Das Wurstfingerproblem


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Wenn man sich meine Finger so ansieht, dann würde man sie nicht als Wurstfinger bezeichnen. Wenn sie auf einem Smartphone-Display etwas tippen sollten, fühlen sie sich allerdings so an. Das hat aber wohl weniger mit der Anatomie zu tun als mit ihrer Trainingshistorie. Sie sind sich gewöhnt, auf echten Tasten zu tippen. Und zwar druckvoll, weil sie das Zehnfingersystem noch auf mechanischen Schreibmaschinen geübt haben. (Ja, während ich das schreibe, fühle ich mich alt. Nicht ganz so alt wie meine Grossmutter, die jede Tastatur innert zwei Wochen zugrunde richten würde, weil sie bei ihrer mechanischen Maschine für jeden Anschlag dreissig Zentimeter Anlauf holen muss.)

Was das mobile Schreiben angeht, hat unsereins auch diverse Paradigmenwechsel durchgemacht. Mit T9 war ich nie rasend schnell, aber auch nicht komplett unbeholfen. Und eben, seit zehn Jahren muss man sich nun an virtuellen Tastaturen auf Touch-Displays gewöhnen. Für Vielschreiber ist das nicht das Nonplusultra – und auch nicht für Leute, die sich nicht nur mittels Emoji ausdrücken wollen.

Darum im Video ein paar Tipps, wie man die Sache beschleunigen kann. Ich erwähne Swiftkey (Android und Android/iPhone/iPad). Ich werde mit beiden nicht so richtig warm, ehrlich gesagt. Und ich finde den Umgang von iOS mit mehreren Tastaturen extrem missraten – jedenfalls passiert es mir ständig, dass genau die Tastatur aktiv ist, die ich gerade nicht verwenden will. Das führt dazu, dass ich die Dritttastaturen jeweils nach zwei Tagen entnervt wieder deinstalliere. Schlauer als die Standard-Tastatur auszutauschen, wäre, Drittherstellern die Möglichkeit zu geben, die Standardtastatur um Funktionen zu erweitern. Aber der Zug ist wohl abgefahren.

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Tippen kann man das nicht mehr nennen, wenn man seinen Text reinwischt.

Wenn man es mit einer Wischtastatur probieren will, dann bietet sich auch GBoard an. Das ist eine Tastatur von Google (Android und iPhone/iPad, bei den Apple-Geräten auch in der Google-App enthalten), die natürlich auch googeln kann, und auch die Spracheingabe beherrscht. Ganz okay, aber ich möchte nicht alle meine Tastatureingaben an Google übermitteln.

Autor: Matthias

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