Der coole, dreckige Trick

Mit einem per Internet geschalteten Stromadapter lässt sich der Computer per Ferne einschalten. Auf diese Weise hat man per Remote-Zugang alle seine Daten zur Verfügung – auch diejenigen, die nicht in der Cloud gespeichert sind.


Den eigenen PC und alle Daten immer in Reichweite.

Mit dem Patentrezept-Video vom letzten Sonntag habe ich mich etwas schwergetan. Einerseits ist es eine echt nützliche Sache: Seit ich das Verfahren für mich entdeckt habe, nutze ich es regelmässig und mit wirklichem Gewinn. Andererseits hat es gewisse Anzeichen eines «Hacks», und man muss die Leute dazu bringen, am Bios ihres Computers herumzufummeln. Doch IMHO sollte man die Leute nicht unterschätzen – sondern ihnen die Wahl lassen. Gezwungen, es mir gleichzutun, wird keiner.

Es geht um die Möglichkeit, den Computer von fern einzuschalten und dann via Teamviewer zu nutzen. Auf die Idee bin ich gekommen, weil Teamviewer für mich seit einiger Zeit sehr an Nützlichkeit gewonnen hat.

Wake on LAN ist nicht das Gelbe vom Ei

Ich habe mir dann überlegt, wie man den Computer wohl übers Internet aufwecken könnte. Denn dann hätte man seine Daten jederzeit in Reichweite und könnte sogar am iPad oder Smartphone mit seinen Desktop-Anwendungen arbeiten. Aber Wake on Lan is a bitch ist eine extrem unpflegeleichte Angelegenheit.

Es funktioniert! (Und erspart es einem, den Einschaltknopf am PC zu drücken, selbst wenn man direkt danebensteht.)

Darum also die Experimente mit dem Wifi Switch von Mystrom – siehe hier und hier. Der erlaubt es, Geräte via App auch übers Internet zu schalten. Ob der Computer nun per Ethernet oder WLAN ins Netz geht, ist bei dieser Methode irrelevant.

Das Problem ist: Mein Computer bietet keine Option, um sich einzuschalten, sobald Strom aufs Netzteil kommt. Die Bios-Option «Nach Stromausfall wiederherstellen» («Restore on AC / Power Loss») stellt den vorherigen Zustand wieder her.

Der Trick mit dem Energiesparen

Das heisst: Wenn der Computer eingeschaltet war, wenn der Strom ausgeht, dann schaltet er sich wieder ein. Wenn er aber aus war, dann bleibt er aus. Das heisst: Fährt man den PC runter, kann man den Switch so oft aus- und wieder einschalten, wie man will. Der Computer fährt nicht hoch. Umgekehrt will man ihm nicht einfach so den Strom abdrehen – denn dann fährt er zwar wieder hoch, doch Abwürgen tut dem Betriebssystem nicht gut.

Darum die Idee mit «Energie sparen». Der Computer bleibt laufen und startet entsprechend auf, wenn man in wieder answitcht. Aber das Betriebssystem verliert keine Daten und kann die vorherige Session problemlos fortsetzen. Zumindest ist das bei meinen Computern so. Es ist aber schwierig zu beurteilen, ob das auf jeglicher Hardware analog klappt. Darum kann ich nicht garantieren, dass der Trick immer klappt – weswegen ich bei Tagi.ch auch Wake on Lan ausführlich als Alternative erwähne.

Der MyStrom-Switch, den es schon für um die 30 Franken gibt.

Der Trick für Fritzboxen

Fazit: Eine wirklich praktische Sache. Ein Leser hat in einem Kommentar noch auf folgende Möglichkeit hingewiesen:

Wer ohnehin eine AVM Fritzbox besitzt kann es auch mit dem FRITZ!Fernzugang (VPN) probieren. Und wenn man unbedingt den Strom des Rechners abschalten will kann man vom gleichen Anbieter die Fritz!Dect 200 Schaltsteckdose erstehen. Dort gibt es dann auch die Möglichkeit bei einer definierbaren Untergrenze an Stromverbrauch den Strom – bis auf Eigenverbrauch der Schaltdose – automatisch abzuschalten.

Der MyStrom-Wifi-Switch beherrscht die Möglichkeit auch, automatisch abzuschalten, wenn der Stromverbrauch unter eine gewisse Grenze sinkt. Das nennt sich «Standby eliminieren» und ist in der App wie folgt zu finden: Man wählt das Gerät aus, dann Stromsparen. Hier gibt man an, wie hoch der Standby-Verbrauch sein soll, bei dem der Switch den Strom ganz abdreht. Bei meinem Computer ist das um die fünf Watt.

So muss man noch nicht einmal darauf warten, bis der Computer im Energiesparmodus angekommen ist, um dann per App auszuschalten – so erledigt die App das von sich aus. Coole Sache!

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Der coole, dreckige Trick“

  1. Das wäre doch ein Grund für ein Arduino-Projekt. 🙂

    Einfache Variante: wenn Strom kommt von der Steckdose => PC einschalten.

    IoT Deluxe: Arduino per WLAN ans Internet hängen und mit der Twitter-Library steuern. PC einschalten per Twitter-DM. 🙂

  2. Die Option, den PC bei Strom einzuschalten, gibt es bei meinem Bios nicht. Die einzige Möglichkeit ist, den früheren Zustand wiederherzustellen, darum braucht es den Ruhezustand. Ich habe das Gefühl, bei einem früheren Modell sei das möglich gewesen, aber so richtig sicher bin ich mir nicht.

    Allerdings hat auch das Vorteile: Wenn der PC kaltstartet, musst du Teamviewer entweder als Systemservice betreiben, damit du dich anmelden kannst. Oder du musst Auto-Login einschalten.

    Die IoT-Deluxe-Variante wäre sehr charmant, aber etwas anfällig für den blauen Wal.

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