Warum nicht mal mit Zombies joggen?

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Da muss Papa durch.

Ich habe neulich behauptet, the golden age of endless runner sei vorbei … da bin ich (hier) dem Spiel Into the Dead 2 begegnet, das seit gut einem Monat fürs iPhone und für Android erhältlich ist. Nun, man könnte kritisieren, dass ein Sequel nicht unbedingt ein guter Beweis für die Lebendigkeit eines Genres darstellt. Aber selbst dann ist klar: So tot bzw. untot wie der gemeine Zombie im Spiel ist das Genre nicht.

Apropos tot, untot und dazwischen: Es geht darum, Zombies noch lebloser zu machen, als sie es eh schon sind. Dafür tut man das, was man im Endless Runner tut. Man rennt, springt nach rechts und links und weicht den Gestalten aus, die einem entgegenwanken. Da es in diesem Spiel auch Waffen gibt, kann man sich den Weg auch mit Gewalt freiräumen.

Waffen in Endless Runnern sind nicht unüblich. Man findet sie auch bei Lara Croft und bei Run’n’Gun. Die Begründung für diese Beschäftigung ist eine unvermittelt hereingebrochene Zombie-Apokalypse, bei der es der Rennende (James) wegen eines Autounfalls nicht geschafft hat, Ehefrau (Helen) und Tochter (Maggie) beizustehen. James hat gelegentlich mit Helen und Maggie (tränendrüsigen) Funkkontakt, und weiss deswegen, dass sich die ganze Rennerei überhaupt lohnt. Das ist gut, denn ohne diesen Antrieb würde James wahrscheinlich einfach in irgend einem Keller hocken und auf bessere Zeiten warten. Und das wäre ohne Zweifel aus unterhalterischer bzw. spielerischer Sicht nicht besonders ergiebig.

Die Hintergrundgeschichte mit der Frau und der Tochter führt dazu, dass es sich nicht um einen echten Endless Runner handelt. Es gibt Kapitel und Missionen mit Aufgaben, für die man Belohnungen erhält. Die Navigation ist nicht mein Geschmack: Mit dem linken Finger bewegt man sich nach links oder rechts und mit rechts feuert man. Die Bewegung ist so graduell, dass ich erst gar nicht sicher war, ob ich mich überhaupt bewegt hatte. Das ist ein grosser Unterschied gegenüber Spielen wie «Minion Rush» oder Temple Run: Dort hat man drei klar getrennte Spuren. Immerhin kann man in den Einstellungen auch zu anderen Varianten wechseln, und z.B. mit Neigen des Geräts lenken und mit Tippen feuern.

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Am Anfang ist das Zombieheer noch überschaubar.

Natürlich muss man, wie bei Shootern üblich, sorgsam mit seiner Munition umgehen. Man besorgt sich unterwegs neue Munition, indem man über (zufälligerweise überall herumliegende) Munitionskisten läuft. Im Verlauf des Spiels sollte man seine Ausrüstung verbessern. Im Fall von «Into the Dead 2» kann man auch tierische Gefährten (a.k.a Hunde) aufgabeln. Die jagen ihrererseits Zombies, finden Munitionskisten oder retten einem pro Lauf einmal das Leben.

Fazit: Beeindruckende Grafik und vor allem auch ein toller Soundtrack: Die Musik des Spiels gibt es übrigens via iTunes, Spotify und Bandcamp. Zu recht, sie ist sehr hörbar. Manche würden sagen: Besser als das Spiel. Denn das Gameplay ist nicht spektakulär. Ich bin kein Freund der Navigation. Und ob es die Hintergrundgeschichte mit der verschollenen Tochter wirklich braucht, ist diskutabel. Aber zur Abwechlsung und zur Zerstreuung finde ich den Titel akzeptabel, auch wenn ich die friedlichen Varianten des Endless Runner-Genres klar vorziehe. Bei «Into the Dead 2» liegt mir der Fokus zu sehr auf der Zombie-Abschlachtung und zu wenig auf der Geschicklichkeit – die Hindernisse wie Autos, Stacheldrahtzäune und ähnliches spielen überhaupt keine Rollen; nur in Zombies sollte man nicht reinlaufen.

Darum ist IMHO die Kategorie falsch: Das ist mehr ein Egoshooter, bei dem man auch noch ein bisschen läuft, als ein Endless Runner mit Waffengebrauch. Und damit ist «Into the Dead 2» eigentlich eine Täuschung des Konsumenten. Wenn ich in meinem Besprechungen Sternchen (oder alternativ Joysticks, Lach-Emoji, gestreckte Daumen oder abgestorbene Zombie-Herzen) vergeben würde, was ich bekanntlich nicht tue, dann wären es zweieinhalb von fünf.

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Auch Zombies scharen sich gern um ein wärmendes Feuerchen.

Autor: Matthias

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