Programme auf Zack bringen. Oder entsorgen

Die Blütezeit der Windows-Utilities ist längst vorbei. Zu recht, denn man darf erwarten, dass ein System sich selbst aushält. Wenn man ein Auto kauft, dann ist es auch nicht so, dass erst die Komponente eines Drittherstellers das Fahren ermöglicht und die Fortbewergung, sicher, angenehm und zuverlässig macht…

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Abgesehen von den Problemen mit den langen deutschen Begriffen macht die Software ihren Job ganz ordentlich.

… wobei, doch eigentlich ist es so, dass man beim Auto zusätzlich zum Auto Dinge braucht, um autofahren zu können. Eine unverzichtbare Komponente, die von einem Dritten bereitgestellt werden muss, ist das Benzin. Und wenn man ein sauberes Auto haben möchte, braucht man einen Staubsauger, der auch nicht zur Grundausstattung gehört. Also, diese Analogie bringt uns nicht weiter. (Wie automobile Analogien einen übrigens selten weiterbringen.)

Wie auch immer: Die meisten Leute können tatsächlich auf Utilities und Hilfsprogramme verzichten. Der Grossteil der Programme, denen man im Netz begegnet, sind obsolet oder waren schon immer nutzlos. Oder sie sind dazu da, dem Nutzer das gute Gefühl zu verschaffen, alles für den Computer getan zu haben, was man als guter Nutzer tun kann.

Nun geht es mir darum, die Ausnahmen zu finden, die die Regel bestätigt: Jene Utilities, für die es auch heute noch gute Gründe gibt. Man muss sie auf keinen Fall zur Grundausstattung zählen. Doch wenn man ein Nutzer mit speziellen Bedürfnissen ist, dann sollte man sie kennen.

Heute in dieser Reihe: Secunia Personal Software Inspector. Diese Software sucht auf dem Computer nach veralteten Anwendungsprogrammen. Es führt auf Wunsch gleich ein Update aus oder informiert wenigstens darüber, wo man nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.

Stellt sich als erstes die Frage: Sind veraltete Programme ein echtes Problem oder bloss ein vermeintliches – mit dem man den Windows-Nutzern eine Software schmackhaft machen will, die es eigentlich nicht braucht?

Für die Antwort muss man differenzieren: Veraltete Anwendungsprogramme können ein Problem sein, müssen aber nicht. Delikat sind sie, wenn sie mit dem Internet zu tun haben. Eine bekannte Sicherheitslücke könnte einer Schadsoftware das Eindringen ermöglichen. Allerdings halten sich die betroffenen Programme – Browser, Plugins und Hilfsprogramme wie Java, Flash und Adobe Reader – selbst auf dem neuesten Stand.

Anwendungsprogramme wie Office oder Adobes Creative Cloud, die einen intensiven Kontakt zu den Servern ihrer Fertiger pflegen, führen ebenfalls selbst Updates durch. Wichtig ist, die auch zeitnah zu installieren.

Die «klassischen», auf den lokalen Computer beschränkten Anwendungsprogramme müssten IMHO nicht sklavisch auf dem neuesten Stand gehalten werden. Auch da kann es natürlich sein, dass ein Update einen lästigen Programmfehler beseitigt. Auf Dauer ist die wichtigste Funktion allerdings, die Kompatibilität zum Betriebssystem aufrecht zu erhalten. Eine sehr grosse altersmässige Kluft zwischen System und Anwendung führt unweigerlich zu Problemen.

Wichtig scheint mir vor allem eine Funktion von Secunia: Das Aufspüren von Programmen, die ihr End of Life erreicht haben. Sie werden vom Hersteller nicht mehr weiterentwickelt. Man muss deswegen damit rechnen, dass sie früher oder später – zum Beispiel nach einem System-Update – nicht mehr funktionieren. Wenn das unvermittelt passiert, ist das ärgerlich. Darum ist es nicht verkehrt, sich rechtzeitig nach einer Alternative umzusehen. Je nach Situation kann es knifflig sein, eine Alternative zu evaluieren und den Datenbestand zu überführen. Aber vielleicht ist es auch ganz einfach, und man stellt fest, dass man das Programm seit Jahren nicht mehr benutzt hat. Dann sollte man es deinstallieren. Das hilft auch gegen die im Beitrag Softwareschrott entsorgen beschriebenen Probleme.

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Die Detailansicht gibt Hinweise zum Gefahrenporenzial.

Also: Secunia PSI ist nicht verkehrt für Leute, die ihren Computeralltag mit vielen Programmen bestreiten. Für die normalen Nutzer, die mit Browser, Mailprogramm, Textverarbeitung und den Systemprogrammen auskommen, ist das Programm nicht nötig.

Secunia PSI sortiert die Programme nach Status, d.h. «zu aktualisieren» und «aktuell». Im Verlauf sieht man, welche Updates installiert wurden. Und bei Einstellungen gibt man an, ob das Programm automatisch mit Windows starten soll, was IMHO nicht nötig ist – einmal alle drei Monate manuell ausführen, reicht auch. Man kann auch einstellen, ob Updates automatisch installiert werden sollen. Davon würde ich ebenfalls abraten, weil man vielleicht vorab prüfen möchte, ob eine wichtige Anwendung aktualisiert wird. Es kann bei grösseren Versionssprüngen passieren, dass sich wesentliche Dinge bei der Bedienung ändern. Und darauf möchte man sich vielleicht seelisch vorbereiten.

Eine interessante Funktion ist auch die Detailansicht. Sie zeigt etwas mehr über die einzelnen Programme, insbesondere, wie veraltet eine Anwendung eigentlich ist.

Ein Problem ist, dass Secunia PSI nicht alle Programme kennt – und dementsprechend Altlasten übersieht. Falls man feststellt, dass ein wichtiges Programm nicht berücksichtigt wurde, kann man das über den Link Programm hinzufügen anmelden. Man muss ein paar Dinge angeben, z.B., wo man es herunterladen kann.

Secunia PSI ist Freeware.

Autor: Matthias

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