Gegen die Panikattacke im Hipster-Kleiderladen

Ich mag ein Nerd sein. Aber ein Kleider- oder Modenerd bin ich nicht. Ich bin zufrieden, wenn ich fünf T-Shirts, drei Pullis, ein halbes Dutzend Unterhosen und genügend Sockenpärchen zum Durchwechseln habe. Doch weil Kleider nicht ewig halten, muss auch ich ab und zu Nachschub besorgen. Und dabei hat man es mit diversen Problemen zu tun. Eines der Probleme besteht darin, in diesen Hipster-Modegeschäften keinen Panikanfall zu bekommen und zu beschliessen, nur noch nackt herumzulaufen. Und ein anderes hat damit zu tun, dass es Kleidung in verschiedenen Grössen gibt.

180117-favorelli-01.jpg
Am Anfang steht die Selbstvermessung – inklusive Anleitung, wo man das Massband ansetzt. (Und nein, ich werde euch meine Körpermasse nicht verraten.)

Ich denke, deses Problem wird mit der Zeit dem Fortschritt zum Opfer fallen. Wenn unsere Körper sich erst einmal per Bodyscanner exakt vermessen lassen, wird man seine Körpermasse in virtuellen und realen Shopping-Umgebungen hinterlegt haben. Das bedeutet, dass Online-Stores alle nicht passenden Kleidungsstücke erst gar nicht vorschlagen müssen. Und beim Gang durch ein richtiges Geschäft werden im Augmented RealityVisor nur jene Klamotten markiert, die man auch wirklich tragen kann. Nebst der automatisch überprüften Passgrösse wird man auch einige Geschmacksparameter hinterlegen können, sodass man den hässlichen Kram nicht mehr manuell aussortieren muss.

Das hat übrigens auch den Vorteil, dass man sich keine Kleidergrössen mehr merken muss – und einem somit auch die bittere Einsicht erspart bleibt, dass man schon wieder eine Kleidergrösse aufstocken muss. (Das Triumphgefühl, wenn man wieder in eine Nummer kleiner reinpasst, sollte einem aber keine technische Entwicklung vorenthalten!)

Doch bis es so weit ist, muss man eine vage Ahnung seiner Kleidergrössen haben, was bei mir leider nicht der Fall ist. Ich probiere es seit kurzer Zeit mit der App Favorelli (1 Franken nur fürs iPhone/iPad). Bei der erfasst man für sich selbst und bei Bedarf auch für (maximal 19) weitere Personen die Körpermasse: Körpergrösse, Rumpflänge, Brustumfang, Unterbrustumfang, Schulterbreite, Halsumfang, Kopfumfang, Taillenweite, Hüftumfang, Armlänge, Handumfang, Schrittlänge, Beinlänge, Fussumfang, Fusslänge und Fussbreite – also ich nehme an, alle die Daten, die ein Schneider erfassen würde, wenn man sich einen Massanzug anfertigen lassen würde. Über das i-Symbol gelangt man zu einem Foto, das zeigt, wie man messen muss.

Hat man das gemacht, zeigt einem die App die Kleidergrössen für die gängigen Kategorien von Kleidungsstücken – Schuhe, Socken, Anzug, Mantel, T-Shirt und Hemd, Pullover und Jacken, Jeans, Badehosen, Kappen und Töffhelm, Unterhosen und zuletzt auch das Pyjama. Wenn man keine Lust auf die Körpervermessung hat, kann man bei den relevanten Kategorien die bewährten Kleidergrössen auch manuell eintragen, und sie nachschlagen, wenn man ratlos im Laden steht. Sogar ein Notizfeld steht zur Verfügung, wo man beispielsweise einträgt, wenn man Kleider dieser oder jener Marke besser eine Nummer grösser oder kleiner wählt.

180117-favorelli-02.png
Die Kleiderkategorien, wo man sich die passende Grösse für jede Konfektionsgrösse berechnen lassen kann.

Die App zeigt einem die Konfektionsgrössen für alle Weltregionen an. Denn die meisten Länder verwenden, aller Globalisierung zum Trotz, ein eigenes System; und die Umrechnung ist etwa so einfach wie von Grad Fahrenheit nach Celsius. Für die automatische Umrechnung muss man sich jedoch die Mühe machen, seine Masse zu erfassen. Eine Umrechnung anhand eines manuell eingetragenen Wertes ist leider nicht möglich.

Die App nimmt beim Erfassen einer Person übrigens auch das Geburtsdatum entgegen. So kann man sich rechtzeitig an Geburtstage erinnern lassen und Kleidungsgeschenke in der passenden Grösse machen. Das ist schon recht originell. Peinlich wird es nur dann, wenn die beschenkte Person seit dem Vermessen etwas zugelegt und das für sich behalten hat…

Allerdings sollte man sich auch nicht sklavisch nach den Grössen richten und sich das Anprobieren sparen. Denn wie man beim WDR nachlesen kann, gibt es verschiedene Körpertypen (A, V, H und X), die bei gleicher Grösse nicht unbedingt in die gleichen Konfektionsgrössen passen. Aber es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn man dank App nie wieder hätte eine Umkleidekabine aufsuchen müssen…

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Kommentar verfassen