Adobe, so kann ich nicht arbeiten

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… und wenn es schon eine Internetverbindung gibt, dann machen Sie, was Sie wollen (nur mit Photoshop läuft heute nichts.)

Adobe hat seinerzeit für die Creative Cloud viel Kritik einstecken müssen. 2011 hatte sich der Softwarekonzern entschieden, seine zentralen Produkte von InDesign über Photoshop bis hin zu Premiere nur noch als Mietsoftware und nicht mehr zum Kauf anzubieten. Im Februar 2013 habe ich dazu geschrieben:

Sowohl Microsoft als auch Adobe versuchen nun, ihr Problem über eine neue Form der Lizenzierung anzugehen. Statt die neuen Versionen schachtelweise zu kaufen, soll der Kunde die Software mieten. Bei den Volumenlizenzen in den Unternehmen ist das schon länger üblich. Das Mietmodell hat für den Hersteller den Vorteil, dass die Einnahmen kontinuierlich fliessen.
Für den Kunden bedeutet das Mietmodell, dass er automatisch die neueste Software zur Verfügung hat, ohne sich um Updates kümmern zu müssen. Lizenzen können ausserdem nach Bedarf bezogen werden.

Aber eben: Während Microsoft den Anwendern die Wahl lässt und Office weiterhin auch in der Schachtel anbietet, hielt es Adobe nicht für nötig, den Nutzern eine Kaufalternative anzubieten. Ich hielt das schon damals für arrogant. Denn auch wenn Mietsoftware in Zukunft wichtiger wird und Vorteile hat, so muss man den Leuten Zeit lassen, sich an den Wechsel zu gewöhnen und die eigene Softwarenutzung darauf abzustimmen.

Es gibt auch Leute, bei denen die Vorteile eines Kaufprodukts nach wie vor überwiegen. Sympathische Unternehmen nehmen auf die Bedürfnisse ihrer Kunden Rücksicht und bieten auch die Kaufoption an, selbst wenn ihnen das nicht so recht in den Businessplan passt. Unsympathische Unternehmen (so wie Adobe) spielen ihre Marktmacht eiskalt aus. Denn da die Produktpalette von Adobe in grossen Teilen konkurrenzlos dasteht, haben viele Kunden keine Wahl als sich dem Mietdiktat zu beugen.

Frustrierte Kunden sind kein gutes Fundament für eine fruchtbare Geschäftsbeziehung. Und Adobe weckt und verstärkt die Einsicht, dass es Konkurrenzprodukte braucht. Wie zum Beispiel Pixelmator. Oder die von vielen, von mir bislang aber nicht ausprobierten Programme von Affinity. Ich wage zu behaupten, dass die einen weniger guten Stand hätten, wenn sich Adobe nicht ganz so selbstherrlich aufführen würde.

Nun gibt es auch echte Einwände gegen Software as a Service. Der wichtigste ist IMHO die geringere Produktionssicherheit. Eine Kaufsoftware sollte – Viren-, Hardware- und Betriebssystempannen einmal ausgeklammert – einfach funktionieren. Das ist bei Mietprogrammen nicht der Fall: Da kommt mit der Online-Überprüfung des Lizenzstatus eine grosse Fehlerquelle hinzu. Die wird von den Softwareherstellern gern kleingeredet: Man überprüfe ja nur einmal in einer bestimmten Periode (z.B. einmal pro Monat) und ansonsten könne man auch problemlos offline arbeiten.


Genau, ich habe ja nichts Besseres zu tun, als an der Hosts-Datei herumzufummeln.

Jeder, der sich mit Software auskennt, weiss, wie blauäugig diese Argumentation ist. Es ist nicht eine Frage, ob dieses Problem auftritt, sondern nur wann. Und die Wahrscheinlichkeit tendiert gegen hundert Prozent, dass es genau dann passiert, wenn man im Stress ist, unbedingt ein Projekt abschliessen sollte und garantiert keine Zeit hat, an Hotlines zu hängen und sich mit störrischen Programmen rumzuschlagen.

Vor einigen Tagen hatte ich ein solches Erlebnis bei meiner Arbeit für publisher.ch. Da verweigerten Photoshop und Co. urplötzlich die Arbeit – mit einer offensichtlich falschen Fehlermeldung. Man müsse sich neu anmelden, hiess es erst. Und dann, ohne dass eine Anmeldemaske aufgetaucht wäre, erschien eine Meldung über eine fehlende Internetverbindung. Da der Internetzugang an jenem Rechner ausgezeichnet funktionierte, war die Fehlermeldung auf den ersten Blick unzutreffend, sodass das Vertrauen in Adobe (falls vorhanden) augenblicklich erschüttert wurde. Allein schon deswegen, weil es für die CC-App ein leichtes wäre festzustellen, ob nur der fragliche Server bei Adobe oder das Internet als ganzes nicht erreichbar ist.

Nach einigem Hin und Her und mit erfolgloser Abarbeitung von Adobes Tipps hier habe ich einfach die Windows-Firewall abgeschaltet – und siehe da, dann ging es. Aber auf die Idee muss man erst einmal kommen.

Fazit: Das ist ganz grosser Quatsch, was Adobe hier bietet – und wenn ich nicht nur als Arbeitnehmer, sondern als Entscheider über Softwarekäufe von diesem Problem betroffen wäre, dann würde ich mir ernsthafte Gedanken über Alternativen machen…

Autor: Matthias

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