Programmieren fürs Auge

Processing ist eine Entwicklungsumgebung, mit der man grafische Anwendungen, Simulationen und Animationen entwickelt. Sie wurde am MIT als Open-Source-Projekt entwickelt und ist (wenn die Website denn mitspielt) unter Processing.org für Windows, Mac und Linux zu haben. Und für Android.

Wie bei Structure Synth, Context Free, Kandid, Chaoscope oder Pixel Bender entwickelt man mit einer (mehr oder weniger) einfachen Syntax seine Bilder und Animationen. Man programmiert seine Bilder gewissermassen, weswegen die Apps in den Bereich der algorithmischen Bilderzeugung.

Wie man sich die Syntax von Processing vorzustellen hat, wird im englischen Wikipedia-Artikel klar: Man kann einfach Linien ziehen, Farben für Hintergründe, etc. bestimmen und mit der Maus interagieren. Welches Potenzial in der App steckt, zeigt das im Screenshot abgebildete Beispiel eindrücklich: Mit wenigen Zeilen Code (42, um genau zu sein), erhält man eine Karte mit dem Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl … nein, nicht von 2016, sondern von 2008. So etwas von Hand zu zeichnen, wäre ungleich aufwändiger. Und um beispielsweise die Farbe der Staaten zu ändern, braucht man bloss bei statesColoring den gewünschten Parameter zu ändern.

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Nun, natürlich bringt einem das trotzdem nur etwas, wenn man sich mit den Grundlagen der Sprache vertraut gemacht hat. Wie schnell oder langsam das geht, kann ich leider nicht beurteilen, da ich über ein paar erste Gehversuche bislang nicht herausgekommen bin. Die Sprache ist von Java inspiriert, man kann über die Tools aber auch den Python Mode und den JavaScript Mode aktivieren. Am einfachsten geht die Einarbeitung über die Beispiele. Die installiert man sich via Tools > Tool hinzufügen. Unter Examples stehen diverse Kurse zur Auswahl: Getting Started mit 13 Kapitel von einer Einführung über das Zeichnen, Variablen, Interaktion, Transformation, Bewegung und Animation, Umgang mit Bildern und Video, Funktionen, Arrays und Daten; Learning Processing mit 23 Beispielen; The Nature of Code, plus weitere Beispiele.

Die Beispiele findet man in seinem Benutzerverzeichnis unter Processing\examples, sodass man sie parallel zu den oben verlinkten elektronischen Büchern durchackern kann.

Bleibt die Frage: Lohnt sich das, bzw. wann lohnt es sich? Das ist eine Frage, die ich nicht wirklich kompetent beantworten kann. Ein Eindruck geben die Beispiele hier, die man direkt im Browser ausführen kann und zur Veränderung in die Processing-Entwicklungsumgebung rüberkopieren kann. Mein Eindruck: Wenn man sich im Bereich der Datenvisualisierung bewegt, kommt man mutmasslich eher zum Ziel, als wenn man «Kunst» im weitesten Sinn anstrebt und abgefahrene, eindrückliche Illustrationen programmieren will. In dem Fall ist man mit den oben erwähnten Programmen Context Free oder Structure Synth besser bedient. Technische Zeichnungen, wissenschaftliche Anwendungen und ähnliches dürften vielversprechende Anwendungsbereiche sein.

Wen das noch nicht abgeschreckt hat, der sollte sich an NeoTextureEdit (Open Source) oder Genetica heranwagen. Mit diesen Programmen bastelt man Texturen für 3D-Objekte und die Photoshop-Komposition, und man kann Stunden vertrödeln, ohne auf den allerkleinsten grünen Zweig zu kommen. 😉

Autor: Matthias

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