Schrödingers Katze hat zwei Meinungen

Der Unfalltod von Ueli Steck hat letzte Woche, nebst dem fulminanten Start von Repulik.ch, in meiner Timeline virtuelle Wellen geworfen. Es hat sich sehr schnell eine Kluft aufgetan. Auf der einen Seite gab es denjenigen, die betroffen waren (sind) und ihre Anteilnahme ausgedrückt haben. Auf der anderen Seite gab es Leute, die zum Ausdruck brachten, dass hier einer bewusst ein extremes Risiko eingegangen ist und den Tod gefunden hat. Das sei dann quasi Berufsrisiko – und somit kein Grund für Mitgefühl.

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Den Berg zu besteigen, scheint genauso schwierig, wie auf Facebook eine vernünftige Debatte zu führen. (Bild: Nepal 31 von Sam Hawley/Flickr.com, CC BY 2.0)

Ich habe ab und zu diese Momente, wo ich es bedauere, nicht Philosophie studiert zu haben. (Ich habe mal ein Semester damit zugebracht, dann aber vor der Lektüreliste kapituliert.) Es werden nämlich zwei Fragen aufgeworfen. Erstens: Warum verstehen die einen Leute dieses Bedürfnis, sich in Gefahr zu bringen, um «einen Traum zu leben»? (Die Anführungszeichen drücken aus, dass die Redewendung sehr abgegriffen ist, mir aber nichts weniger Floskelhaftes eingefallen ist.)

Und warum haben andere dafür überhaupt kein Verständnis, sondern halten Extrembergsteiger, Basejumper, Autorennfahrer für rücksichtslos? Diese Fraktion vertritt den Standpunkt, solche Adrenalinjunkies seien Egoisten, die sich nicht darum kümmern, dass sie ihrem Umfeld ständig Angst und Sorge bereiten und im Fall eines Unglücks auch die Trauer über den verfrühten Verlust aufbürden.
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Apple auf Instagrams Spuren

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Apple hat letzten Monat nicht nur neue iPads angekündigt, sondern auch die Video-App Clips. Nun kann man sich fragen, was die Motivation ist. Apple hat bereits eine schöne Video-App im Portfolio: iMovie heisst sie, und ich nutze sie gern. Wenn man die neue App ausprobiert, dann stellt man allerdings sofort fest, dass Clips (kostenlos) eine andere Klientel anspricht als iMovie. iMovie orientiert sich an den klassischen Videoschnittprogrammen, mit denen man mehrere Aufnahmen zu einem kleinen Filmchen zusammenbaut.

Clips dagegen ist eher eine Kamera-App, mit der man ein paar bewegte Schnappschüsse macht, die mit Effekten versieht und dann bei Facebook, Instagram, Snapchat oder WhatsApp postet. Apple will, so mein Eindruck, bei dem neusten Hype dabei sein. Das sind die «Meine Story»-Funktionen, die es zuerst bei Snapchat gab, und die man nun überall sieht: Bei Facebook und dem Facebook Messenger und sogar bei Excel.

Also ein leicht durchschaubarer Versuch, bei der Jugend zu punkten. „Apple auf Instagrams Spuren“ weiterlesen

Was passt dem Hosenscheisser nicht?

Dank dem schönen Umstand, seit neun Monaten Vater zu sein, kann ich nun Apps testen, die vor zehn Monaten absolut kein Thema waren. Zum Beispiel die tollen Apps, die ich in diesem Video vorgestellt habe. Oder die App Baby Cries Translator, die es für 3 Franken für Android und das iPhone gibt.

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Hungrig oder liebesbedürftig?

Die App macht genau das, was sie verspricht: Sie übersetzt das Weinen des kleinen Erdenbürgers in eine für uns Erwachsene verständliche Botschaft. Die App basiert, so steht es im Artikel des für Qualitätsjournalismus weiterherum bekannten Mediums «Daily Mail», auf echtem Geschrei: 200′000 Lautäusserungen von 100 Babys wurden ausgewertet. Die Genauigkeit sei 92 Prozent für zwei Wochen alte Kinder, 85,4 Prozent nach einem Monat, 83,8 Prozent nach zwei Monaten und 77 Prozent nach vier Monaten, so steht es auf der Website des Herstellers.

Die Genauigkeit für ein Kind von neun Monaten steht nirgends, aber es ist anzunehmen, dass die schon in einem Bereich liegt, wo man mit Raten, bzw. mit eigener Erfahrung genauso treffsicher ist. Aber ich habe es leider nun einmal verpasst, die App zu testen, als meine Tochter noch präziser zu analysieren war. Doch damals war das Bedürfnis nach einer solchen App nicht vorhanden, weil die Bedürfnisse der Tochter meistens völlig klar waren.

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