explizit nicht. Nicht nur das, der Dienst erklärt sogar in einem Blogpost, was man dagegen tun kann.

In der Arbeitsfläche kann man jedes Bild manuell verschieben, drehen, in der Grösse verändern und nach vorne bringen oder nach hinten schicken. Und es gibt diverse Knöpfe zur Anpassung des Endresultats:

  • Über den Shuffle-Knopf verändert man die Anordnung nach dem Zufallsprinzip neu.
  • Via Sizing gibt man das Format der fertigen Collage und die Zahl der Fotos an. Man kann alle für die Collage ausgewählten Bilder verwenden oder eine bestimmte Zahl angeben. Die kann auch höher als die Zahl der zur Verfügung stehenden Aufnahmen sein; dann kommen Aufnahmen mehrfach zum Einsatz. Und man kann angeben, wie gross der Abstand zwischen den Bildern ist: Unter 100 Prozent überlappen sie sich, über 100 Prozent gibt es einen Abstand zwischen den Fotos.
  • Bei Background wählt man die Hintergrundfarbe.
  • Unter Border gibt man die Farbe und Dicke an, mit der jedes Bild eingefasst wird.
  • Über Rotation bestimmt man den Winkel, mit dem die Bilder zufällig gedreht werden. Man kann den Standardwinkel einstellen und bei Randomness angeben, wie gross die zufällige Variation sein soll.
  • Bei Shadow stattet man die Bilder mit einem Schatten aus.

Die fertige Collage kann beim Speichern mit einem Titel und einer Beschreibung ausstatten. Und es ist möglich, sein Masterpiece (so wird es vom Dienst bezeichnet) als öffentlich oder als privat deklarieren. Wenn es öffentlich ist, erscheint es in der Gallery, die IMHO eher ein Gruselkabinett denn inspirierend ist. Nach dem Speichern ist auch ein Download möglich. Beim kostenlosen Account ist die Auflösung bei der langen Kante 1000 Pixel, was für die meisten Online-Anwendungen ausreicht, fürs Drucken in vielen Fällen zu wenig ist. Auch gibt es ein relativ hässliches Wasserzeichen, das ich in meinem Beispiel weggephotoshoppt habe.

Wenn man eine höhere Auflösung benötigt, braucht man den einen Pro-Account für 5 US-Dollar pro Monat, der das Wasserzeichen zum Verschwinden bringt, Collagen in höherer Auflösung erzeugt und auch den Download als Photoshop-Datei (PSD) ermöglicht, bei der man (so vermute ich) die einzelnen Bilder als Ebenen zur Verfügung hat.

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Getloupe.com zeigt viel Liebe zum Detail, aber auch diverse Bugs.

Fazit: Ein schöner Webdienst, der aber einen vernachlässigten Eindruck macht1. Die Fehler beim Abruf von Bildern über die verknüpften Dienste liessen sich durch eine Überarbeitung sicherlich beheben. Und das wäre auch dringend nötig, denn so wirkt er nicht sehr seriös. Und das Hauptinteresse vieler Nutzer besteht natürlich nicht darin, irgendwelche Bilder in Collagen zu verwandeln. Man möchte die eigenen Aufnahmen benutzen, wenn man eine «persönliche» Collage fabriziert. Und wenn man eine Collage macht, die man allenfalls auch kommerziell verwendet, dann will man natürlich keine Urheberrechtsprobleme riskieren.

Es gibt die Software übrigens nicht nur als Webdienst, sondern auch als Anwendung für Windows und Mac, die ich seinerzeit noch unter ihrem alten Namen Shape Collage im Publisher vorgestellt habe (Ausgabe 3-2009).

Footnotes

  1. Warum das so ist, wird auf dem Linkedin-Profil des Entwicklers, Vincent Cheung, klar: Der Mann hat Shape Collage 2009 gegründet. Seit März 2014 arbeitet er für Facebook und hat wahrscheinlich nicht mehr so viel Zeit für dieses Projekt… ^top

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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