Effektvoll farbklecksen

Seinerzeit habe ich die App Color Splash vorgestellt, im Beitrag Farbe als Blickfang einsetzen. Die Idee ist nett: Man verwandelt das Bild in Schwarzweiss, lediglich ein Element bleibt farbig. Das springt ins Auge, und es lässt keinen Zweifel, wohin man den Blick des Betrachters lenken möchte. Dieser Effekt heisst in Englisch color splash oder auch color pop oder color burst. In Deutsch habe ich schon den Begriff des selektiven Schwarzweiss gelesen.

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Ein schönes Beispiel für einen Color Splash, allerdings wohl eher nicht per App erzeugt. (Bild: Nevada del 2010, cesc casals/Flickr.com, CC0)

Die Color Splash-App hat nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. In der Benutzung ist sie jedoch umständlich. Man muss nämlich den Teil, der farbig bleiben soll, von Hand maskieren. Darum heute eine schöne Alternative: „Effektvoll farbklecksen“ weiterlesen

Der König der Tiere unter den Browsern

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Dass mir kein Werbebanner in der Mähne hängen bleibt!

Gibt es neben Firefox und Chrome – plus den zu den Betriebssystemen gehörenden Browsern Safari und Edge – noch Bedarf für weitere Surfprogramme? Die Frage werden manche mit Ja beantworten, zum Beispiel die Macher von Opera (Der Browser der letzten Hoffnung) und Vivaldi (Die Aussenseiter punkten). Ich habe ein Herz für die Aussenseiter – nutze aber in meiner täglichen Arbeit dann doch den Mainstream, nämlich vor allem Firefox. Das hat natürlich auch mit Sachzwängen zu tun. Das CMS meines Arbeitgebers ist leicht exzentrisch, sodass man gut daran tut, es nicht auch noch mit ungewohnten Browsern zu trietzen. Und natürlich muss ich als Journalist die Mainstream-Programme gut kennen – diejnigen, an denen meine Leserinnen und Leser interessiert sind.

Die Marktzahlen zeigen jedenfalls ein klares Bild: Chrome, Firefox und Safari dominieren mit 59, 12,8 und 10,4 Prozent. Edge liegt noch hinter dem Internet Explorer zurück, was Microsoft zu denken geben müsste. Und Mozilla müsste zu denken geben, dass Firefox vom 31 Prozent im Januar 2010 auf gut einen Drittel abgestürzt ist. Aber das wird mit Firefox 57 jetzt vielleicht alles anders.

Die alternativen Browser spielen fast keine Rolle; Opera und Vivaldi werden noch nicht einmal ausgewiesen. Wenn man heute einen Browser in die Welt setzt, sollte man einen guten Grund und überzeugende Verkaufsargumente haben. Und eines fällt einem sofort ein: „Der König der Tiere unter den Browsern“ weiterlesen

Eine neue Chance für Firefox


Das Video und der Beitrag bei Tagesanzeiger.ch

Heute kommt er, der neue Browser von Firefox: Version 57, alias Quantum. Und natürlich möchte man hier stehende Wendung vom Quantensprung ins Spiel bringen. Mir hat das leider die Floskelwolke (Seine Schreibe entfloskeln) verdorben: Die Besserwisser dort haben darauf hingewiesen, dass man es bei dieser Floskel mit subatomaren Grössenordnungen zu tun bekommt und das die korrekte Assoziation also «winzig» und nicht «riesig» ist. Ich weiss nicht, ob das wirklich stimmt, zumal Wikipedia die Redewendung so herleitet, dass die Entdeckung des physikalischen Phänomens eine riesige wissenschaftliche Erkenntnis war, die damals alte Gewissheiten zum Einstürzen brachte. Darum bleibt hier offen, ob es sinnvoll war, dem neuen Browser dieses Label überzustülpen. Gut kling es jedenfalls.

Also, zurück zum Thema: „Eine neue Chance für Firefox“ weiterlesen

App-Recherche de luxe

Im Blog hier stelle ich bekanntlich Apps vor. Da habe ich mich gefragt: Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, durch eine einzige Suche festzustellen, für welche Plattformen es eine App gibt? Jetzt suche ich einfach via Google, mit dem Suchparameter site:itunes.apple.com OR site:play.google.com. Das funktioniert okayish, wenn man den genauen App-Namen einträgt. Es funktioniert aber nicht gut bei der Suche nach Stichworten, wenn es beispielsweise darum geht, das Angebot der beiden Stores zu vergleichen.

Und schön wäre natürlich, wenn die Resultate gebündelt würden: Diese App gibt es für Android, iPhone und iPad, und da sind die drei Links dazu. Und wenn man ganz extravagant werden will, könnte man sogar den Windows-Store (site:microsoft.com/de-ch/store) miteinbeziehen. Ja, ich gebe zu, ich bin wahnsinnig anspruchsvoll.

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Es clasht fürchterlich in den Stores.

Es gibt nun auch einige App-Suchmaschinen. Wie gut sind die als Rechercheinstrument? Hier eine kurze Kritik anhand des Suchbegriffs «Clickomania». Dazu gibt es eine überschaubare Menge an Treffern und ich kann die Qualität beurteilen, ohne eine App herunterladen zu müssen. (Gott bewahre!)

AppZapp.ch, vor Kurzem hier vorgestellt. Man sieht die wesentlichen Informationen (Preis, Hersteller) auf einen Blick und kann die Liste sortieren und filtern. Aber: Es werden nur Apps fürs iPhone und iPad aufgeführt.
„App-Recherche de luxe“ weiterlesen

Fensterwechsel, wie er sein müsste

Sind zwei Mac-Tipps hintereinander übertrieben? Ich finde nicht. Darum heute: Schon wieder ein Mac-Tipp!

Und zwar einer, der das Fensterwechseln vereinfacht. Zumindest für mich – und zwar massiv. Die Tastenkombination Cmd + Tabulator zeigt eine horizontale Auflistung mit den Icons der offenen Programme, die man per Tabulator durchblättert. Das kennt man von Windows, und es ist eine sehr effiziente Methode, um ohne die Finger von der Tastatur zu nehmen einen Taskswitch durchzuführen.

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Der hässliche kleine Bruder von Mission Control.

Naja, zumindest unter Windows ist diese Methode effizient. Beim Mac ist sie eigentlich unbrauchbar. Man landet nämlich sehr oft nicht bei der Anwendung, zu der man eigentlich hin wollte. Wenn man ein Fenster minimiert hat, bleibt das minimiert. Nun gibt es Leute, die einem in solchen Fällen Folgendes empfehlen:

Press Command-Tab until the application you want is highlighted. Then, while still holding down the Command key, press and hold the Option key.

Ich sage: Was für ein Unsinn! „Fensterwechsel, wie er sein müsste“ weiterlesen

Der missing link zu den Druckereinstellungen

Wer, wie ich, einen Netzwerkdrucker verwendet, wird sich vielleicht auch schon gefragt haben: Wie zum Henker ändere ich bei Mac OS X die IP-Adresse dieses Druckers? Es kann passieren, dass man anpassen muss – beispielsweise, wenn man den ISP und den Router wechselt.

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IP-Adresse ändern? Fehlanzeige!

Wenn man beim Mac via Systemeinstellungen bei Drucker & Scanner einen Augenschein nimmt, dann ist man einigen Klicks, zum Beispiel auf Optionen & Füllstände, ernüchtert. Man kann den Drucker umbenennen, mehr aber auch nicht. Weitere Anpassungsmöglichkeiten, zum Beispiel eben für die IP-Adresse, sucht man vergebens. Echt, Apple? Man muss ja nicht so weit gehen wie Microsoft, die aus der Druckerkonfiguration bei Windows eine Lebensaufgabe für studierte Informatiker gemacht haben. Aber ein paar mehr Checkboxen und Dropdownlisten wären schon ganz okay.

Durch Googeln bin ich auf diesen Thread hier und auf die Empfehlung gestossen, 127.0.0.1:631/printers aufzurufen. 127.0.0.1 ist bekanntlich «home sweet home» im Netz bzw. der Localhost. Und am Port 631 läuft offenbar eine Weboberfläche für die Druckerverwaltung.

Naja, zumindest bei meiner Frau. Bei meinem Mac erscheint folgende Meldung:
„Der missing link zu den Druckereinstellungen“ weiterlesen

Die App für Knoten im Hirn

Aus unerfindlichen Gründen bin ich ein Fan von Droste. Nein, nicht von Droste-Hülshoff. Die hat mich nicht geflasht, obwohl ich seinerzeit natürlich «Die Judenbuche» lesen musste. Nein, ich meine den Droste-Effekt. Bei dem sieht in einem Bild das gleiche Bild noch einmal. Und dort noch einmal. Und noch einmal, bis in alle Ewigkeit, bzw. bis zu den Grenzen der Auflösung. Das ist eine charmante Form des Selbstbezugs und eine Demonstration davon, wie das Konzept der Ewigkeit nicht in einen menschlichen Kopf hineinpassen will. Ich kann mich erinnern, dass ich als kleiner Junge gerne im Badezimmer die beiden Flügel des Spiegelschranks aufgeklappt habe, sodass ich mich dazwischen auf beiden Seiten gespiegelt habe: Es überstieg damals (und es übersteigt noch heute) mein Fassungsvermögen, dass sich Unendlichkeit so einfach herstellen lässt. Und das nicht nur einmal, sondern sogar gleich zweimal, nämlich rechts und links von meinem Kopf.

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Zwei Droste-Variante: Links mein selbstgebasteltes Selfie, rechts eines der mitgelieferten Beispiele, die unendliche Schachpartie.

Der Droste-Effekt macht genau das, aber mit einem künstlerischen Dreh. Wenn man Wikipedia glauben darf, haben die Holländer ihn erfunden. „Die App für Knoten im Hirn“ weiterlesen

Werdet Fans von Open Data!


Der Beitrag und das Video bei Tagesanzeiger.ch.

Warum? Weil es die Welt besser macht. Daten erweitern den Horizont, unterhalten und machen Spass.

Damit ist die Hauptbotschaft dieses Beitrags an sich verkündet – mit dem kleinen Extra-Hinweis, dass es im Video acht schöne Beispiele für Apps und Weblösungen gibt, die nur dank öffentlicher Daten möglich sind. Für mich sind sie ein guter Anfang in einem Bereich, wo in den nächsten Jahren noch viel mehr gehen wird. Denn im Moment gibt es noch viele Daten, die nicht öffentlich sind und viele Anbieter, die sich erst noch an den Gedanken gewöhnen müssen, dass nicht nur die Gedanken, sondern eben auch die digitalen Informationen frei sein sollten.

Open Data bedeutet einen Paradigmenwechsel – und für die Entwickler von Apps und Webangeboten die Herausforderung, sich schöne Ideen und gelungene Umsetzungen zu überlegen. Aber gschäch nüt Schlimmers, wie meine Grossmutter zu sagen pflegt.
„Werdet Fans von Open Data!“ weiterlesen

Halbgut geklaut

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«Threes!» ist und bleibt das unangefochtene Original seines eigenen Genres. Und hier gibt es für Fehler – die Einsen und Zweier je in einer Ecke – kein Pardon!

Es kommt selten vor, dass ein neues Spiel-Genre – oder wenigstens ein Sub-Genre geschaffen wird. Bei «Threes!» (Android, iPhone/iPad) war das der Fall. Das Spiel, hier im Tagi vorgestellt, gehört in die Hauptkategorie der Puzzlespiele. Und es hat die Unterkategorie erfunden, die ich exponentielle Zahlenspuzzles nennen würde. Exponentiell deswegen, weil bei «Threes!» Zahlen erst Einer und Zweier zusammengeführt werden, und dann jeweils zwei Puzzlesteine mit der gleichen Zahl verschmolzen werden. So wird durch geschicktes Schieben aus zwei Dreier ein Sechser, aus zwei Sechser ein Zwölfer, und so weiter. Wenn man es geschickt spielt, bekommt man sogar 192er, 384er oder 768er aufs Feld. Die höchste Zahl, die ich geschafft habe, ist der 1536er. Aber es ginge noch höher.

Die Herausforderung ist, dass einem nie der Platz ausgeht. Denn je mehr Puzzlesteine mit hohen Zahlen auf dem Feld liegen, desto knapper wird der Platz für die Puzzlesteine mit den niedrigen Nummern, die man erst zu höheren Nummern aufbauen muss, um sie mit den vorhandenen Steinen verschmelzen zu können. Das ist eine besondere Herausforderung, da «Threes!» bei jedem Zug einen neuen Stein aufs Spielfeld mit den 16×16 Plätzen schiebt. Man könnte auch sagen: «Threes!» ist eine beispielhafte Visualisierung, was die Grenzen des Wachstums konkret bedeuten.

«Threes!» hat sehr viele Nachfolger und Varianten hervorgebracht – einige habe ich im Beitrag Zwei schlechte und eine gute Alternative zu Threes! vorgestellt. Eine weitere ist «Puzzle 10». „Halbgut geklaut“ weiterlesen

Die Kundschaft verscheissern

AGBs: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Das sind Werke, die von der Länge her ein durchschnittliches George-R.R.-Martin-Buch locker in den Schatten stellen und sich bezüglich Komplexität auf dem Niveau eines James Joyce bewegen – bloss von Juristen verfasst, die ihrer Muttersprache nicht mächtig sind, sondern nur jurisprudentisch können.

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Schöne Szene, garstiges Thema. (Bild: Ed Gregory/stokpic.com, CC0)

Ich erlaube mir, hier einmal eine populistische These aufzustellen: AGBs sind bloss dazu da, die Kundschaft zu verscheissern. Oder, etwas weniger reisserisch formuliert: Sie sind ein nützlicher Trumpf, den man bei Streitfällen gerne in der Hinterhand hat. Im Angesicht eines renitenten Kunden zückt der Leistungsanbieter sie mit maliziösem Lächeln und sagt mit unschuldigem Unterton: «… aber sie haben ja unsere AGBs gelesen, hier auf Seite 222 unten steht es…»

Und dann ist man angeschmiert. „Die Kundschaft verscheissern“ weiterlesen